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Samstag, 04. Februar 2012
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Tiere im Büro Der Lieblingskollege

11.09.2006 ·  Für viele Arbeitnehmer ist es noch etwas ungewohnt. Doch Tiere im Büro werden immer beliebter. Zudem beeinflussen sie das Arbeitsklima nachweislich positiv und sind das beste Mittel gegen Stress und Depression im Berufsalltag.

Von Sybille Wilhelm
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Paula bekommt das von Hiltrud Schröder, was ihr Exmann, der Exkanzler, dem Vernehmen nach nie bekam: ein richtiges Würstchen. Und das sogar vor laufender Kamera. Denn Paula darf zum Arbeitsplatz ihres Herrchens. Die rund vier Jahre alte Golden-Retriever-Hündin fehlt bei keiner „VIP-Show“ im hessischen Fernsehen und begleitet Moderator Holger Weinert auch bei der Vor- und Nachbereitung der Sendung auf Schritt und Tritt.

„Paula war vom ersten Tag an dabei, da war sie gerade neun Wochen alt“, sagt Weinert. Seitdem ist die Hündin ein fester Bestandteil des TV-Teams und hat selbstredend auch eine eigene Kurzbiographie im Internet, wo sie als die „schönste und beliebteste“ der Moderatoren geschildert wird: „Ich meine, wer wurde denn von Steffi Graf durchgestreichelt?“, heißt es dazu.

Studien weisen positive Wirkung der Vierbeiner nach

So wie Retriever Paula die Prominenten um die Pfoten wickelt und deren Nervosität wegschmust, gibt es einige ihrer Artgenossen in Deutschland, die durch ihre bloße Anwesenheit am Arbeitsplatz ähnlich positive Auswirkungen auf die Kollegen ihrer Besitzer haben. In das Lobpreisen der vielen guten Eigenschaften von Haustieren im Büro stimmen dabei im übrigen nicht nur die stolzen Besitzer der Vierbeiner ein: Die positive Wirkung auf das Betriebsklima und die Gesundheit der Mitarbeiter wurde auch in verschiedenen Studien nachgewiesen.

So hat die Universität Buffalo herausgefunden, daß allein die Anwesenheit eines Tieres im selben Raum zu einer Senkung des Blutdrucks und zu einer Verringerung von Stressempfindungen führt. Bei dem Versuch mit Brokern, die an der Börse besonderer Hektik ausgesetzt sind, verminderte sich bei dem Umgang mit den Tieren die Produktion von freien Radikalen. Weniger Stress bedeutet weniger Belastung für Herz und Kreislauf und somit einen niedrigeren Blutdruck.

„Mitarbeiter nehmen durch die Bewegung sogar ab“

Daß ein Hund das beste Mittel gegen Bürostress ist, propagieren auch britische Forscher seit Jahren. Denn wenn ein Mitarbeiter einen Hund streichelt, sinkt in aller Regel der Blutdruck, und es wird das Glückshormon Endorphin ausgeschüttet. Mitarbeiter, die einen Bürohund in der Nähe haben, leiden zudem seltener unter Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen, Husten oder Müdigkeit. BBC-Online meldete darüber hinaus kürzlich noch einen weiteren angenehmen Nebeneffekt: Dank des Spaniels Rupert, den ein Geschäftsführer einer Zeitarbeitsfirma in Bradford mit ins Büro bringt, um seinen Mitarbeitern über Stress und Depressionen hinwegzuhelfen, sind bereits vier der zwölf Raucher in dem Büro zu Nichtrauchern geworden.

Die anderen acht Kollegen rauchen jetzt weniger. Denn statt wie früher vor die Tür zu gehen, um eine Zigarette zu rauchen, drehen sie jetzt lieber eine kleine Runde mit Rupert. „Die Mitarbeiter nehmen sogar ab, weil sie jetzt soviel Bewegung haben“, wird ein Sprecher der Firma zitiert. Der „Effekt Bürohund“ ist so groß, daß jetzt auch in anderen Zweigstellen Hunde angeschafft werden sollen.

