31.03.2012 · Zeitarbeit schafft in Deutschland viele Arbeitsplätze. Trotz des Mindestlohns ist sie jedoch umstritten wie keine andere Branche.
Von Sven AstheimerRichtlinien für Lesermeinungen
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Zeitarbeit als ausgelagerte Arbeitsvermittlung der Bundesagentur
Der politische Wille, die Ungerechtigkeiten der Zeitarbeit zu beseitigen, ist nicht vorhanden und nicht zu erwarten. Denn die Zeitarbeit kompensiert die Mangelleistung der Mammutbehörde Arbeitsagentur bei der Integration von Arbeitslosen: Wie die aktuelle Berstelsmann-Studie zur Zeitarbeit aufzeigt, speist sich die Zeitarbeit zum größten Teil durch Arbeitslose. Und die entscheiden sich nicht freiwillig für die Zeitarbeit. Sondern sie werden durch die Zumutbarkeitsregeln des Sozialgesetzbuches dazu gezwungen. Das ganze System basiert aalso auf dem Grundsatz der Ausbeutung und nciht durch Equal-Pay. Wer an diesem System etwas ändern möchte,muß Politiker wählen,die sich nicht zum Büttel der Unterbezahlung machen!
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 01.04.2012 09:27 UhrÄnderungswille nicht vorhanden
Danke für die Rückmeldung. Aber Ihren Optimismus kann ich nicht teilen. Die 900.000 Zeitarbeitnehmer - demnächst 1 Mio - sind für die Politik ein unverzichtbares Regulativ, um die Zahl der Arbeitslosen niedrig zu halten bzw. nach unten zu drücken. Da der Staat ja keine Arbeitsplätze für (Langzeit-)Arbeitslose schafft, benötigt er willfährige Gehilfen- und das ist die Zeitarbeit.Equal-Pay würde dieses System zu Fall bringen, weil durch gleichwertige Bezahlung auch die Zumutbarkeitsregel (ab dem 7. Monat Arbeitslosigkeit muß der neue Job nur noch Einkommen auf der Höhe des Arbeitslosengeldes bringen,) ins Wanken geraten würde. Und auf diesen Schlüssel wird keine politische Instanz /Partei freiwillig verzichten. Ich glaube, dass die einzige Lösung, die eine Veränderung zu mehr Lohngerechtigkeit bewirken könnte, ist der Konsumenten-Boykott! Produkte/Dienstleiitungen von Unternehmen, die nicht Equal-Pay realisieren, dürfen einfach nicht mehr gekauft werden.
@Wolfgang Wagner, M.A. (ww-bc)
Ich kann Ihnen nur zustimmen, bin allerdings in einem Punkt optimistischer: Bei der Zeitarbeit wird sich in den nächsten Jahren einiges tun. Es ist hier irgendwie eingerissen, dass Zeitarbeiter deutlich weniger verdienen, was aber durch nichts zu rechtfertigen ist. Der Anteil der Zeitarbeit wird steigen, und damit auch die politische Macht, dass hier etwas geändert wird. Ganz interessant ist da mein bereits genanntes Beispiel Niederlande: Dort wurden Rechte der Zeitarbeitnehmer peu à peu den Vollzeitarbeitnehmern angepasst. Die in diesem Artikel zitierten windigen Argumente für diese schlechtere Bezahlung zeigen ja bereits die Ohnmacht, wie man da Verbesserungen aufhalten möchte.
Pseudowissenschaftlicher Quark
"Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nennt als wichtigste
Ursache der Lohndifferenzen die unterschiedlichen Qualifikationen und Berufe."
Sorry, aber bei so viel konstruiertem Blödsinn geht mir der Hut
hoch: Als Arbeitnehmer werde ich für meine(!) Leistung und
Qualifikation und nicht(!) für die Leistung und Qualifikation
anderer.
Was hier so "wissenschaftlich" daher kommt ist nichts anderes
als Interessenpolitik. Gott sei Dank sind die meisten Menschen nicht so
blöd, darauf hereinzufallen. Bertelsmann-Stiftung und dieser Herr
Schäfer würden immer alles so drehen, dass es günstiger
für solche Arbeitgeber ist.
Hier lohnt auch ein Blick ins Ausland: In den Niederlanden besteht bei
Zeitarbeit Equal-Pay, Rechte von Zeitarbeitern und Festangestellten
werden immer weiter angeglichen. Das ist ein Gebot der Fairness und des
politischen Willens, da brauch man nicht diesen pseudowissenschaftlichen
Quark. Dass Zeitarbeit deutlich schlechter bezahlt wird, ist kein Naturgesetz.
Zeitarbeit schafft in Deutschland viele Arbeitsplätze?
Das ist ein Denkfehler. Würde diese Arbeit denn nicht gemacht, wenn
es keine Zeitarbeit gäbe?
Das Zeitarbeitsunternehmen diesen Mythos schüren, kann ich
verstehen. Man sollte ihn aber nicht unhinterfragt nachplappern.
Sven Astheimer Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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