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Unternehmen Personalabteilungen hadern mit ihrem Ruf

04.02.2005 ·  „Langsam, verwaltend, statisch und teuer“. Das ist die landläufige Meinung über Personalabteilungen. Neben dem schlechten Marketing, ist das Budget und der wachsende Aufgabenbereich ein Problem.

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Viele Personalabteilungen deutscher Unternehmen haben ein Akzeptanzproblem. Etwa 40 Prozent der von der Managementberatung Kienbaum befragten Personalverantwortlichen gaben an, in ihrem Unternehmen einen schlechten Ruf zu haben, nur gut die Hälfte der Befragten glaubt, im Unternehmen überhaupt als wertschöpfende Einheit wahrgenommen zu werden.

Ansonsten gelten Personalabteilungen in vielen Unternehmen vor allem als langsam, verwaltend, statisch und teuer. Glaubt man den Personalverantwortlichen, hat diese nicht sehr positive Wahrnehmung ihrer Abteilung weniger mit der dort geleisteten Arbeit als vielmehr mit der unzureichenden Vermarktung der Resultate zu tun. So gaben 86 Prozent an, ihre Arbeit sei stets auf dem neuesten Stand. Allerdings zeigen sich im Detail durchaus Schwächen: Deutlich weniger als die Hälfte der Personalmanager verwendet Kennzahlen zur Kontrolle der eigenen Arbeit, nur zwei Drittel arbeiten auf der Basis meßbarer Ziele. Fehlende Erfolgskontrolle macht es jedoch schwer, den Beitrag der Personalabteilung zum Unternehmenserfolg nachzuweisen - und erschwert, wie 43 Prozent der Personaler einräumen, die Arbeit des eigenen Bereichs.

Geringe Wertschätzung der Personaler

Daß die obersten Personalmanager sich noch nicht auf Augenhöhe mit dem Rest der Unternehmensleitung befinden, zeigt auch eine Studie der Unternehmensberatung Capgemini: Nur 30 Prozent der Befragten gaben an, bei strategischen Entscheidungen - die schließlich in aller Regel unmittelbare Auswirkungen auf das Personal haben - aktiv mitzuwirken. 45 Prozent beraten den Vorstand in solchen Fällen, 20 Prozent werden immerhin über die Strategie informiert, 5 Prozent haben in Sachen Strategie gar nichts zu melden. Für die Personalabteilungen deutscher Unternehmen gilt, daß sich nur magere drei Prozent der Personalverantwortlichen als gleichberechtigte Partner der übrigen Unternehmensbereiche fühlen. Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 15 Prozent, offenbar haben die Restrukturierungsmaßnahmen vieler Unternehmen auch in den Personalbereichen ihre Spuren hinterlassen.

Die teils geringe Wertschätzung, die dem Personalbereich in den Unternehmen zuteil wird, äußert sich auch in den Budgets, die dieser Abteilung jeweils zur Verfügung stehen. In einigen Unternehmen liegt dieses Budget bei gerade einmal rund 10 Euro je Mitarbeiter, während andere Firmen sich bis zu 1000 Euro je Beschäftigtem leisten. Im Schnitt liegt der Wert derzeit bei 310 Euro. Und obwohl die Befragten fast durchgängig von einer künftig zunehmenden Bedeutung der Personalarbeit für den Unternehmenserfolg sprachen, werden die Budgets der betreffenden Abteilung nur in jedem achten Unternehmen in den kommenden Jahren angehoben. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer der Kienbaum-Studie erwartet eine deutliche Senkung, etwa die Hälfte gleichbleibende Budgets. Und auch im Gehalt vieler Personalverantwortlichen zeigt sich, daß sie oft noch keine gleichrangigen Mitglieder von Führungsgremien sind: Immerhin gut ein Drittel der Personaler verdient weniger als etwa ein Vertriebsvorstand.

Breite der Aufgabenpalette bereitet Kopfschmerzen

Daß die Betonung der strategischen Bedeutung des Faktors Personal in vielen Unternehmen ein Lippenbekenntnis ist, zeigt auch die relativ geringe Präsenz von Personalmanagern in Vorstand oder Geschäftsführung. Nur 44 Prozent der von Capgemini befragten Firmen im In- und Ausland verfügen über einen Personalverantwortlichen auf der ersten Führungsebene. Bei Versicherern und in Banken liege der Anteil mit 15 beziehungsweise 20 Prozent sogar noch niedriger. Betrachtet man nur deutsche Unternehmen, ergibt sich mit 73 Prozent jedoch ein erheblich höherer Wert, ergab die Kienbaum-Befragung.

Die Personalabteilungen sind insgesamt einem deutlichen Wandel unterworfen. Strategische scheinen zunehmend Vorrang vor administrativen Aufgaben zu erlangen. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter der von Kienbaum untersuchten Firmen widmet sich vornehmlich strategischen Aufgaben, verwaltende Tätigkeiten wie die Gehaltsabrechnung werden in wachsendem Maße entweder ausgelagert oder mit Hilfe von Software erledigt. An die Stelle dieser operativen Tätigkeiten ist auf der Agenda der Personalabteilungen eine breite Palette von Aufgaben getreten (siehe Grafik). Die Breite der Themen bereitet den Personalmanagern zunehmend Kopfschmerzen: Auf die Frage, welche Faktoren die Umsetzung von Personalstrategien besonders erschweren, steht in der Untersuchung von Capgemini die große Themenfülle nebst mangelnder Priorisierung der Aufgaben an erster Stelle. Für die kommenden zwei Jahre erwarten die von Capgemini befragten Personalmanager eine deutliche Verschiebung in der Gewichtung der verschiedenen Themen. An erster Stelle sehen sie für 2006 die Bewältigung des "War for talents", also die Suche und Bindung von Top-Talenten an das eigene Unternehmen. Die Reduzierung von Personalkosten rutscht in der Liste dagegen auf Rang fünf.

Quelle: nr. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2005, Nr. 24 / Seite 54
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