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Tupperware Die Königin der Plastikschüsseln

26.02.2010 ·  Kerstin Neffgen verkauft bunte Plastikschüsseln namens „Peng“ und Küchengeräte, die „Reismeister“ heißen, „Turbo-Chef“ oder „Deko-Biene“. Weil sie sehr erfolgreich ist, darf sie ein Team leiten - und sogar einen Dienst-Mercedes fahren.

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Zwölf Damen sind an diesem Abend zu Gast in dem Einfamilienhaus am Rande von Bonn. In Socken sitzen sie im Stuhlkreis und knabbern Salzbrezeln. Auf dem Esstisch türmen sich bunte Plastikschüsseln namens „Peng“ und Küchengeräte, die „Reismeister“ heißen, „Turbo-Chef“ oder „Deko-Biene“. Davor steht Kerstin Neffgen, 35 Jahre, Jeans, weiße Bluse, hellblonder Igelkurzhaarschnitt. Im Arm hat sie eine rote Plastikkanne, im Gesicht ein Lächeln. „Ich bin von der Firma Tupperware“, stellt sie sich vor.

Kerstin Neffgen kennt alle Schüssel-Namen auswendig. Sie ist hier, um vorzuschnippeln, vorzukochen und hinterher möglichst viel buntes Plastik an die Frau zu bringen. Wobei sie das Wort „Plastik“ längst aus ihrem Wortschatz gestrichen hat. „Bei uns heißt das Kunststoff, das klingt hochwertiger.“ So sehr hat Kerstin Neffgen die Welt der Tupperware verinnerlicht, man käme nicht auf die Idee, dass sie bis vor fünf Jahren als Beamtin auf dem Standesamt Akten wälzte. Dann kam ihre Tochter zur Welt, und während der Elternzeit hatte sie die Muße, auf Tupperpartys zu gehen. Bald war sie selbst Gastgeberin und nach kürzester Zeit eingefangen im Netzwerk der Tupperware-Verkäuferinnen, wo auf jeder Party irgendwie jeder profitiert. Der Gast vom Gastgeschenk, der Gastgeber von weiteren Tupper-Geschenken und schließlich die Verkäuferin von 24 Prozent Provision und davon, weitere Damen zu überzeugen, selbst Verkäuferin zu werden. „Wer die Karriereleiter noch weiter hochsteigt und ein Team aus anderen Beratern betreut, bekommt einen Dienstwagen“, schwärmt Neffgen und zeigt auf ihren schicken, weißen Mercedes B-Klasse, der vor der Tür parkt.

Drinnen erklären die Frauen sich bereits gegenseitig die Produkte, kosten ihr selbstgebackenes Brot und machen so manches Kreuzchen in die Bestellliste. Nur die Mutter der Gastgeberin fragt zwischendurch kritisch, ob die Hausfrauen der Welt nicht irgendwann einfach genug Schüsseln im Schrank hätten. Doch solcherlei Einwände weiß Kerstin Neffgen schnell zu überdecken. Sie redet dann von „Qualität“, die sich „auszahlt“, und von 30 Jahren Tupper-Garantie: „Da würden die Verkäuferinnen im Kaufhof nur müde lächeln, wenn Sie da nach 30 Jahren ankämen.“ Am Ende der Party stehen Waren im Wert von 537 Euro auf den Bestelllisten. Zwei bis drei solcher Partys macht Kerstin Neffgen je Woche, durchschnittlich bleiben je 120 Euro als Verdienst: „Ein gutes Zubrot. Selbst wenn ich wieder voll in meinen Beamtenjob zurückgehe, werde ich weiter nebenher Tupperpartys geben.“

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