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Tilgung des Taufnamens : „Stefan Schmidt könnte sich nicht Stefan Goethe nennen“

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Durchschnittsnamen werden oft vergessen

„Auch wenn es kein Personalchef zugeben würde: Niemand hätte gerne einen Abteilungsleiter, der Meinhof heißt“, sagt Organisationspsychologe Mario Schmitz-Buhl. Er ist sich sicher, daß ein Name für die berufliche Karriere von Bedeutung ist. „Er ist auf jeden Fall wichtiger als die Krawatte, die jemand umhat.“ Träger von Durchschnittsnamen leiden seiner Meinung nach darunter, daß man sich Name wie Person schlecht merken kann. Schmitz-Buhl spricht aus Erfahrung - auch er hat seinen Namen geändert: „Nach meiner Heirat habe ich mich für einen Doppelnamen entschieden, weil ,Mario Schmitz' so alltäglich klingt“, sagt er.

Jürgen Gerhards, Soziologieprofessor aus Berlin, widmet seine Aufmerksamkeit den Vornamen. Diese, so glaubt er, sind im Geschäftsleben wichtiger, als allgemein angenommen wird: „Da Firmen keine Sozialunternehmen sind, ist es völlig klar, daß sie auch auf den Namen schauen.“ In einer Studie hat Gerhards seine Annahme bestätigt gefunden, daß es schichtspezifische Vornamen gibt. „Sie werden in der Oberschicht vermutlich keine Jacqueline finden“, sagt er, wobei er den Namen viersilbig ausspricht, wie man ihn aus deutschen Bussen und Fußgängerzonen kennt: „Dschakeliene“.

Oberschicht will sich von der Massen abgrenzen

Während die Oberschicht in ihrer Namenswahl variiert, kommen „Jacqueline“ und „Jennifer“ in der Unterschicht gehäuft vor. „Die Unterschicht hat eben kein Distinktionsbedürfnis“, erklärt Gerhards. Die Oberschicht hingegen leide darunter, daß Vornamen kein "verknapptes Gut" sind, auf das jeder freien Zugriff hat. Deswegen wählt man hier eher einen ungewöhnlichen, vielleicht altmodischen Namen, um sich vom Massengeschmack abzugrenzen.

In den Vereinigten Staaten gibt es laut Gerhards bereits Forschungsergebnisse, die besagen, daß Bewerber mit bestimmten Namen schlechte Berufschancen haben. „Das liegt daran, daß sich die schwarzen Amerikaner häufig Vornamen ausdenken, etwa mit afrikanischem Hintergrund. So denkt man bei bestimmten Vornamen automatisch an einen Schwarzen, ähnlich wie man hier bei ,Nancy' und ,Mandy' sofort an Ostdeutschland denkt.“

Nun könnte man fragen, warum sich Personaler in Amerika soviel Mühe machen; schließlich sollte man am Bewerbungsfoto erkennen, ob jemand schwarz oder weiß ist. Doch der Bewerbung ein Foto beizulegen ist in den Vereinigten Staaten verboten - damit keine Volksgruppe diskriminiert wird.

Bei Siemens, Eon und Dr. Oetker ist man sich einig, daß in Deutschland allein die Qualität eines Bewerbers zählt. Harald Ständer von der Personalabteilung der Commerzbank schränkt allerdings ein wenig ein: „In Ostdeutschland würde ich auch einen Filialleiter Kevin einsetzen.“

Quelle: F.A.Z., 10.09.2005, Nr. 211 / Seite 59

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