07.08.2005 · Gute Führung - guter Aktienkurs: Für viele Investoren sind die Vorstandsgehälter und die Prinzipien der Corporate Governance wichtige Kriterien bei der Anlageentscheidung. Das ergab eine Umfrage des Beratungunternehmens „Hewitt“.
Für die Anlageentscheidungen institutioneller Investoren spielen die Vorstandsvergütung und die Regelungen über die Unternehmensführung (Corporate Governance) eine wichtige Rolle. Wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens Hewitt unter den 35 dem Volumen nach größten Anlegern in Deutschland ergab, achten 62 Prozent der Investoren bei der Entscheidung auf die Corporate Governance der jeweiligen Unternehmen.
Nur acht Prozent der Anleger, unter denen sich hauptsächlich Fondsgesellschaften und Banken befinden, halten diese für eher unwichtig. „Dieses Ergebnis stützt die These: Eine gute Unternehmensführung wirkt sich auf die Anlageentscheidung und damit mittelbar auf die Kursentwicklung aus“, sagt Jan Pinternagel, Leiter des Bereichs Managervergütung bei Hewitt.
Welche Bedeutung die Vergütungspolitik eines Unternehmens für die Investitionsentscheidungen hat, zeigt der ausgeprägte Wunsch nach Vergütungskomitees: Fast die Hälfte, nämlich 46 Prozent der Befragten, sprachen sich für ein solches Gremium aus, das nach überwiegender Meinung mit Mitgliedern des Aufsichtsrats besetzt sein sollte.
Oft nur lückenhafte Auskunft
„Hier hat Deutschland gegenüber dem angloamerikanischen Raum einen großen Nachholbedarf. In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien ist das Vergütungskomitee eine feste Institution, die jährlich die Zusammensetzung der Vorstandsvergütung überprüft“, sagt Pinternagel. Drei Viertel der deutschen Anleger würden die Teilnahme des Vorstandsvorsitzenden an den Sitzungen eines Vergütungskomitees für unzulässig halten.
Bei der Vorstandsvergütung selbst kommt es weniger auf die Höhe des Gehalts an. Diese hielten 23 Prozent für wichtig. Für 42 Prozent ist aber die Zusammensetzung des Gehalts von Bedeutung. Dabei sollte nach der Auffassung der Mehrheit das Grundgehalt zwischen 41 und 60 Prozent der Gesamtbezüge ausmachen. Für fast alle (93 Prozent) sollen die Erfolgskriterien des Unternehmens für die Vergütung maßgeblich sein. 70 Prozent befürworten außerdem, daß die strategische Ausrichtung des Unternehmens die Vorstandsvergütung bestimmen soll.
Das Interesse der Unternehmen an der Meinung der Investoren scheint nicht allzu groß zu sein: 77 Prozent gaben an, nie nach ihrer Ansicht über die Vorstandsgehälter gefragt worden zu sein. Auf ausdrückliche Anfrage hin erhielten nur acht Prozent umfassend Auskunft. Bei den meisten (83 Prozent) war die Auskunft nur lückenhaft. Für die Berater ein überraschendes Ergebnis: „Das ist erstaunlich“, sagt Jan Pinternagel. „Ist es doch gerade diese Gruppe der Anleger, die einen Einfluß auf die Kursentwicklung der Unternehmen haben kann.“