02.04.2006 · Viele Unternehmen haben ihre Produktionsstätten in zentral- und osteuropäische Länder verlagert. Denn nach wie vor sind die Löhne in Polen, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Rumänien wesentlich geringer als in Deutschland.
Viele Unternehmen haben ihre Produktionsstätten in zentral- und osteuropäische Länder verlagert. Denn nach wie vor sind die Löhne in Polen, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Rumänien wesentlich geringer als in Deutschland.
Während ein gering qualifizierter, nur angelernter und eingearbeiteter Produktionsmitarbeiter in Deutschland im Durchschnitt mit 26.000 Euro im Jahr nach Hause geht, verdienen seine Kollegen aus Zentral- und Osteuropa durchschnittlich zwischen 3.000 und 6.000 Euro im Jahr. Dies geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Hay Group hervor, die Gehaltsinformationen von mehr als 40.000 Mitarbeitern je Land ausgewertet hat.
„Die hohe Arbeitslosigkeit drückt die Löhne“
Ein deutscher Techniker mit weiterführender Ausbildung hat im Jahr durchschnittlich 42.000 Euro auf dem Konto. In Zentral- und Osteuropa bewegen sich die Löhne in einer Bandbreite zwischen 6.000 und 10.000 Euro. „Aber auch in ein und demselben Land variieren die Löhne je nach Region“, sagt Hay-Vergütungsexperte Axel Fritsch. Wieviel ein Techniker zum Beispiel in der Slowakei verdiene, sei regional verschieden.
Arbeitet er in der Hauptstadt Bratislava, so hat er am Ende des Jahres ein Viertel mehr Geld auf dem Konto als sein Kollege in der Westslowakei. „Das hat Gründe“, sagt Fritsch. Die Arbeitslosigkeit in den großen Städten Zentral- und Osteuropas sei sehr gering, die Infrastruktur nähere sich dem europäischen Niveau an. „In den Provinzen dagegen ist die Infrastruktur noch weit vom europäischen Standard entfernt. Die hohe Arbeitslosigkeit drückt die Löhne“, sagt Axel Fritsch.
Große Gehaltsunterschiede bei Werksleitern
Ein Ingenieur oder Produktionsleiter mit zwischen drei und fünf Jahren Berufserfahrung, der in einem Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern arbeitet, bekommt in Deutschland im Durchschnitt ein Jahresgehalt von 58.000 Euro. Für eine vergleichbare Tätigkeit hätte er in Ungarn 15.000 Euro im Jahr auf dem Gehaltszettel, in Polen 13.000 Euro und in Rumänien lediglich 8.000 Euro. Produktionsleiter mit langjähriger Berufserfahrung in Unternehmen mit bis zu 300 Mitarbeitern verdienen in Deutschland im Durchschnitt rund 71.000 Euro, in Ungarn 25.000 und in der Slowakei 13.000 Euro.
Besonders groß sind die Gehaltsunterschiede bei den Werksleitern mit mehr als 500 Mitarbeitern und einer Berufserfahrung von mehr als zehn Jahren. In Deutschland werden seine Tätigkeiten im Durchschnitt mit 92.000 Euro im Jahr vergütet. Von den zentral- und osteuropäischen Ländern ist Polen bei der Bezahlung von Werksleitern mit im Durchschnitt 45.000 Euro Jahresgehalt Spitzenreiter. Danach folgt Ungarn mit 40.000 Euro. Der niedrigste Jahreslohn wird mit 21.000 Euro in der Slowakei bezahlt. „Der Grund dafür ist, daß die Einkommensteuerbeiträge in Polen und Ungarn für Werksleiter bei 40 Prozent, in der Slowakei dagegen bei maximal 25 Prozent liegen“, sagt Fritsch. „Die Arbeitsproduktivität, die Kaufkraftstandards und das Preisniveau sind tendentiell in allen Ländern auf nahezu dem gleichen Niveau.“