http://www.faz.net/-gpc-76du0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.02.2013, 18:50 Uhr

Biathlon-WM Norwegen sichert sich das erste Gold

Die deutsche Mannschaft startet mit einer Enttäuschung in die Biathlon-WM in Nove Mesto: Nach einem schwachen Auftritt landet die Mixed-Staffel nur auf Rang 13. Norwegen holt vor Frankreich und den Gastgebern aus Tschechien Gold.

von , Nove Mesto
© dpa Enttäuschend: Andrea Henkel startete schlecht in die Staffel

Platz 13, 2:40,7 Minuten Rückstand auf den Sieger: So weit weg vom Schuss war die deutsche Mixed-Staffel noch nie. Und das ausgerechnet beim Auftakt der Biathlon-Weltmeisterschaft in Nove Mesto. 27 000 Zuschauer, ausverkaufte Arena, ein spannendes Rennen, Wahnsinns-Stimmung, weil das tschechische Quartett beim WM-Heimspiel hinter Norwegen und Frankreich noch auf Platz drei vorpreschte. Allesamt ohne Strafrunde.

Claus Dieterle Folgen:

Und als harter Kontrast in all der Feiertagsstimmung am Donnerstagabend betretene Gesichter bei den Deutschen. Andrea Henkel (Großbreitenbach), Miriam Gössner (Garmisch), Simon Schempp (Uhingen) und Andreas Birnbacher (Schleching) standen ziemlich verloren da im Flutlicht der Vysocina Arena.

Mehr zum Thema

    Ein Desaster. Schwer zu erklären trotz einer Strafrunde und insgesamt zehn Nachladern. Formsache oder Materialproblem? Eher letzteres. Wenn Miriam Gössner einerseits sagt: „So schlecht bin ich noch nie gelaufen“, dann aber nachschiebt: „Um meine Form mache ich mir keine Sorgen“ - dann ist das mehr als ein versteckter Hinweis. Und wenn Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig von einem „völlig untypischen Wettkampf von Miri“ spricht, weil es schon lange nicht mehr vorgekommen sei, dass „sie auf der Strecke verliert“, weiß man schon alles. Nur haut man seine Techniker nicht so gerne öffentlich in die Pfanne.

Weit entfernt vom eigenen Anspruch

    Egal, ob Weiblein oder Männlein - kein Deutscher kam an diesem Abend auf der Strecke ungeschoren davon. Dabei gehören sie doch gerade läuferisch zu den Stärksten. Natürlich hatte Andrea Henkel gleich am Anfang einen schweren Stand gegen Weltcup-Spitzenreiterin Tora Berger (Norwegen) und Olga Saizewa aus Russland. Gut, zwei Nachlader kosten rund 20 Sekunden, aber das allein erklärte die 42 Sekunden Rückstand beim ersten Wechsel nicht. Richtig demoralisierend war es bei der vermeintlichen Aufholjagd von Laufwunder Miriam Gössner.

Sicher, beim Liegendschießen büßte die Weltcup-Vierte beim Nachladen ungewöhnlich viel Zeit ein: Die erste Patrone verlor sie, die zweite klemmte, die dritte funktionierte: kalte Finger. Erstaunlicher aber war, dass die Tempobolzerin schlechthin unterwegs immer weiter zurückfiel. Spätestens die Strafrunde nach dem Stehendschießen beendete diesmal alle deutschen Medaillenträume. „Keine Ahnung, warum ich drei Fehler geschossen hab“, sagte Miriam Gössner, tapfer lächelnd. Aber die gut 20 Sekunden, die so eine 150-Meter-Runde kostet, holt sie sonst locker wieder heraus.

Platz 23 mit eineinhalb Minuten Rückstand bei Halbzeit - weit entfernt vom eigenen Anspruch. Was blieb Schempp, außer ein bisschen Schadensbegrenzung? Die Verbesserung auf Platz 13 hört sich zwar freundlicher an, aber auch ihn erwischte es mit 2:04 Minuten Rückstand beim Wechsel heftig. Für Birnbacher war das Finale nur noch ein eher lustloses Training unter Wettkampfbedingungen.

Quelle: dpa.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Leichtathletin Lückenkemper Am Rande der Weltspitze

Locker wie eine Jamaikanerin sprintet Gina Lückenkemper kurz vor Rio ins Rampenlicht. Rennen gibt mir ein Gefühl von Freiheit, sagt sie – und ist mittlerweile gar die schnellste deutsche Sprinterin. Mehr Von Michael Reinsch, Berlin

19.06.2016, 09:17 Uhr | Sport
Interaktives Spiel Das Star-Quartett zur Fußball-EM 2016

Wir haben 32 Stars der Fußball-EM 2016 ausgewählt. Wer hat die meisten Länderspiele? Wer hat den höchsten Marktwert? Wer holte die meisten Titel? Spielen Sie mit beim EM-Quartett. Mehr Von Tobias Rabe

16.06.2016, 16:01 Uhr | Sport
EM-Übersteiger Dann feiern wir uns einfach selbst

Das Spiel des deutschen Teams gegen Polen ist zäh. Die Stimmung beim Public Viewing leidet darunter kaum. Die Fans können scheinbar nicht anders. Ein Besuch und Selbstversuch. Mehr Von Sebastian Reuter, Mainz

17.06.2016, 13:28 Uhr | Sport
Video-Filmkritik Der Moment der Wahrheit

Die Filmkritik zu Der Moment der Wahrheit von Andreas Kilb. Mehr

02.06.2016, 08:49 Uhr | Feuilleton
1:2 gegen Island I wer’ narrisch: Österreich ist draußen

David Alaba und Österreich sind raus aus dem Turnier. Die Bundesligaspielerauswahl aus der Alpenrepublik lässt gegen Island sogar einen Strafstoß ungenutzt. Der Außenseiter von der Insel steht dagegen im Achtelfinale. Mehr Von Roland Zorn, Saint-Denis

22.06.2016, 19:56 Uhr | Sport

Ein Urteil über die EU

Von Holger Steltzner

Manche werden den Briten mit ihren Sonderwünschen keine Träne nachweinen. Aber klar ist: Die EU kann nicht weitermachen wie immer. Sie hat berechtigte Reformwünsche zu lange ignoriert. Der Brexit ist die Quittung. Mehr 45 409

Fahrbericht Renault Talisman Staatsakt mit Nervenflattern

Renault setzt in der Mittelklasse wieder ein Lebenszeichen. Der Talisman ist eine schöne Alternative im gehobenen Establishment. Wenn doch nur sein Fahrwerk höflicher wäre. Mehr Von Holger Appel 3 1