17.12.2008 · Die Börsenaufsicht SEC hatte seit fast zehn Jahren einige konkrete Hinweise gegen den Anlageschwindel des Börsenmaklers Bernard Madoff. Die Behörde hat darauf aber nicht reagiert.
Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat im Betrugsfall des New Yorker Börsenmaklers Bernard Madoff Fehler eingeräumt. Mitarbeiter der Behörde hatten nach den Worten des SEC-Vorsitzenden Christopher Cox seit fast zehn Jahren glaubwürdige Warnungen über Madoffs finanzielle Machenschaften erhalten. Die Hinweise seien aber ignoriert worden.
Madoff wird von der Staatsanwaltschaft und der SEC vorgeworfen, Anleger in einem gigantischen Schneeballsystem um bis zu 50 Milliarden Dollar betrogen zu haben. Cox hat interne Ermittlungen angekündigt. Mitarbeiter der SEC hätten trotz der Warnungen nie offizielle Ermittlungen eingeleitet, um Informationen über die Firma unter Androhung rechtlicher Zwangsmaßnahmen zu erhalten. Anstelle dessen hätten sich die Anwälte auf freiwillig herausgegebene Daten von Madoff verlassen.
Die internen Ermittlungen werden sich auch auf persönliche Beziehungen von Madoff-Angestellten und Mitarbeitern der SEC konzentrieren. Eine Nichte von Madoff hat im vergangenen Jahr den SEC-Anwalt Eric Swanson geheiratet. Swanson war für die Kontrolle des Aktienhandels an Börsen und elektronischen Handelsplattformen zuständig. Madoffs Firma, Bernard Madoff Investment Securities, gehörte zu den größten Maklern an der Nasdaq. Parallel dazu betrieb Madoff eine Vermögensverwaltung für reiche Privatanleger und Institutionen, wo der Betrug stattgefunden haben soll. Madoff, der am vergangenen Donnerstag von der amerikanischen Bundespolizei FBI verhaftet wurde, ist mittlerweile gegen eine Kaution von 10 Millionen Dollar wieder auf freiem Fuß. Nach Angaben der Behörden hat Madoff, der zeitweise Verwaltungsratsvorsitzender der elektronischen Börse Nasdaq war, Verluste vertuscht und die Auszahlungen an Kunden mit dem Geld neuer Investoren finanziert.
SEC-Chef Cox, der die Behörde seit dem Jahr 2005 führt, reagiert mit der Stellungnahme auf zunehmenden öffentlichen Druck. Seit dem Bekanntwerden des Betrugsfalls fragten sich Investoren und Fachleute an der Wall Street, warum ein derart riesiger Betrug nicht vorher aufgefallen ist. Joel Seligman, ein Historiker an der Universität von Rochester, bezeichnete den Fall als "Debakel" für die SEC. Die Behörde hatte nach Zeitungsberichten bereits vor 16 Jahren in Zusammenhang mit anderen Ermittlungen die Möglichkeit, Ungereimtheiten bei der Vermögensverwaltung von Madoff festzustellen. Danach hatte es mehrfach Beschwerden gegeben, die die ungewöhnlich beständigen Renditen von Madoff in Frage stellten. Madoffs Vermögensverwaltung scheint aber in eine regulatorische Grauzone gefallen zu sein. Obwohl er Geld von Anlegern einsammelte und Investitionsentscheidungen traf, ist er erst seit 2006 als Investmentberater bei der SEC registriert. Normalerweise werden diese Firmen im Jahr nach der Anmeldung geprüft. Das ist aber offenbar auch nicht geschehen. Als weiteres nicht beachtetes Warnsignal gilt der Umstand, dass die Bücher von Madoff von einer völlig unbekannten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft abgesegnet wurden.
In den Vereinigten Staaten gehören einige prominente Privatanleger und Stiftungen zu den Opfern. Der Immobilienunternehmer Mortimer Zuckerman war in einem Fonds investiert, der fast das gesamte verwaltete Vermögen bei Madoff angelegt hatte. Eine Stiftung des Filmregisseurs Steven Spielberg und die Stiftung des Nobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel hatten Madoff ebenfalls Geld anvertraut. Neben amerikanischen Anlegern hatten auch Großbanken in Spanien, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz eigenes Geld oder Geld ihrer Kunden bei Madoff investiert.
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