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Ungesunder Lebensstil : Von Reisen, Risiken und Nebenwirkungen

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Vielflieger: Bemitleidens- statt beneidenswert. Bild: obs

Jetlag und Thrombose sind nicht die einzigen Gefahren, denen sich Vielflieger aussetzen. Wissenschaftler haben gezeigt, wie drastisch sich häufige Geschäftsreisen auf die körperliche und psychische Gesundheit auswirken können.

          Allen Unkenrufen von der Work-Life-Balance zum Trotz: Geschäftsreisen haben noch immer ein glanzvolles Image. Der moderne Mensch, so scheint es, ist flexibel, er kommt in der Welt herum und spannt seine sozialen Netze über alle Kontinente. Die „mobile Elite“ sitzt auf Laptops klappernd und handytippend in der ersten Klasse. In Flughäfen und Bahnhöfen sind die Viel-Reisenden omnipräsent, dabei stellen sie nur einen kleinen Teil der Bevölkerung dar: In Frankreich zum Beispiel legen fünf Prozent der Franzosen 50 Prozent der bereisten Strecken zurück. In Schweden unternehmen drei Prozent der Bevölkerung ein Viertel aller internationalen Reisen.

          Dieser kleine Gruppe der Extrem-Vielflieger ist jedoch in Wirklichkeit eher Mitleid als Neid entgegenzubringen, glaubt man einer Untersuchung von Scott Cohen und Stefan Gössling, zwei Wissenschaftlern aus England und Schweden.. Sie haben in ihrer Studie den Forschungsstand zum Thema zusammengetragen und zeigen damit eindrucksvoll, dass Business-Class und teurer Anzug alles andere als nur Vorteile mit sich bringen.

          In einer Gesellschaft wie Cohen und Gössling sie in ihrer Untersuchung zeichnen – charakterisiert durch Unsicherheit, Angst,  Veränderung und fehlenden Bindungen – entwickelt Mobilität eine große Macht. Paradoxerweise erzeuge nämlich die Vorstellung, durch Reisen sozial verknüpft zu sein, ein Gefühl von Sicherheit und sozialem Kapital. Das viele Reisen habe für die Betroffene zudem ganz profane, handfeste Vorteile: Zugang zu gefragten elektronischen Geräten wie Smartphone, Tablet und Co. Mit dem Smartphone laden die Geschäftsreisenden Karten und Zeitpläne herunter, nehmen Buchungen vor, mieten Autos und buchen Flüge. Und über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter machen sie jeden Schritt für Freunde sichtbar: Bilder von Laptops, die auf dem Tisch eines ICE-Zuges aufgeklappt nach wichtiger Arbeit aussehen, daneben ein Coffe-To-go-Becher. Soziale Netzwerke unterstützen die Vorstellung, Vielreisende gehörten einer gesellschaftlichen Elite an.

          Cohen und Gössling haben hingegen drei große Nachteile des übermäßigen Geschäftsreisens identifiziert: Physiologische Konsequenzen, psychologisch-emotionale Konsequenzen und soziale Folgen eines Lebens auf Reisen.

          Jetlag: Schlechte Stimmung, schlechte Konzentration

          Die wohl bekannteste negative Folge, wenn man in kurzer Zeit mehrere Zeitzonen überquert, ist ein durcheinander geratener Biorhythmus. Der Jetlag, also verschobene Schlaf- und Wachphasen und unregelmäßiges Essen, beeinflusst Stimmung, Urteilungsvermögen und Konzentrationsfähigkeit — bis zu sechs Tage lang. Chronischer Jetlag wird mit Gedächtnisstörungen in Verbindung gebracht.

          Flüge bergen immer die Gefahr von kleineren Unannehmlichkeiten wie trockenen Augen oder trockener Haut, zudem aber auch von Thrombose. Einer Studie der Londoner Universität UCL zufolge bekommt einer von zehn Reisenden auf Langstreckenflügen eine symptomlose tiefe Venenthrombose, die zu gefährlichen Blutgerinnseln führen kann. Während des Fluges sind die Passagiere außerdem vermehrt Bakterien ausgesetzt, ähnliches gilt für Zugfahrten in vollbesetzten Abteilen oder Großraumwaggons.

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