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„Extrem besorgt“ : Europas Wirtschaft lässt May abblitzen

Wirtschaftsvertreter posieren nach dem Treffen in der Downing Street – ohne die Premierministerin. Bild: OLIVER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Während eines Treffens in der Downing Street umwirbt die britische Premierministerin Unternehmensvertreter aus ganz Europa. Die allerdings haben erkennbar andere Prioritäten.

          Theresa May hatte gerufen und mehr als ein Dutzend Vertreter führender Wirtschaftsverbände aus ganz Europa waren gekommen: Am Montag trafen sie die britische Premierministerin in London, um über den bevorstehenden Brexit zu sprechen. Der für März 2019 geplante Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sorgt in den Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals für wachsende Beunruhigung, denn es drohen neue Handelshürden. Zugleich wächst in den Chefetagen die Furcht, dass der Brexit im Chaos endet.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          May bekräftigte während des Treffens, ihr Land sei an einem freien Handel mit der EU nach dem Brexit interessiert. Emma Marcegaglia, die Präsidentin des Unternehmens-Dachverbands Business Europe, zeigte sich dagegen „extrem besorgt“ wegen des schleppenden Verlaufs der Austritts-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Auf Seiten der Wirtschaft wurde das Londoner Treffen als Versuch der Briten gewertet, die europäischen Unternehmen für ihre Interessen einzuspannen – und dazu zu bewegen, bei ihren heimischen Regierungen Druck zu machen, um mehr Kompromissbereitschaft gegenüber Großbritannien zu erreichen. „Wenn dies das Ziel der Briten war, dann wurde es sicher nicht erreicht“, sagte ein Teilnehmer der F.A.Z. im Anschluss an die Gesprächsrunde.

          Zugleich wurde eine weiterhin unrealistische Sicht der britischen Regierung auf die schwierigen Austrittsverhandlungen kritisiert: „Die leben immer noch in einer Parallelwelt“, hieß es. Trotz des großen Zeitdrucks und bislang sechs Verhandlungsrunden sind die Brexit-Gespräche der Politiker seit dem Sommer kaum vorangekommen: Die EU pocht darauf, dass in einer ersten Phase zunächst ausreichende Fortschritte bei drei zentralen Austrittsfragen erreicht werden müssten. Großbritannien will dagegen parallel schon jetzt über die künftigen Handelsbeziehungen reden.

          Deutsche Industrie fordert Brexit-Übergangsphase

          Steffen Kampeter, der Hauptgeschäftsführer der deutschen Arbeitgebervereinigung BDA, stellte sich hinter die Verhandlungslinie der EU: „Eine Einigung über die drei Austrittsthemen ist eine Grundvoraussetzung für Verhandlungen über die Beziehungen nach dem Brexit“, sagte er. „Der BDI unterstützt den Zwei-Phasen-Ansatz“, sagte Joachim Lang, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die beiden Wirtschaftslobbyisten aus Berlin saßen am Montag in London mit am Tisch.

          Als größter Bremsblock bei den Brexit-Verhandlungen gilt die Frage der milliardenschweren offenen Verpflichtungen Großbritanniens gegenüber der EU. Die beiden weiteren wichtigen Austrittsfragen sind die Brexit-Folgen für Nordirland sowie der künftige Status von EU-Bürgern in Großbritannien und von Briten in der EU. Bis zum EU-Gipfel im Dezember müssten Fortschritte erreicht werden, sagte Lang.

          Der BDI-Chef forderte zugleich eine längere Brexit-Übergangsphase für die Zeit nach 2019: Die von May ins Spiel gebrachte Frist von zwei Jahren sei „nicht genug, um den erforderlichen rechtlichen Rahmen zu schaffen“, warnte Lang. Großbritannien ist nach den Vereinigten Staaten der zweitgrößte Abnehmer deutscher Exporte. Rund 2500 deutsche Unternehmen haben auf der Insel Niederlassungen und beschäftigen dort mehr als 400.000 Mitarbeiter. Die Wirtschaft fürchtet die Wiedereinführung von Zöllen und andere Handelshemmnisse nach dem Brexit. Um die Anpassung zu erleichtern, müsse das Land nach 2019 zumindest vorübergehend im EU-Binnenmarkt und der Europäischen Zollunion bleiben.

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