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Chefs werden kulanter : Wie viel WM am Arbeitsplatz ist ok?

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Ist er abgelenkt? Ein Angestellter schaut sich ein WM-Spiel an am Arbeitsplatz an. Bild: Verena Müller

Die WM am Arbeitsplatz verfolgen? Viele Arbeitgeber haben nicht’s dagegen – obwohl das richtig teuer werden kann.

          Leer gefegte Straßen sowie Jubelschreie aus Vorgärten, Kneipen und Büros: Von diesem Donnerstag (14. Juni) an wird die Fußball-Weltmeisterschaft wieder Millionen Menschen in Deutschland in ihren Bann ziehen – und zum Teil von der Arbeit abhalten. Einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim zufolge wollen Arbeitnehmer hierzulande im Durchschnitt jeden Tag 16 Minuten ihrer Arbeitszeit dem Turnier in Russland widmen. Die Arbeitgeber reagieren aber immer gelassener.

          Bei der WM 2014 in Brasilien hatten die Arbeitnehmer noch 13 Arbeitsminuten pro Tag für das Turnier veranschlagt. Wegen der Zeitverschiebung fanden damals die meisten Spiele jedoch nach dem Feierabend der meisten Deutschen statt. In Russland werden nun viele Partien hingegen schon am Nachmittag, etwa um 14.00 Uhr MESZ, angepfiffen.

          Die Chefs gehen mit dem Fußballinteresse ihrer Mitarbeiter aber gelassener um als noch 2014: 57 Prozent der Vorgesetzten haben nichts dagegen, wenn die Angestellten die WM bei der Arbeit im Radio verfolgen (2014: 48 Prozent), für 38 Prozent sind selbst TV-Übertragungen am Arbeitsplatz okay (2014: 34 Prozent). „Es gibt sogar Arbeitgeber, die das WM-Erlebnis am Arbeitsplatz fördern“, sagte der Co-Leiter der Studie, Benjamin Zimmermann.

          Die Produktion darf nicht stillstehen

          Einer davon ist der Schrauben-Hersteller Würth. Vom letzten Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Südkorea an (27. Juni) veranstaltet das Unternehmen auf dem Firmengelände am Stammsitz in Künzelsau-Gaisbach ein Fanfest für die eigene Belegschaft. Die Spiele werden auf einer Videoleinwand übertragen, dazu gibt es kostenlose Bratwürste. Abends fährt dann ein Shuttle die Mitarbeiter nach Hause.

          Auch die Lufthansa bietet ihren Mitarbeitern unter anderem an ihrem Standort in Frankfurt eine WM-Party. Im sogenannten Operations Center, wo sich auch die Crews vor und nach den Flügen aufhalten, erwarten die Lufthanseaten eine Großleinwand, Snacks und alkoholfreie Getränke. Die Spiele dürften dort aber nur in der Freizeit verfolgt werden, teilte ein Sprecher mit.

          Auf ein Public Viewing können sich auch die Essener Mitarbeiter des Stahlkonzerns Thyssenkrupp freuen. Auch an anderen Standorten seien Übertragungen geplant, sagte ein Sprecher. Die Arbeit soll deshalb aber nicht liegenbleiben. „Während der WM halten wir alle den Atem an, auch wenn deshalb die Produktion nicht stillstehen darf“, sagte der Sprecher.

          Produktionsausfälle durch die WM kosten Milliarden

          Bosch setzt bei der WM auf individuelle Absprachen statt zentraler Events. In den vergangenen Jahren hätten viele Kantinen die Spiele der deutschen Mannschaft gezeigt, sagt eine Sprecherin. Mitarbeiter könnten sich nach Rücksprache mit ihren Vorgesetzten dann ausstempeln und ihre Schicht nach dem Spiel fortsetzen.

          Daimler, noch bis Ende des Jahres einer der Hauptsponsoren der Nationalmannschaft, will ebenfalls möglichst keinen Fan von den Spielen fernhalten. Bei vergangenen Turnieren endete dafür nach Angaben einer Sprecherin die Spätschicht früher und die Nachtschicht früher. Darüber hinaus können die Angestellten Urlaub nehmen.

          Wer sich die Spiele auch während der Arbeitszeit nicht entgehen lassen will, spricht das jedenfalls am besten mit seinem Vorgesetzten ab: Erst im Januar entschied das Arbeitsgericht Köln, dass Arbeitgeber ihre Angestellten auch wegen weniger Sekunden unerlaubten Fußballguckens abmahnen dürfen (Az.: 20 Ca 7940/16).

          Jeder Vierte will laut der Studie aber gar keine Arbeitszeit für die Fußball-WM opfern. Den Chefs dürfte es recht sein – laut den Autoren drohen der deutschen Wirtschaft durch abgelenkte Arbeitnehmer während der WM Produktionsausfälle in Höhe von 2,62 Milliarden Euro.

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