Thomas Weik studierte Werkstoffwissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg und promovierte mit einer Arbeit über Titanwerkstoffe. Durch einen Freund landete er bei Aesculap. Das vor 17 Jahren. Heute ist Weik mit 49 Jahren schon einer der älteren unter den 300 Technikern, Produktdesignern, Betriebswirten und Ingenieuren in der Entwicklungsabteilung.
Weik ist Direktor des Projektmanagements für Forschung und Entwicklung von Werkstoffen. Letztere sind Kunststoffe und Metalle, aber auch Biomaterialien, wie sie zur Herstellung künstlicher Knie- und Hüftgelenke oder für Wirbelsäulenimplantate benötigt werden. Mit der Entwicklung eines AneurysmenKlipp-Systems aus Titan war Weik zu Beginn seiner Karriere ein Durchbruch in der Therapie und für seinen Arbeitgeber ein großer Erfolg am Markt gelungen. Ein Aneurysma ist eine Aussackung in einem Blutgefäß. Es droht das Risiko, dass dieses platzt. Im Gehirn werden diese Aneurysmen dauerhaft mit Klipps abgeklemmt, um ein Platzen und damit einen Schlaganfall zu verhindern. Weik gelang es, Klammern aus Titan zu entwickeln.
Um die passenden Werkstoffe zu finden, unterhält Weik weltweit Kontakte zu Hochschulen. Er "screent" permanent neue Werkstoffe und Materialien, um bessere Implantate zu entwickeln oder diese effektiver beschichten zu können. Die Werkstoffe müssen umfangreiche Prüfprogramme durchlaufen. 15 Millimeter starke Stangen aus einer Titanlegierung werden einer Zugprüfung unterzogen. Erst als eine Gewichtskraft von 17,5 Tonnen an dem schlanken Stab zieht, reißt er knallend. In Lösungen mit einer Temperatur von 37 Grad, die in ihrer Zusammensetzung dem biologischen Klima im Körperinneren ähneln, werden Implantate aus Metall und Kunststoffen gedreht, gebogen und in Schwingung versetzt. Zehn Millionen Zyklen muss ein Kunstknie im Labor durchlaufen, bis das entsprechende Modell auf den Markt kommt. Das entspricht einer Einsatzdauer von etwa zehn Jahren.
