Home
http://www.faz.net/-gpc-7gt2o
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Chemiewaffeneinsatz in Syrien Grausig

Hunderte Menschen sollen bei Chemiewaffenangriffen des Assad-Regimes ums Leben gekommen sein - und das, während sich UN-Inspekteure im Land aufhalten. Eine Provokation des Regimes oder ein Täuschungsmanöver der Aufständischen?

Neue verstörende Nachrichten und Videos kommen aus Syrien, nachdem für geraume Zeit das Geschehen in Ägypten die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte: Hunderte sollen bei Chemiewaffen-Angriffen des Assad-Regimes auf Rebellenhochburgen getötet worden sein, wenn nicht noch mehr. Die Regierung bestreitet den Einsatz von Giftgas, nicht aber das Bombardement mehrerer Ortschaften an sich. Auch so wäre die Zahl der Opfer furchtbar. Fachleute halten die Videoaufzeichnungen für authentisch, doch eine unabhängige Bestätigung gibt es nicht.

Klaus-Dieter Frankenberger Folgen:

Angesichts der Dramatik des Vorgangs fragt man sich, warum Assad Chemiewaffen ausgerechnet jetzt hätte einsetzen sollen, da sich UN-Inspekteure in Syrien aufhalten und die Regierungstruppen nicht auf dem Rückzug sind. Es wäre ein Akt unvorstellbaren Vernichtungswahns und des Willens, sich an der Macht zu halten, koste es, was es wolle.

Geschleifte rote Linie

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte der amerikanische Präsident Obama mit Konsequenzen gedroht, falls das Assad-Regime Chemiewaffen einsetzen und damit eine „rote Linie“ überschreiten sollte. Zwar fällt es mittlerweile schwer zu glauben, dass Obama im syrischen Bürgerkrieg irgendwelche Positionen von Belang einnehmen würde, selbst wenn „rote Linien“ noch so oft überschritten würden. Das Kalkül der Rebellen könnte die „Drohung“ von einst dennoch bestimmen. Könnte es sich um ein großes Täuschungs- und Verwirrmanöver handeln? Aber was, wenn Assad tatsächlich Giftgas eingesetzt hat? Was würde die „Staatengemeinschaft“ dann unternehmen?

Das mindeste, was sie tun kann, ist, darauf zu bestehen, dass die UN-Fachleute auch die jüngsten Schauplätze in Augenschein nehmen dürfen. Das Regime will ihnen nur Zugang zu drei Orten gewähren, in denen zuerst Giftgas eingesetzt worden sein soll. Die UN sollten sich nicht einschüchtern lassen und die entsprechenden Untersuchungen in die Wege leiten. Wenn Assad nichts zu verbergen hat, kann er ja kooperieren. Vielleicht fürchtet er aber auch, dass das, was die Inspekteure zu sehen bekämen, grausig genug wäre. Stimmt! Der Krieg in Syrien hat eine Dimension erreicht - an Opfern, Flüchtlingen, Zerstörung -, dass die Vorstellung absurd anmutet, die sich bekämpfenden Gruppen könnten jemals (wieder) friedlich miteinander auskommen. Von Demokratie wird man heute nicht einmal mehr reden.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Veröffentlicht: 21.08.2013, 17:42 Uhr

Hell und Dunkel

Von Jasper von Altenbockum

Das Wort vom „Dunkeldeutschland“ hat weder Hilfsbereitschaft noch Aufnahmekapazitäten wachsen lassen, sondern ideologische Gräben. Die verlaufen mitten unter Demokraten. Mehr 477

3D-Druck Architektur aus dem Drucker

Die Technologie des 3D-Drucks wird zunehmend auch in der Architektur eingespannt. Die niederländische Firma MX3D will durch Roboter neue Brücken für Fußgänger aus Metall und Kunstharz über die unzähligen Kanäle in Amsterdam schaffen. Mehr 4

Das Beste aus dem Netz Diese Hitze!

An Land hält es bei diesem Wetter die wenigsten – Waschbären schon gar nicht. Mehr 2

Segelfliegen Thermik aus der Steckdose

Die Außenlandung eines Segelflugzeugs auf dem Acker muss nicht sein. Mit einem elektrisch angetriebenen Propeller kann der Pilot entspannt sein Ziel erreichen. Mehr Von Reinhold Wagner 1 16