02.07.2005 · Noch immer verdienen Frauen für gleiche Arbeit weniger als Männer. In deutschen Unternehmen bekommen weibliche Fachspezialisten im Schnitt sechs bis zehn Prozent weniger Lohn. Noch deutlicher sind die Unterschiede in Großbritannien.
Frauen müssen weiterhin darauf warten, für gleiche Arbeit das gleiche Geld wie ihre männlichen Kollegen zu erhalten. Bis zu zehn Prozent liegt das Vergütungsniveau nach einer Studie der Unternehmensberatung Hay bei vergleichbaren Stellen unter dem der mit Männern besetzten Posten.
Die Berater untersuchten rund 12.000 Positionen in 140 Unternehmen und fanden dabei zunächst das Phänomen bestätigt, daß der Anteil von weiblichen Mitarbeitern um so stärker zurückgeht, je höherwertig die Stellen sind (siehe Graphik). „Dies deckt sich mit anderen Untersuchungen“, sagt Siegmar Schulz, Leiter Information Services bei Hay.
Während auf der Fach- und unteren Führungsebene jeder dritte bis fünfte Posten mit einer Frau besetzt ist, ist es bei den Spitzenpositionen nur noch etwa eine von zwanzig Stellen. Besonders stark sind Frauen in den Personal- und Marketingabteilungen vertreten. Hier sind sie auf der Fachebene sogar in der Mehrzahl, doch auch im Management ist ihr Anteil deutlich höher als in anderen Abteilungen. Dennoch zeigt sich gerade hier das durchschnittlich niedrigere Einkommen der Frauen: Über alle Unternehmen hinweg erhalten weibliche Fachspezialisten im Schnitt sechs bis zehn Prozent weniger Gehalt als die Männer. Am besten sieht es der Untersuchung zufolge für Leiterinnen einer Marketingabteilung aus; auf ähnliche Gehälter wie ihre männlichen Kollegen kamen auch Frauen in den IT-Abteilungen sowie in der Forschung und Entwicklung.
Vielschichtiges Problem
Eine systematische Diskriminierung von Frauen leitet Schulz aus den Ergebnissen der Studie jedoch nicht ab: „Ein Rückschluß, daß innerhalb einzelner Unternehmen oder gar innerhalb vergleichbarer Arbeitssituationen, sogenannter ,Job-Zellen', Frauen grundsätzlich weniger verdienen als ihre Kollegen, ist so nicht zu ziehen“, sagt Schulz. Das Problem sei vielschichtiger. Wenn Frauen ihre Laufbahn aus familiären Gründen unterbrochen haben, fehlen ihnen beim Wiedereinstieg berufliche Erfahrungen, die für die Vergütung relevant sind. Durchgängig beschäftigte Männer können derweil ein höheres Vergütungsniveau erreichen.
„Das Thema wird gegenwärtig vor allem in angelsächsischen Ländern unter der Bezeichnung ,Equal Pay' diskutiert“, erläutert Siegmar Schulz. Bei gleichartigen Untersuchungen habe sich in England herausgestellt, daß Frauen durchschnittlich 15 bis 19 Prozent schlechter als Männer bezahlt würden. Dort gebe es daher schon viele gerichtliche Klagen von Frauen, die Gleichbehandlung und Schadensersatz forderten. Angesichts der Richtlinien der Europäischen Union zur Gleichstellung rät Schulz auch den deutschen Arbeitgebern zur Vorsicht: „Unternehmen sollten sich der möglichen Brisanz des Themas bewußt sein.“