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Vergütung aktuell Erst mittelfristig können Frauen mit gleicher Bezahlung rechnen

09.11.2004 ·  Nur wenige Frauen verdienen für vergleichbare Tätigkeiten soviel wie ihre männlichen Kollegen. Im Durchschnitt erhalten sie in deutschen Unternehmen nur rund 78 Prozent des Gehalts von Männern.

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Nur wenige Frauen verdienen für vergleichbare Tätigkeiten soviel wie ihre männlichen Kollegen. Im Durchschnitt erhalten sie in deutschen Unternehmen nur rund 78 Prozent des Gehalts von Männern. Mit diesem Wert liegt Deutschland nach einer Studie des Beratungsunternehmens Towers Perrin im europäischen Vergleich auf den hinteren Plätzen (siehe "Vergütung aktuell" vom 30. Oktober).

Die Berater werteten etwa 10.000 Datensätze von Angestellten aus 102 Unternehmen in Deutschland aus und zeigten, daß der Frauenanteil mit dem Grad der Ausbildung und der Höhe der Karrierestufe deutlich abnimmt: Im Tarifbereich - hier sind vor allem das Sekretariat und die Produktion erfaßt - liegt der Frauenanteil bei 68 Prozent. Von den Spezialisten mit Hochschulabschluß und bis zu sieben Jahren Berufserfahrung sind 27 Prozent weiblich, von den Abteilungs- oder Bereichsleitern nur noch 12 Prozent.

Signifikant sind die Unterschiede nicht bei tariflich bezahlten Mitarbeitern

Bei der Vergütung tariflich bezahlter Mitarbeiter gibt es keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede. Im unteren und mittleren Management dagegen verdienen Frauen nur 93 Prozent ihrer männlichen Kollegen. Jutta Kömm, Vergütungsexpertin bei Towers Perrin, begründet dies einerseits damit, daß die Leistungsbewertung im Tarifbereich mit objektiveren Kriterien möglich sei als auf höheren Hierarchieebenen. Andererseits verweist sie auch darauf, daß viele Frauen durch die Erziehungszeiten für Kinder ihre Karriere später starten oder unterbrechen. "Der Aufstieg in höhere Karriereniveaus und damit Gehaltsgruppen gestaltet sich dann oft schwieriger", sagt Kömm. Hinzu komme, daß Frauen mit Familie häufig Zweitverdiener und somit weniger mobil seien, was auf Kosten der Karriereplanung gehe.

Die Auswertung nach Unternehmensfunktionen zeigt, daß in Deutschland mit 7 Prozent die wenigsten Frauen im technischen Kundendienst tätig sind, gefolgt von Forschung und Entwicklung und Außendienst (siehe Graphik). Die Kundentechnikerinnen sind die einzigen Frauen, die mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen; die Untersuchung ist allerdings nicht repräsentativ. Den höchsten Frauenanteil hat mit 85 Prozent die Verwaltung, die Mitarbeiterinnen fast genauso gut bezahlt wie Männer. Auch in der Personalabteilung arbeiten viele Frauen, allerdings verdienen sie dort deutlich weniger als ihre Kollegen.

Frauen werden zielstrebiger und selbstbewußter

Petra Knab-Hägele, Managerin bei Towers Perrin, sieht generell jedoch einen Trend hin zu besseren Qualifikationen und damit höheren Gehältern bei Frauen: "In Zeiten einer stärkeren Individualisierung wird auch für Frauen die berufliche Perspektive immer wichtiger. Sie werden selbstbewußter, qualifizieren sich und bauen ihre Netzwerke zielstrebiger aus." Mittelfristig sei deshalb von einer Angleichung der Vergütungsniveaus auszugehen. (bemi.)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2004, Nr. 260 / Seite 55
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