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Biopetrol-Chef Dicks im Interview „Die Mineralölindustrie braucht unseren Biodiesel“

10.04.2006 ·  Biopetrol-Chef Christoph Dicks will in zwei Jahren fünfmal soviel Kraftstoff aus Rapsöl produzieren wie heute. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht er über die Aussichten seines Unternehmens.

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Biopetrol-Chef Christoph Dicks will in zwei Jahren fünfmal soviel Kraftstoff aus Rapsöl produzieren wie heute. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht er über die Aussichten seines Unternehmens.

Herr Dicks, was hat der Energiegipfel für Biodiesel gebracht?

Es geht in Richtung Erneuerbare Energien. Die Großindustrie wird dabei in die Pflicht genommen. Wir gehen weiter davon aus, daß Biodiesel vermehrt zum herkömmlichen Diesel beigemischt wird.

Mit staatlicher Hilfe!

Wir wollen und werden nicht ewig von staatlicher Hilfe abhängen. Von allen erneuerbaren Kraftstoffarten kann Biodiesel in Europa am ehesten wettbewerbsfähig werden.

Woher dieser Optimismus?

In Europa wird Diesel knapp. Das hängt mit den technischen Prozessen in den Raffinerien zusammen, die es nicht ermöglichen, kurzfristig größere Mengen Diesel herzustellen. Schon 2006 hat Europa ein kleines Dieseldefizit. Diesel ist schon teurer geworden als Super.

An der Tankstelle aber nicht.

Aber nur, weil Sie in Deutschland auf Diesel weniger Steuern zahlen. Im Trend wird immer mehr Diesel in Europa fehlen, weil das Angebot starr ist, aber die Nachfrage steigt - durch vermehrtes Transportaufkommen und wegen steigender Zulassungen für Diesel-Autos. Daher braucht die Mineralölindustrie unseren Biodiesel zur Beimischung.

Die Lücke kann doch jeder füllen.

Nein, das geht nicht ohne entsprechende Anlagen und Infrastruktur. Wichtig ist, daß man sich von Anfang an industriell aufstellt und ständig an den Kosten arbeitet. Wir richten uns darauf aus, langfristig mit anderen Kraftstoffarten zu konkurrieren und im Markt eine führende Position zu erreichen.

Wieviel fehlt da noch?

Bis 2008 werden wir unsere Produktionskapazitäten verfünffachen - auf 750 000 Tonnen im Jahr. Das entspräche zehn bis elf Prozent eines Marktes, der sich bis dahin etwa verdreifachen wird. Was immer noch nicht genug wäre, um die EU-Ziele zu erreichen. Danach sollen bis 2010 in jedem Liter Diesel 5,75 Prozent Biodiesel sein.

Was bedeutet dies fürs Ergebnis?

2006 soll der Umsatz von 87 auf 150 Millionen Euro steigen und der Reingewinn von 3,2 auf acht Millionen Euro.

Sehr wenig bei einem Börsenwert von mehr als 900 Millionen Euro.

Die Investoren schauen auf 2008.

Und erwarten zusammen mit gewogenen Analysten einen Reingewinn von 74 Millionen Euro. Eine Rechnung mit Unbekannten.

Nicht unbedingt: Wir sind sicher, daß wir die Produktivität mit höheren Produktionsmengen steigern können. Die Nachfrage ist groß, das Dieseldefizit in Europa wird in einigen Jahren so hoch wie die gesamte deutsche Dieselproduktion sein - mehr als 30 Millionen Tonnen. Steigt der Dieselpreis, wird Biodiesel immer interessanter.

Brauchen Sie Kapital?

Nein, durch den Börsengang haben wir eine Eigenkapitalquote von 88 Prozent und 35 Millionen Euro Liquidität. Hinzu kommen die Barmittel aus dem laufenden Geschäft und die Möglichkeit, Fremdkapital aufzunehmen.

Ihr Top-Argument für die Aktie?

Der europäische Biodiesel-Markt wird in den nächsten Jahren im Schnitt um 26 Prozent pro Jahr wachsen. Wir wollen stärker als der Markt expandieren und den Wert des Unternehmens deutlich steigern.

Quelle: stt.; Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.04.2006, Nr. 14 / Seite 54
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