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BSE : BSE-Schock am Jahresende

Aktie im Blick: McDonald's

          Die Aktie der größten amerikanischen Schnellrestaurantkette McDonald's hatte bis kurz vor Heiligabend ein gutes Jahr. Der Kurs der McDonald's-Papiere war seit Mitte März nämlich überdurchschnittlich kräftig gestiegen. Mit einem Anstieg um mehr als 50 Prozent rückte McDonald's im vergangenen Jahr sogar unter die zehn Besten im Dow-Jones-Index der dreißig größten Industriewerte vor. Der Dow Jones hatte insgesamt um 25 Prozent zugelegt.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Doch das dicke Ende kam an Heiligabend, als die Nachricht vom ersten Fall der Rinderseuche BSE in den Vereinigten Staaten die Fleischbranche und die einschlägigen Restaurantketten schockierte. Der Kurs von McDonald's brach umgehend um über 5 Prozent ein. Auch eine rasche Distanzierung des Konzerns von dem Fall konnte die Abwärtsbewegung zunächst nicht aufhalten. "Diese Situation hat absolut nicht den geringsten Zusammenhang mit McDonald's oder unseren Zulieferern", hieß es in einer am gleichen Tag veröffentlichten Mitteilung. Das Unternehmen habe viel Erfahrung mit dem Schutz seiner Fleischvorräte vor BSE.

          Jack Caffrey, Aktienmarktstratege bei der Investmentbank J.P. Morgan hielt die negative Reaktion der Börse für eine Übertreibung. "Verkaufsdruck auf Aktien von einigen Nahrungsmittelherstellern und Restaurantbetreibern war zu erwarten, weil Leute erst verkaufen und dann Fragen stellen", meinte er. Ein Analyst von J.P. Morgan bezeichnete McDonald's am vergangenen Montag daher als Kaufgelegenheit und stufte die Aktie von "Untergewichten" auf "Übergewichten" hoch. Der Kurs erholte sich daraufhin wieder. Vorausgesetzt, es gebe zukünftig nur eine begrenzte Zahl weiterer Fälle, rechnet J.P.-Morgan-Analyst John Ivankoe langfristig nur mit einer geringen Reaktion der Verbraucher. Ivankoe glaubt sogar, daß McDonald's vom BSE-Schock profitieren könnte, weil die Fleischpreise unter Druck geraten könnten. Analyst Joseph Buckley vom Brokerhaus Bear Stearns bekräftigte seine Empfehlung für McDonald's, weil der Fall keine Konsequenzen für den Umsatz zu haben scheine.

          McDonald's hatte mitgeteilt, daß sich der BSE-Fall nicht auf den Absatz der Fleischprodukte ausgewirkt habe. Detaillierte Angaben machte der Konzern aber nicht. Die Angst vor einer Infektion mit einer menschlichen Variante des Rinderwahnsinns hatte vor etwa drei Jahren in Europa und Japan zu einem kräftigen Rückgang des Geschäfts in diesen Regionen geführt.

          Für McDonald's war es nicht das erste Mal im vergangenen Jahr, daß BSE den Aktienkurs belastete. Als im Mai der erste BSE-Fall in Kanada seit über zehn Jahren bestätigt wurde, brach der Kurs kurzfristig ebenfalls ein. Aber auch davon erholte sich die Aktie, weil es ein Einzelfall blieb.

          Vor allem profitierte der Aktienkurs im vergangenen Jahr vom Wechsel an der Spitze des Konzerns und einem damit einhergehenden Strategiewechsel. Der vor einem Jahr angetretene Konzernchef Jim Cantalupo hatte im Januar angekündigt, das Expansionstempo herunterfahren und das bestehende Filialnetz wiederbeleben zu wollen. Anleger, die die Aktie im vergangenen Januar auf den tiefsten Stand seit damals sieben Jahren gedrückt hatten, trauen dem neuen Vorstandschef offenbar zu, die Probleme lösen zu können. Investoren hatten seinem Vorgänger vorgeworfen, die angestammten Filialen auf Kosten einer starken Expansion verkommen zu lassen. Service und Qualität des Essens hatten zu wünschen übriggelassen. Der Aktienkurs von McDonald's profitiert zudem vom niedrigen Dollarkurs. 60 Prozent des Umsatzes macht die Hamburger-Kette nämlich außerhalb der Vereinigten Staaten.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2004, Nr. 1 / Seite 21

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