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Zeitarbeit Der ewige Kampf um Anerkennung

Zeitarbeit schafft in Deutschland viele Arbeitsplätze. Trotz des Mindestlohns ist sie jedoch umstritten wie keine andere Branche.

© dpa Vergrößern Wenn es doch so einfach wäre... Die Debatte um die Zeitarbeit ist vielschichtig.

Der Mindestlohn war nur der Anfang. Mit mehr als einem halben Jahr Verspätung bekam die Zeitarbeitsbranche zu Beginn dieses Jahres eine Lohnuntergrenze verpasst, die eigentlich schon zur Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes im Mai 2011 hätte kommen sollen. Dass der von den Befürwortern vorhergesagte Ansturm von Billigkonkurrenz aus Ost- und Mitteleuropa ausblieb, änderte an dem Vorhaben nichts mehr. Es ließ der Bundesregierung nur mehr Zeit, den Mindestlohn juristisch unangreifbar zu formulieren. Denn ein abermaliges Debakel wie mit dem gekippten Post-Mindestlohn wollte in Berlin niemand mehr erleben.

Sven Astheimer Folgen:  

Derweil steht schon der nächste Regulierungsschritt auf dem Programm: ein Tarifvertrag, der Zeitarbeitern dieselbe Bezahlung wie den Stammbelegschaften der Unternehmen zusichert, in denen sie zum Einsatz kommen. Eigentlich wollte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im April schon ein konkretes Ergebnis der Tarifparteien sehen. Anderfalls, so ihre Drohung, werde ihr Ministerium die Sache selbst in die Hand nehmen und gesetzlich regeln. Zwar verhandelt die IG Metall derzeit auch mit den beiden Zeitarbeitgeberverbänden BAP und IGZ über ein entsprechendes Tarifwerk. Doch konkrete Ergebnisse gibt es nach zwei Verhandlungen nicht.

Zeitarbeitsfirmen müssen Zugeständnisse machen

Erschwert werden die Gespräche dadurch, dass die Gewerkschaft die Gespräche ganz bewusst mit der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie verknüpft hat. Dort fordert sie Mitbestimmungsrechte im Fall des Einsatzes von Zeitarbeitern, womit wiederum für viele Metallarbeitgeber eine rote Linie überschritten ist. Beide Tarifrunden stocken, und die Ansetzung der nächsten Zeitarbeitsgespräche für Ende April zeigt, dass wohl kaum jemand der Beteiligten mit einer raschen Einigung rechnet. Aus dem Arbeitsministerium gibt es Signale, die Frist für die Tarifpartner noch ein wenig zu verlängern.

Die IG Metall wirft den Zeitarbeitsverbänden wiederum eine „Blockade auf Kosten der Leiharbeiter“ vor. Die Gewerkschaft will als Kern ihres neuen Tarifvertrags mit der Zeitarbeit ein Branchenzuschlagsmodell aushandeln, um die Löhne der Leiharbeiter denen der Stammkräfte anzugleichen. Prinzipiell stimmen auch die Zeitarbeitsfirmen einer solchen Konstruktion zu. „Bei der tariflichen Entlohnung gibt es eine offene Gerechtigkeitslücke im Bewusstsein der Menschen“, sagt IGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz. Deshalb sei man kompromissbereit. Die IGZ-Mitgliederversammlung hat zudem gerade mit großer Mehrheit einen Ethikkodex verabschiedet, der verpflichtende Standards für die Zusammenarbeit der rund 2500 Arbeitgeber mit ihren Arbeitnehmern festlegt.

Die Grenze der Zugeständnisse ist für Stolz allerdings erreicht, wenn es um die Eigenständigkeit der Branche gehe. Dazu gehört aus Sicht der Arbeitgeber vor allem das Recht, wirksame Tarifverträge abzuschließen. Deshalb ist die große Streitfrage, ab wann die Branchenzuschläge gezahlt werden sollen. Während die Arbeitnehmervertreter einen möglichst kurzen Zeitraum fordern – womit der Entgelttarifvertrag seine Wirkung eingebüßt hätte – , bestehen die Arbeitgeber auf einem Zeitraum von mehreren Monaten. In einer Branche, in der das Gros der Beschäftigungsverhältnisse nicht länger als ein halbes Jahr dauert, ist diese Frist von großer Bedeutung.

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Veröffentlicht: 31.03.2012, 07:00 Uhr

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