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Wettstreit der Bundesländer Super-Lehrer dringend gesucht

23.02.2009 ·  Der Lehrerberuf zieht in Deutschland vor allem Abiturienten mit schlechtem Zeugnis an. Das Studium ist für viele Lehrer nur eine Notlösung, weil sie woanders scheitern. Schüler mit guten Noten meiden den Beruf dagegen.

Von Carsten Germis und Inge Kloepfer
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Der Lehrerberuf zieht in Deutschland vor allem Abiturienten mit einem schlechten Zeugnis an. Schüler mit guten Noten meiden den Beruf dagegen. Das ergab eine Studie des Münchener Bildungsökonomen Ludger Wößmann, die der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) vorliegt.

„Nur Gymnasiallehrer haben einen Abiturdurchschnitt, der so gut ist wie der von anderen Uni-Absolventen“, sagte Wößmann. „Lehrer für Grundschulen und für die Sekundarstufe I hingegen waren deutlich schlechter im Abitur.“ Wößmann hat in seiner Studie erstmals die Schulnoten der Lehrer mit denen anderer Berufsgruppen verglichen. Schon ältere Untersuchungen hatten gezeigt, dass ihr Studium für viele Lehrer nur eine Notlösung war, weil sie an Zulassungsbeschränkungen in anderen Fächern gescheitert sind.

„Aggressive Abwerbungsmethode“

Dabei werden gute Lehrer in Deutschland heute dringend gebraucht. Zwischen den Bundesländern ist ein regelrechter Wettkampf um die besten Junglehrer entbrannt. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) lobt den neuen Wettbewerb. „Eine offensive Werbung um Lehrer kann dem Ansehen des Lehrerberufs dienen und mehr qualifizierte junge Menschen zur Aufnahme eines Lehramtsstudiums motivieren“, sagte er der F.A.S.

Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger (CDU), dessen Land besonders stark um Junglehrer aus anderen Bundesländern buhlt, verteidigte das mit den Worten: „Auch angehende Lehrkräfte haben das Recht, sich bundesweit auf Stellen zu bewerben. Es gibt einen freien Arbeitsmarkt.“ Baden-Württemberg investiert derzeit stark in Bildung und lockt Lehrer aus anderen Ländern auch mit finanziellen Anreizen.

Die Kultusminister vieler Länder sind empört über diesen von Wulff und Oettinger geforderten Wettbewerb um gute Lehrer. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte der F.A.S.: „Wir haben im Wettbewerb um Lehrer eine Eskalationsstufe erreicht, die die Schamgrenze verletzt. Derart aggressive Abwerbungsmethoden, wie wir sie jetzt erleben, werden nicht nur von mir sehr kritisch gesehen.“

Fairer Umgang gefordert

Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) will Baden-Württembergs Kampagne auf der Kultusministerkonferenz im März zum Thema machen. „Wenn ein Land plötzlich Lehrer braucht, um im Rahmen einer Bildungsoffensive Klassenstärken zu verringern, dann darf das nicht zu Lasten anderer Länder gehen“, sagte sie der F.A.S.

Unterstützung in ihrem Nein zum Wettbewerb um Lehrer bekommt die Liberale Henzler vom Bildungsminister Mecklenburg-Vorpommerns, Henry Tesch (CDU). Tesch, der in diesem Jahr Vorsitzender der Kultusministerkonferenz ist, forderte: „Wir sollten einheitliche Spielregeln und einen fairen Umgang miteinander verabreden.“

Bedarf: Jedes Jahr 22.000 neue Lehrern

Trotz dieses Widerstands wird sich der Wettbewerb der Bundesländer um gute junge Lehrer wohl weiter verschärfen, weil die Kollegien an den Schulen, verglichen mit anderen Berufsgruppen, hoffnungslos überaltert sind. „Bei gleicher Schüler-Lehrer-Relation entsteht jedes Jahr im Durchschnitt ein Bedarf an 22.000 bis 23.000 neuen Lehrern“, sagte der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm.

In Naturwissenschaften, Mathematik und Latein bestehe ein gravierender Mangel. Auch deswegen werde der Abwerbewettbewerb der Länder geführt. „Die finanzstarken Länder grasen den Markt vor allem in den Mangelqualifikationen ab“, sagte Klemm.

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Jahrgang 1959, Wirtschaftskorrespondent für Japan mit Sitz in Tokio.

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Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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