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Chinas First Lady Die Kunstsoldatin

Peng Liyuan, die First Lady Chinas, steht für all jene Werte, die dem Land fehlen: Menschlichkeit, Authentizität, Offenheit, Emanzipation und Integrität.

© F.A.S.

Als Peng Liyuan mit ihrem Ehemann, dem Präsidenten, im März von der ersten Auslandsreise zurück nach China kam, da war sie eine andere. Oder eher: Da hatte man sie zu Hause zu einer anderen gemacht. Die Chinesen schwelgten in einem regelrechten Liyuan-Wahn. Auf Sina Weibo, dem chinesischen Twitter, posteten User ununterbrochen Bilder von ihr; Fernsehen, Zeitungen, Blogs überschlugen sich mit neuen Details, Artikeln, Fotos. Es wurde über Stil, Frisur und Kleidung diskutiert, über Handtaschen und Make-up. Peng war nicht mehr Peng. Sie war jetzt eine Michelle Obama, eine Kate Middleton, eine Carla Bruni.

Peng Liyuan kam zurück als Symbol des chinesischen Traums. Des modernen, glamourösen, selbstbewussten Chinas. Eines Chinas, das sich nicht mehr hinter den Ländern des Westens zu verstecken braucht. Drei Wochen später erschien Peng im Magazin „Time“ auf der Liste der 100 einflussreichsten Leute der Welt. Der Aufstieg war perfekt.

Erfolg als Sängerin

Was hatte Peng gemacht? Eigentlich nichts. Jedenfalls nichts, was sie nicht vorher auch gemacht hatte. Sie ist eine der bekanntesten Sängerinnen in China, ein Profi des öffentlichen Auftritts und der Selbstvermarktung. Sie weiß, wie sie Beifall bekommt, auch auf internationalem Parkett. Aber was für das Showbiz normal war, das war für das Politikbiz völlig neu. Dort erinnerte man sich immer noch an die letzte Ehefrau Maos, Jiang Qing, die als Teil der berüchtigten „Viererbande“ für die Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 verantwortlich gemacht wird. Die späteren Ehefrauen von Deng Xioaping, Jiang Zemin und Hu Jintao verschwanden daher weitgehend aus der Öffentlichkeit. Peng allerdings will nicht hinter ihrem Mann stehen. Dafür hat sie schon zu viel erreicht.

Ihre Mutter sang bei einer fahrenden Operntruppe, ihr Vater war ein kleiner Beamter in der östlichen Provinz Shandong. 1976, mit 14, meldete Peng sich zum Vorsingen an der Shandonger Kunstschule und schaffte die Aufnahme. Mit 18, trat sie dem renommierten Musikkorps der Volksbefreiungsarmee bei. Sie war jetzt eine , eine Art „Kunstsoldatin“. Zwei Jahre später gelang der Durchbruch. Sie sang auf der Chinesischen Frühlingsfestgala, einem Fernsehereignis, das in China genauso zur Jahreswende gehört wie in Deutschland „Dinner for One“. Ihr Lied war ein kitschiger Erbauungsschlager, eine Lobeshymne auf die Heimat und die Partei.

Der Publikumsliebling

Unsere Heimat liegt auf der Ebene der Hoffnung/Von den Küchenkaminen der neugebauten Häuser weht der Rauch,

kleine Bäche fließen an den Ufern der Dörfer/hier ein Feld mit Gerste, dort ein Feld mit Hirse,

fünf Kilometer Lotusteiche, fünf Kilometer Duft/Ah, hey, jo, he, ya, ah, eh, ah, you! Hey! (Überraschungsrufe)

Generation für Generation leben wir auf diesem Feld/damit sie (China) gedeiht, damit sie aufblüht, unsere Hoffnungen liegen auf dem Feld der Hoffnung.

Auf Anhieb wurde Peng der Publikumsliebling. Sie tourte durch die Lande, sang für Armee und Volksmassen. 1985 besuchte sie während der chinesisch-vietnamesischen Grenzkonflikte wochenlang die stationierten Soldaten, was ihr eine Welle der Zuneigung entgegenbrachte. Peng galt als unprätentiös, schlicht, eine aus dem Volk. Für die Kommunistische Partei wurde sie zur Vorzeigefigur. 1986 trat sie der Partei bei. Noch im selben Jahr wurde sie Xi Jinping vorgestellt.

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