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Farage und Johnson : Verantwortungslose Zocker

In den Augen der Brexit-Gegner sind die Politiker (v.l.n.r.) Michael Gove, Nigel Farage und Boris Johnson Lügner. Ein Brexit-Gegner demonstriert am 2. Juli in London mit einer Fotocollage des Trios. Bild: AFP

Dass sich nach Boris Johnson auch Ukip-Chef Nigel Farage aus der Verantwortung stiehlt, belegt endgültig, wie egal manchem britischen Politiker das eigene Volk ist.

          Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hat, wie verantwortungslos und von sich selbst besoffen die Brexit-Wortführer ihr Land ins Chaos und in eine der schwersten Krisen seiner jüngeren Geschichte geführt haben, dann liegt er jetzt endgültig vor: Nach Boris Johnson wirft auch Nigel Farage, der Parteivorsitzende der rechtspopulistischen Ukip-Partei und zweite Hauptverantwortliche für das Brexit-Votum, den Bettel hin und tritt als Ukip-Vorsitzender zurück.

          Er habe „sein politisches Ziel erreicht“, jetzt wolle er „sein Leben zurück“, sagt Farage zur Begründung – und man kann ihm gar nicht laut genug entgegenrufen: Geht's noch? Gemeinsam mit Boris Johnson hat Farage sein Land in die größte politische Krise seit 1945 gestürzt und mit verantwortungslosem Populismus, leeren Versprechungen und übertrieben geschürten Ängsten vor der EU ins Chaos geführt. Und jetzt, da sich die öffentliche Stimmung in England gedreht hat und es darum geht, den angerichteten Schlamassel wieder halbwegs zu beseitigen, stiehlt er sich aus der Verantwortung: Eindeutiger kann man seinem Volk nicht zeigen, wie egal es einem ist.

          Auch Boris Johnson, der Cricket spielende zweite Wortführer der Brexit-Kampagne, hat schon brutalstmöglich gezeigt, dass sich die Zauberlehrlinge lieber nicht mit den Geistern beschäftigen wollen, die sie im vollen Bewusstsein heraufbeschworen haben: Auch er kann sich plötzlich doch nicht mehr vorstellen, den Brexit als Nachfolger von Premierminister David Cameron in schwierigsten Verhandlungen – und womöglich gegen die Mehrheit des eigenen Volks – durchzusetzen.

          Stattdessen salbadert er davon, in der britischen Bevölkerung mache sich nur deswegen Hysterie breit, weil die Regierung keinen Brexit-Plan habe. Dabei war er es, der wie Nigel Farage offenkundig keinen Plan für den Ausstieg aus der EU hatte, weil beide nicht an den Erfolg ihrer Kampagne glaubten.

          Das Volk traut seinen Augen nicht mehr

          Farage, Johnson und auch der scheidende Premierminister David Cameron, der den Brexit ohne Not heraufbeschwor, um innerparteiliche Kritiker mit einer Volksabstimmung zu besänftigen, nach dem Referendum aber ebenfalls keine Lust mehr „auf diesen Scheiß“ hat, zeigen auf tragische Art, wie abgehoben, selbstbezogen und amoralisch Teile der britischen Politik agieren. 

          Sie spielen mit ihrem Volk und seinen Nöten wie an einem Pokertisch im Elite-College, und als die Sache mit den gezinkten Karten nach dem Sieg auffliegt, machen sie sich durch die Hintertür davon. Und das Volk starrt mit großen Augen von außen durch die Glasscheibe und kann nicht fassen, wie es diesen Zockern einmal vertrauen konnte.

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