„Es sollte noch viel mehr Bürohunde geben“

Eine weitere Verbreitung der Vierbeiner in deutschen Büros wünscht sich auch Dagmar Kunze, die beim Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft in Berlin arbeitet: „Nach nunmehr vier Jahren in unserem neuen Job kann ich nur voller Inbrust sagen, daß es noch viel mehr Bürohunde geben sollte“, sagt die Besitzerin des Golden-Retriever-Rüden Janosh. „Es wäre schön, wenn sich mehr Arbeitnehmer trauen würden, nach dieser Möglichkeit zu fragen.“

Der Arbeitgeber könnte die Zustimmung durchaus auch erst einmal probeweise geben, um zu sehen, wie es so läuft. Selbstredend muß derjenige, der seinen Hund mit ins Büro bringt, ein paar Spielregeln einhalten. Zuallererst muß der Mensch den Hund im Griff haben. Zudem sollte der Hund über einen ausgeglichenen, aggressionsfreien Charakter verfügen und fernab des Büros ausreichend Gelegenheit haben, seinen Bewegungsdrang auszuleben. Denn ein „bewegter“ Hund ist grundsätzlich ausgeglichener. Gibt es Kollegen, die Angst vor Hunden haben, muß der Hundehalter dies respektieren und gemeinsam nach einer Lösung suchen. „Ängstlichen Kollegen sollte man Zeit geben, sich an den Hund zu gewöhnen“, sagt Dagmar Kunze.

Die Stimmung ist von Anfang an unverkrampft“

Sie hat beobachtet, daß es hilfreich ist, das jeweilige Verhalten des Hundes zu erläutern und somit Vertrauen zu schaffen. „Aber als Hundebesitzer muß man sich auch klarmachen, daß man nicht von jedem die gleiche Begeisterung für Hunde erwarten kann. Dann heißt es, tolerant zu sein und den Hund von einer allzu hingebungsvollen Kontaktaufnahme abzuhalten.“ Während mittlerweile die rund 40 Kollegen von Janosh schon echte Fans des vierbeinigen Kollegen sind, reagieren auch die Besucher, zu denen unter anderen Bundestagsabgeordnete gehören, „durchweg positiv“ auf den Golden Retriever.

Peter Buschman, selbständiger Datensicherungsexperte in Frankfurt, hat bei Kundengesprächen ähnlich gute Erfahrungen mit seinem Mischlingsrüden Benny gemacht: „Die Stimmung ist von Anfang an unverkrampft, wenn er dabei ist. Oft redet man erst einmal über den Hund und die Haustiere des Kunden. So wird der Kontakt gleich persönlicher.“

„Es gibt durch die Hunde immer etwas Lustiges“

Auch bei dem Internet-Suchmaschinenbetreiber Google gehören Hunde im Büro zum entspannenden Alltag. „Laut unserer Geschäftspolitik heißen wir Hunde herzlich willkommen“, sagt Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland. In Hamburg bringen beispielsweise zwei Kollegen ihre Hunde mit. „Einer davon ist fast täglich da und gehört schon fast zum Inventar.“ Stefan Keuchel bestätigt, daß die Arbeitsatmosphäre mit Hunden deutlich besser ist. „Wenn man mal nicht weiterkommt, kann man zu dem Hund gehen und kurz das Quietschetierchen werfen. Diese kleine Ablenkung wirkt manchmal Wunder.“

Ähnliches berichtet auch Claudia Friederich, Steuerberaterin aus Hamburg: „Meine beiden Hunde tun dem Betriebsklima sehr gut. Es gibt immer etwas Lustiges, was die Hunde gerade machen. Außerdem dienen sie auch unserem Schutz, denn wir Frauen sind manchmal allein oder nur zu zweit auf dem Grundstück.“

Ohne Hund steigt der Stress deutlich an

Bei so viel positiven Erfahrungen und Untersuchungsergebnissen nimmt es nicht wunder, daß Kollegen, die im Büro auf den Hund gekommen sind, den Lieblingskollegen kaum mehr hergeben wollen: Bei einer Umfrage des amerikanischen Heimtierverbandes APPMA sprachen sich alle der 200 befragten Mitarbeiter quer durch sämtliche Branchen für ihre vierbeinigen Kollegen aus; sie bestätigten, daß die Haustiere am Arbeitsplatz zu positiven Arbeitsbeziehungen beitragen, die Umgebung produktiver ist und die Tiere auch die Kompetenz im Umgang mit anderen Menschen unterstützen. Darüber hinaus fördern heimtierfreundliche Arbeitsplätze die Motivation und die Kollegialität. Weil die Sorge um das allein zu Hause gelassene Tier nicht mehr drückt, verbesserten sich bei vielen Angestellten auch die Leistungen.

Das bestätigt auch wieder eine Untersuchung. Die University of New York hat bei einer Reihe von Testpersonen Stresstests mit Kopfrechnen und physischen Belastungsproben durchgeführt. Das wenig überraschende Ergebnis: Die Haustiere verbesserten die Leistungsfähigkeit von Herrchen und Frauchen deutlich. Das überraschende Ergebnis: War der Partner der Testperson anwesend, nahm die Leistungsfähigkeit ab, und der Stress stieg deutlich an.

Quelle: F.A.Z., 09.09.2006, Nr. 210 / Seite 52
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