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Worthülsen Unsere Unworte aus dem Büroalltag

Manche Worte machen erstaunliche Karrieren und sind zum Klischee verdampft. Besonders im Büro tummeln sich die Worthülsen. Welche wir in diesem Jahr möglichst nicht mehr lesen wollen.

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Multitaskingfähigkeit
© F.A.Z. Vergrößern

Multitaskingfähigkeit

Zuweilen klingt die moderne Arbeitswelt wie ein Konzert: Sie piept und bingt und klingelt, sie vibriert und dudelt und pfeift. Zuweilen sehen Bürobildschirme aus wie abstrakte Kunstwerke: Hier öffnet sich eine Mail, dort poppt eine Anzeige auf, schnell schiebt sich ein Twitter-Post darüber. Macht nichts, denn ohne diese Qualifikation läuft eh nichts mehr: Multitaskingfähigkeit. Klingt total kompetent. Aber was bedeutet dieses Wort eigentlich? Einfach übersetzt: Der moderne Büromensch kann mehrere Dinge gleichzeitig. Wirklich? Eine Hand für den Telefonhörer, eine für die Maus, die Augen für den Bildschirm, die Ohren für die Bing-Töne aus dem Smartphone. Aber wo bloß ist das zweite Paar Augen für die vielen Pop-up-Fenster? Wo sind die zusätzlichen Hände – zwei fürs Zehnfingersystem auf der Tastatur, eine fürs Handy und dann auch noch eine fürs Mittagsbrötchen, das wir gerade vor dem Bildschirm verzehren? Und ein zweites Paar Ohren wäre auch nicht verkehrt. Sonst können wir vor lauter Gepiepse ja gar nicht mehr verstehen, was unser Gegenüber am Telefon sagt. Ja, der moderne Büromensch hat sie: Multitaskingfähigkeit. Ja, der moderne Büromensch hat sie: vier Augen, vier Ohren, sechs Hände.

Nadine Bös