http://www.faz.net/-gyl-7oa7l

Überforderte Chefs : Nachhilfe für Unternehmer

  • -Aktualisiert am

Bei Gertrud Hansel drücken Unternehmer die Schulbank Bild: Schule für Unternehmer Augsburg

Was tun Geschäftsleute, denen der Alltag über den Kopf wächst? Sie drücken nochmal die Schulbank und lernen, die Arbeit für sich und andere besser zu organisieren.

          Ein Spätnachmittag im Frühling. Gertrud Hansel, Inhaberin der Schule für Unternehmer in Augsburg, sitzt im Garten ihres Büros. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages lassen die Tulpen und Krokusse leuchten, auf dem Terrassentisch hat sie eine Tasse Kaffee. Kurz durchatmen. Hinter ihr liegt gerade ein intensives Unternehmertraining: „Modul vier“ stand auf der Agenda. Dabei geht es um Mitarbeiterführung. Drei Tage, zwölf Teilnehmer, 24 Schulstunden. „Das fordert, macht aber auch großen Spaß“, sagt die 51 Jahre alte Trainerin lachend.

          Ihre Schule für Unternehmer ist eines von zahlreichen Angeboten in Deutschland. Seit 1993 steht die studierte Betriebswirtin und Lehrtrainerin für Neuro-Linguistisches Programmieren Unternehmern sowohl in Phasen von Gründung und Aufbau als auch der Neuausrichtung und des Wachstums zur Seite. Sie unterscheidet sich damit in der Breite des Angebots von klassischen Existenzgründerseminaren. Ihren Leitsatz, nach dem hinter jedem erfolgreichen Unternehmen ein erfolgreicher Mensch steht, beherzigt Hansel in jedem ihrer Kurse: „Coaching lässt sich verstehen als die individuelle Begleitung von Unternehmern, die wichtige Ziele realisieren und anstehende Probleme lösen wollen“, sagt die leidenschaftliche Ausbilderin. Dabei gelte es, Denkbarrieren zu durchbrechen, Hindernisse zu erkennen und wirksames Handeln auszulösen.

          Mehr Zeit für Familie und Emma

          Zusammenhänge aufzudecken und neue Ansätze sowie praktikable Werkzeuge für den beruflichen Alltag zu finden sind die wichtigsten Aufgaben einer Schule für Unternehmer - und auch Wünsche, mit denen Geschäftsleute an sie herantreten. Beispielsweise hat Claudius Eder ein Unternehmer-Training in Augsburg gebucht. Er sehnte sich nach „professioneller Organisation der Arbeitsabläufe, Klarheit über die Finanzen und motivierten Mitarbeitern“.

          Dank intensiver Schulung schlüpft der 31 Jahre alte Gebäudereiniger und Firmeninhaber nach eigener Aussage in die Rolle eines Gestalters und zieht eine positive Zwischenbilanz: „Ich kam als Alleinverantwortlicher und damit ziemlich überfordert in die Schule für Unternehmer“, sagt er, „inzwischen führe ich eine Firma mit 24 Angestellten, bilde junge Menschen aus, habe Verantwortung abgegeben und dennoch alle Aufgaben im Griff.“ Zudem freue ihn, dass er jetzt viel mehr Zeit für seine Familie sowie für seinen Bernhardiner Emma habe.

          Gewohnheiten ändern sich nur langsam

          Fälle wie der von Eder veranschaulichen das typische Dilemma von Firmengründern: „Wer als Unternehmer die Selbstorganisation nicht beherrscht, kommt sehr schnell in eine Situation, in der er außer Arbeit nichts mehr sieht, in der sich Freunde verabschieden und der Sinn im eigenen Tun verlorengeht“, erklärt Peter Guggemos, Professor für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim. Der Bedarf, Geschäftsleute in der Selbstorganisation zu schulen und fit zu machen in Mitarbeiterführung, Management oder Kundenakquise, scheint daher entsprechend groß. Trainerin Hansel, die früher als Leiterin des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft Schwaben aktiv war, hat hierfür eine Grundausbildung aus sechs Modulen entwickelt. Im Anschluss an das Basistraining können sich die Teilnehmer weitere Themenblöcke heraussuchen - je nachdem, wo die Teilnehmer die jeweils größten Lücken sehen: Mal ist es die zielgerichtete Kundenansprache, mal stellen Mitarbeiterführung, Finanzplanung oder der Aufbau eines produktiven Netzwerks die größte Herausforderung dar. Wichtig ist es, sich kontinuierlich weiterzubilden und regelmäßig Kurse zu belegen, denn Gewohnheiten ändern sich bekanntlich nur langsam. „Aus der Warte eines Arbeitsmarktpolitikers trägt die Stabilisierung von Unternehmern in jeder Phase der Firmenentwicklung zum Aufbau und Erhalt von Arbeitsplätzen bei“, verdeutlicht Guggemos die Rolle der Schulen für Unternehmer.

          Weitere Themen

          Ausbildung statt Flucht

          Perspektiven in Senegal : Ausbildung statt Flucht

          Viele junge Senegalesen denken an Auswanderung, vor allem nach Europa. Ein deutsches Projekt in Dakar berät Arbeitssuchende – und versucht, Perspektiven im eigenen Land aufzuzeigen.

          Im Münchner Maschinenraum Video-Seite öffnen

          Der Museums-Ingenieur : Im Münchner Maschinenraum

          Thomas Röber liebt Maschinen – deshalb ist er Ingenieur geworden. Und er liebt Geschichte – deshalb hat er eine ungewöhnlich Stelle: Als Leiter Kraftmaschinen im Deutschen Museum erklärt er Laien seine Schätze.

          Topmeldungen

          DFB-Team in der Krise : Die Weltmeister sind ziemlich in die Jahre gekommen

          Joachim Löw stärkt seinen WM-Siegern von 2014 weiter den Rücken. Dabei ist die Achse längst brüchig. Die jungen Spieler hält der Bundestrainer klein. Nun passiert im DFB-Team etwas, das es so seit vielen Jahren nicht gab.
          Pickel sind ein leidiges Thema – gerade in der Teeniezeit. In den Vereinigten Staaten führen diese aber auch dazu, dass Heranwachsende mehr lernen.

          FAZ Plus Artikel: Erfolg im Beruf : Pickel tun gut

          Millionen Jugendliche auf der Welt teilen ein Schicksal: Sie haben unreine Haut. Das macht schlechte Laune, steigert aber die Chancen auf beruflichen Erfolg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.