Home
http://www.faz.net/-gpc-oldz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

BSE BSE-Schock am Jahresende

Aktie im Blick: McDonald's

Die Aktie der größten amerikanischen Schnellrestaurantkette McDonald's hatte bis kurz vor Heiligabend ein gutes Jahr. Der Kurs der McDonald's-Papiere war seit Mitte März nämlich überdurchschnittlich kräftig gestiegen. Mit einem Anstieg um mehr als 50 Prozent rückte McDonald's im vergangenen Jahr sogar unter die zehn Besten im Dow-Jones-Index der dreißig größten Industriewerte vor. Der Dow Jones hatte insgesamt um 25 Prozent zugelegt.

Norbert Kuls Folgen:

Doch das dicke Ende kam an Heiligabend, als die Nachricht vom ersten Fall der Rinderseuche BSE in den Vereinigten Staaten die Fleischbranche und die einschlägigen Restaurantketten schockierte. Der Kurs von McDonald's brach umgehend um über 5 Prozent ein. Auch eine rasche Distanzierung des Konzerns von dem Fall konnte die Abwärtsbewegung zunächst nicht aufhalten. "Diese Situation hat absolut nicht den geringsten Zusammenhang mit McDonald's oder unseren Zulieferern", hieß es in einer am gleichen Tag veröffentlichten Mitteilung. Das Unternehmen habe viel Erfahrung mit dem Schutz seiner Fleischvorräte vor BSE.

Jack Caffrey, Aktienmarktstratege bei der Investmentbank J.P. Morgan hielt die negative Reaktion der Börse für eine Übertreibung. "Verkaufsdruck auf Aktien von einigen Nahrungsmittelherstellern und Restaurantbetreibern war zu erwarten, weil Leute erst verkaufen und dann Fragen stellen", meinte er. Ein Analyst von J.P. Morgan bezeichnete McDonald's am vergangenen Montag daher als Kaufgelegenheit und stufte die Aktie von "Untergewichten" auf "Übergewichten" hoch. Der Kurs erholte sich daraufhin wieder. Vorausgesetzt, es gebe zukünftig nur eine begrenzte Zahl weiterer Fälle, rechnet J.P.-Morgan-Analyst John Ivankoe langfristig nur mit einer geringen Reaktion der Verbraucher. Ivankoe glaubt sogar, daß McDonald's vom BSE-Schock profitieren könnte, weil die Fleischpreise unter Druck geraten könnten. Analyst Joseph Buckley vom Brokerhaus Bear Stearns bekräftigte seine Empfehlung für McDonald's, weil der Fall keine Konsequenzen für den Umsatz zu haben scheine.

McDonald's hatte mitgeteilt, daß sich der BSE-Fall nicht auf den Absatz der Fleischprodukte ausgewirkt habe. Detaillierte Angaben machte der Konzern aber nicht. Die Angst vor einer Infektion mit einer menschlichen Variante des Rinderwahnsinns hatte vor etwa drei Jahren in Europa und Japan zu einem kräftigen Rückgang des Geschäfts in diesen Regionen geführt.

Für McDonald's war es nicht das erste Mal im vergangenen Jahr, daß BSE den Aktienkurs belastete. Als im Mai der erste BSE-Fall in Kanada seit über zehn Jahren bestätigt wurde, brach der Kurs kurzfristig ebenfalls ein. Aber auch davon erholte sich die Aktie, weil es ein Einzelfall blieb.

Vor allem profitierte der Aktienkurs im vergangenen Jahr vom Wechsel an der Spitze des Konzerns und einem damit einhergehenden Strategiewechsel. Der vor einem Jahr angetretene Konzernchef Jim Cantalupo hatte im Januar angekündigt, das Expansionstempo herunterfahren und das bestehende Filialnetz wiederbeleben zu wollen. Anleger, die die Aktie im vergangenen Januar auf den tiefsten Stand seit damals sieben Jahren gedrückt hatten, trauen dem neuen Vorstandschef offenbar zu, die Probleme lösen zu können. Investoren hatten seinem Vorgänger vorgeworfen, die angestammten Filialen auf Kosten einer starken Expansion verkommen zu lassen. Service und Qualität des Essens hatten zu wünschen übriggelassen. Der Aktienkurs von McDonald's profitiert zudem vom niedrigen Dollarkurs. 60 Prozent des Umsatzes macht die Hamburger-Kette nämlich außerhalb der Vereinigten Staaten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2004, Nr. 1 / Seite 21

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Marktbericht Mehr Optimismus bei den Aktionären

Eine sehr feste Wall Street und eine freundliche Tendenz in Asien lassen am Donnerstag auch in Deutschland die Kurse in die Höhe schießen. Mehr

27.08.2015, 18:07 Uhr | Finanzen
Elfenbeinküste Angst vor dem Ende des Goldrausches

Im Norden der Elfenbeinküste beutet der südafrikanische Konzern Randgold eine Goldader aus. Davon profitieren die umliegenden Gemeinden, die nun mit Trinkwasser und Strom versorgt werden. Doch in einigen Jahren könnte Randgold die Mine schließen, und die Menschen ärmer als je zuvor zurücklassen. Mehr

06.03.2015, 17:07 Uhr | Finanzen
Börsenkurse steigen Doch keine Krise in China?

Die Kurse an Chinas Festlandbörsen stabilisieren sich. Nun melden sich immer mehr Fachleute, die sagen: So schlimm, wie die Anleger dachten, ist es nicht. Mehr Von Alexander Armbruster

28.08.2015, 12:42 Uhr | Finanzen
Brüssel Juncker äußert sich zu Steuer-Skandal

Im November 2014 hatte ein internationales Journalisten-Netzwerk enthüllt, dass Luxemburg internationalen Konzernen mit Sondervereinbarungen jahrelang den roten Teppich ausgerollt hatte. Mehr

25.04.2015, 10:32 Uhr | Politik
Turbulenzen an den Börsen Dow schließt mit höchstem Tagesgewinn seit vier Jahren

Nach den großen Verlusten der vergangenen Handelstage haben unerwartet gute Konjunkturdaten der Wall Street ein sattes Plus beschert. Dies drängte die Sorge um Chinas Wirtschaft, die den Handel zuletzt stark bestimmt hatte, in den Hintergrund. Mehr

26.08.2015, 22:49 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 01.01.2004, 17:22 Uhr

Dieser Strom wird nicht verebben

Von Rainer Hermann

Wer je geglaubt haben sollte, der Nahe Osten sei weit weg und gehe uns nichts an, ist eines Besseren belehrt. Und es werden weiter Flüchtlinge aus der Region zu uns kommen. Die Konflikte sind nicht rasch zu lösen. Mehr 16

Schönheit Schminken auf Rädern

Um morgens ein paar Minuten im Bad zu sparen, werden Autos zu Beautysalons. Dafür stresst man sich zwischen zwei Ampelphasen. Eine Testfahrt. Mehr Von Jennifer Wiebking 1

Das Beste aus dem Netz „Liebes jüngere Ich...“

In einem Video geben Menschen aller Altersklassen ihrem jüngeren Ich Ratschläge fürs Leben. Mehr 2

Fahrräder für Behinderte Ohne Tricks zum Trix von der Krankenkasse

Für manche Kinder ist Radeln nicht einfach nur Spaß, sondern Therapie. Der Weg zum passenden Rad ist kompliziert. Eine Fahrradhändlerin hat sich darauf spezialisiert. Mehr Von Hans-Heinrich Pardey 4 5