15.01.2007 · Der Job in Wien, das Kind in Witten: Betriebswirt Benedikt Schmaus ging nach der Geburt seines Sohnes drei Monate in Elternzeit und arbeitet seitdem 80 Prozent - offiziell. Sein Arbeitgeber fordert viel und fördert ihn.
Benedikt Schmaus ist Projektleiter bei Booz Allen Hamilton. Der 28 Jahre alte Unternehmensberater gehört zu denen, die beides wollen: Familie und Karriere. Männer wie er suchen sich Arbeitgeber aus, die das ermöglichen.
Vor viereinhalb Jahren ging der Betriebswirt frisch von der Uni zu dem Unternehmen, in dem heute selbst unter den „Principals“, den Mitgliedern der Geschäftsführung, zehn Prozent in Teilzeit arbeiten. Vor zweieinhalb Jahren wurde Schmaus‘ Sohn geboren. Der junge Vater ging drei Monate in Elternzeit und arbeitete anschließend offiziell 80 Prozent - an vier Tagen die Woche, die höchst selten nach acht Stunden enden. Trocken sagt er: „Die Arbeitszeiten und den Lifestyle nimmt man in Kauf in der Beratung, aber nicht mit Familie.“ Seine Frau schließt gerade ihr Medizinstudium ab, sie ist im Praktischen Jahr, fünf Tage in der Klinik. Er ist von montags bis donnerstags in Wien, deshalb seien ihm drei volle Tage mit dem Kind in Witten bei Bochum wichtig. Nachteile für die Karriere: keine. „Das wird sehr positiv aufgenommen.“
Vor einem Jahr wurde er zum Projektleiter befördert, erzählt er, als sei das gar nicht anders zu erwarten gewesen. Jeder vierte Berater, heißt es bei Booz Allen, nimmt im Laufe seiner Karriere ein Sabbatical- oder Teilzeit-Angebot an. „Das ist angenehm, aber sicherlich nicht repräsentativ“, überlegt Schmaus und sagt, was seine Vorgesetzten gerne hören: „Das habe ich noch bei keinem anderen Unternehmen so gesehen, das hält mich hier.“ Und es macht andere Bewerber mutig. Selbst im ersten Vorstellungsgespräch fragen manche schon nach solchen Extras.