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Veröffentlicht: 14.07.2016, 05:36 Uhr

Brexit-Gespräche May bittet Deutschland und Frankreich um Zeit

In einem ersten Telefonat mit Bundeskanzlerin Merkel hat die britische Premierministerin Zeit für die Vorbereitung der Brexit-Gespräche gefordert. Die SPD kritisiert Mays Entscheidung, Boris Johnson zum Außenminister zu machen.

© AFP Die britische Premierminister Theresa May will sich Zeit lassen mit dem EU-Austritt.

Die neue britische Premierministerin Theresa May hat sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande Zeit zur Vorbereitung der Brexit-Gespräche erbeten. Das habe sie Bundeskanzlerin Merkel in einem ersten Telefonat gesagt, teilte der Sprecher der Bundesregierung Steffen Seibert mit.

In dem Gespräch habe Merkel der frischen Regierungschefin gratuliert und ihr für ihr neues Amt Glück gewünscht. Beide seien sich einig gewesen, dass die Zusammenarbeit im Geiste der freundschaftlichen Beziehungen beider Länder fortgesetzt werden solle. Dies gelte auch für die anstehenden Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

„Unsere Aufgabe ist es, mit Regierungen befreundeter Länder sehr eng zusammenzuarbeiten", sagte Merkel am Donnerstagmorgen in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Es gebe in der Welt genügend Probleme, die dies erforderlich machten. Sie habe May bei dem Telefonat am Mittwochabend nach Deutschland eingeladen. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte Merkel. Die Ernennung des Brexit-Befürworters Boris Johnson zum neuen britischen Außenminister wollte sie nicht kommentieren.

Frankreichs Präsident François Hollande forderte May unterdessen auf, schnell ein Gesuch für den Austritt Großbritanniens aus der EU einzureichen. In einem ersten Telefonat habe der Präsident seinen Wunsch bekräftigt, „dass die Verhandlungen für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union so schnell wie möglich eingeleitet werden“, heißt es aus dem Elysée-Palast. Andere Politiker aus der EU forderten ebenfalls rasche Schritte.

May steht seit Mittwoch an der Spitze der britischen Regierung. Sie ist nach Margaret Thatcher die zweite Frau in diesem Amt. An ihrem ersten Amtstag bildete sie bereits das Kabinett um.

Für Kritik sorgt die Ernennung von Boris Johnson zum Außenminister. Die Berufung des Brexit-Wortführers ist nach Ansicht der SPD kein Zeichen der Stärke. „Frau May wirkt schwächer durch eine solche Personalentscheidung“, sagte der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner der Deutschen Presse-Agentur.

Johnson sei bisher nicht als herausragender Diplomat in Erscheinung getreten. „Jetzt verhandelt er den Brexit. Gute Reise!“, meinte Stegner. Für Großbritannien und die EU dürften harte Zeiten anbrechen.

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Der frühere Londoner Bürgermeister Johnson war bei den Konservativen zunächst Favorit im Rennen um den Premier-Posten, verzichtete dann aber. Das brachte ihm heftige Kritik ein. May setzte sich als Nachfolgerin von David Cameron durch. Johnson war einer der wichtigsten Kämpfer für den EU-Austritt.

Auf einen neu geschaffenen Ministerposten kommt der Abgeordnete David Davis. Er ist für den Brexit zuständig. Neuer Schatzkanzler ist der bisherige Außenminister Philip Hammond. Finanzminister George Osborne trat zurück, könnte aber bei den Brexit-Verhandlungen eine wichtige Rolle spielen.

© Reuters, reuters Theresa May neue Premierministerin von Großbritannien

Liam Fox, der 2011 von seinem Amt als Verteidigungsminister wegen der Verquickung von beruflichen und privaten Interessen zurücktrat, ist nun Minister für internationale Handelsbeziehungen. Mays Nachfolgerin im Innenministerium ist die Abgeordnete Amber Rudd. Michael Fallon bleibt Verteidigungsminister. Ein erstes Treffen der Politiker fand bereits im Amtssitz in der Downing Street in London statt.

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