Home
http://www.faz.net/-gpc-6uk3i
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Cristina Kirchner im Porträt Respektiert, aber nicht geliebt

Präsidentin Cristina Kirchner führt seit dem plötzlichen Tod ihres Mannes das Familienimperium weiter. Seitdem sie allein regiert, gibt sie sich konzilianter, sie mäßigte auch ihren hochfahrenden Ton.

© dapd Vergrößern Die wiedergewählte Präsidentin hält ein Bild ihres verstorbenen Mannes in den Händen

Eine Wahl war es eigentlich nicht, denn ihre politischen Gegner hatten sich zuvor in beispiellosen Schaukämpfen selbst demontiert. Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hatte keinen ernstzunehmenden Herausforderer. Das Ergebnis, mit dem sie für eine weitere Amtszeit bestätigt wurde, ist nach den Rekordwerten, die ein Juan Perón erzielt hatte, das beste seit der Rückkehr zur Demokratie 1983. An ihrer Stelle hätte eigentlich ihr Mann Néstor auf dem Siegerpodest stehen sollen, doch seit seinem plötzlichen Tod vor einem Jahr muss sie das Familienimperium weiterführen.

Kirchner hatte bei den Wahlen 2007 seiner Frau den Vortritt gelassen, statt sich selbst zur Wiederwahl zu stellen. Sie hatte im Präsidentenamt zu seinen Lebzeiten nur wenig Spielraum, weil er hinter den Kulissen weiter die Fäden zog und ihrer Regierung seinen Konfrontationskurs gegenüber tatsächlichen oder vermeintlichen Gegnern aufzwang. Kirchners Streitsucht richtete sich schließlich gegen ihn selbst und rieb ihn auf. Frau Kirchner gab sich in dem Jahr, in dem sie allein regierte, konzilianter, zuletzt sogar früheren Widersachern gegenüber versöhnlich, sie milderte ihren hochfahrenden Ton.

Mehr zum Thema

Cristina Elisabet Fernández Wilhelm wurde am 19. Februar 1953 bei La Plata, der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, geboren. Ihr Vater war Busunternehmer. Ihre noch lebende Mutter ist Nachkomme wolgadeutscher Einwanderer. Mit ihrem Mann, den sie während des Jurastudiums kennenlernte, ging Frau Kirchner 1976, am Beginn der Militärdiktatur, in die patagonische Provinz Santa Cruz, aus der Néstor Kirchner stammte. Dort betrieb das Ehepaar eine Rechtsanwaltskanzlei und legte mit dem Erwerb von Immobilien den Grundstock zu dem privaten Vermögen, das jetzt offiziell deklarierte 13 Millionen Euro beträgt.

Néstor Kirchner war zunächst Bürgermeister der Hauptstadt Río Gallegos und von 1991 an zwölf Jahre lang Gouverneur der Provinz. Cristina Kirchner sammelte unterdessen eigene politische Erfahrungen als Abgeordnete und Senatorin im Nationalkongress. Der Wirtschaftsboom, den Argentinien nach der Krise erlebte, trug dazu bei, dass die Kirchners ihre Macht trotz mancher Rückschläge festigen und ausbauen konnten. So konnten sie auch die Sozialprogramme finanzieren, die ihnen Sympathien bei den ärmeren Bevölkerungsschichten einbrachten. Weder Fehlentscheidungen noch Skandale haben Frau Kirchner geschadet.

Aus der Jugendorganisation will sie ihr Personal rekrutieren

Von ihren Landsleuten wird sie respektiert, aber nicht geliebt. Ihre Kinder, der 34 Jahre alte Máximo und die 21 Jahre alte Florencia, sind bisher nicht in der Politik in Erscheinung getreten. Der Sohn hat allerdings über die von ihm gegründete „kirchneristische“ Jugend-Organisation „La Cámpora“ junge Politiker dem Regierungslager zugeführt. Aus diesem Reservoir scheint sich Frau Kirchner bei der Gestaltung ihrer Politik in den nächsten vier Jahren bedienen zu wollen. Die stets auf ein attraktives und gepflegtes Äußere achtende Präsidentin hat in ihrem bisherigen Wirtschaftsminister Amado Boudou außerdem künftig einen jugendlich wirkenden Stellvertreter.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hochstapler Der kleine Nicolás und der König

Nicolás, erst 20 Jahre alt, hat es mit seinen Künsten als Hochstapler in die höchsten spanischen Kreise geschafft. Die freigiebige Verteilung von Fünfhundertern wurde ihm jedoch zum Verhängnis. Mehr Von Leo Wieland, Madrid

21.10.2014, 10:38 Uhr | Gesellschaft
Pro-Cannabis Demo in Buenos Aires

Anbau und Besitz von Cannabis soll legalisiert werden. Das forderten Zehntausende in den Straßen von Buenos Aires beim alljährlichen Marihuana Marsch. Mehr

04.05.2014, 17:32 Uhr | Gesellschaft
Staatsstreich in Burkina Faso Präsident Compaore will nicht zurücktreten

Nach dem Putsch des Militärs hat sich Staatschef Compaore zu Wort gemeldet. Er werde weiterhin an der Macht bleiben, sagte er in einer TV-Ansprache. Mehr

30.10.2014, 21:36 Uhr | Politik
Ausschreitungen nach Mord an 13-jährigem

Mit Brandsätzen und Holzplanken haben diese Bewohner der Provinz Buenos Aires ihrem Ärger Luft gemacht. Sie protestierten gegen die mangelnde öffentliche Sicherheit, nachdem ein 13-jähriger Junge am Mittwochabend getötet worden war. Der Teenager war mit seinem Vater auf dem Weg zum Fußball-Training, als er aus einem Auto heraus in den Kopf geschossen wurde. Mehr

26.09.2014, 09:16 Uhr | Gesellschaft
Afrikanische Staastoberhäupter Die alten Männer und die Macht

Sambias Präsident Sata hat sich bis zu seinem Tod an sein Amt geklammert und damit sein Land gelähmt. Auch andere afrikanische Staatschefs sehen sich als ewige Herrscher. Mehr Von Thomas Scheen, Johannesburg

30.10.2014, 08:04 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.10.2011, 14:48 Uhr

Geld rettet Japan nicht

Von Carsten Germis

Die japanische Zentralbank überrascht die Märkte mit einer noch weiteren Öffnung der geldpolitischen Schleusen. Doch das rettet das Land nicht. Mehr 5 10

Psychologe im Gespräch „Meditation wirkt universell positiv“

Um die Wirkung von Meditation zu erforschen, verzichtet Psychologieprofessor Peter Sedlmeier schonmal drei Tage auf Schlaf. Im Interview erklärt er, wie die spirituelle Praxis Körper und Seele hilft und was er selbst dabei schon erlebt hat. Mehr 13 21

Kommunikation im Auto Der Porsche liest die E-Mail vor

Im Auto arbeiten? Beim Fahren? Das neue Bordsystem PCM von Porsche macht das möglich – und zwar ganz unkompliziert. Doch es werden nicht alle Smartphones akzeptiert. Mehr Von Michael Spehr 1

Ungewöhnliche Berufe Unterwegs mit einer Besamerin

Die Aufschrift „Besamungsservice“ auf ihrem Auto löst bei manchen Menschen ein Schmunzeln aus. Deshalb hat Melissa Theis mittlerweile eine Kuh darauf geklebt. Viele wissen trotzdem nicht, was sie eigentlich tut. Mehr 2