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Thomas Ohrner Mehr als ein Kinderstar

 ·  Die Hauptrolle in der Serie „Timm Thaler“ machte ihn als Kind berühmt. Heute sucht Thomas Ohrner im Fernsehen Nachfolger für mittelständische Betriebe.

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Zum Treffpunkt kommt Thomas Ohrner mit dem Rad. Pünktlich auf die Minute schwingt er sich vom Sattel und steuert auf den Tisch im Biergarten zu. Von der ersten bis zur letzten Frage bleibt der Schauspieler und Moderator interessiert, von der ersten bis zur letzten Fotoaufnahme unkompliziert. Entweder ist dieser Mann ein medialer Vollprofi, der sein Image der Freundlichkeit perfekt pflegt, oder er ist einfach so: einfach von Natur aus nett.

Menschen mittleren Alters kennen ihn aus „Timm Thaler“, der Weihnachtsserie des ZDF aus dem Jahr 1979. Thomas Ohrner spielte darin die Hauptrolle. Die Serie zog unzählige Zuschauer in ihren Bann und machte aus dem unbekannten Jungen einen Kinderstar. Doch auch der heutigen Jugend ist der Name Thomas Ohrner ein Begriff. Eine nichtrepräsentative Umfrage unter einer Gruppe von Gymnnasiasten fördert viele Juchzer zutage: „Ja, den kennen wir doch aus ,Verbotene Liebe‘“, sagt eine, die mit der ARD-Seifenoper bestens vertraut ist. „Das ist ein total Netter“, trumpft eine andere auf. Sie hat Familie Ohrner während des Urlaubs in einem Robinson-Club in Italien getroffen. „Die waren total freundlich.“

Im Licht der Öffentlichkeit

Thomas Ohrner lächelt, als er das hört. „Du arbeitest für die Öffentlichkeit, also hast du das zu akzeptieren.“ Der Siebenundvierzigjährige blickt auf eine lange Medienkarriere zurück. Mit acht Monaten nahm ihn seine Mutter zu Werbeaufnahmen mit, er lächelte für Margarine und Waschmittel. In den siebziger Jahren begann seine Karriere als Kinderschauspieler. Ohrner wirkte in der Serie „Das Haus der Krokodile“ mit und wurde durch „Timm Thaler“ und „Manni, der Libero“ schließlich einer breiten Öffentlichkeit bekannt. „Das machte Spaß, war wie ein Abenteuerspielplatz. Drehen mit einem Team hat etwas von Zirkusluft.“

Weniger mochte er aufdringliche Fans. Die füllten Wäschekörbe voller Herzchenbriefe, schauten am Reihenhaus am Lerchenauer See im Münchener Norden vorbei und brachten ihn mit ihren „Tommy, komm raus, ich will ein Kind von dir“-Rufen mächtig in Verlegenheit. „Das war hochnotpeinlich, eine Dimension wie eine Boygroup“, erinnert er sich. Was Ohrner richtig übel fand: Seine Jungenclique wollte ihn auf Ausflügen nicht mehr mitnehmen, zu viel Mädchen-Alarm. Trotzdem sei das wohl nichts im Vergleich dazu, wie heute „mancher durch die mediale Mühle gedreht wird. Du kannst es nicht kontrollieren, du wirst kontrolliert“.

Images des netten Schwiegersohns

Das Image des netten Schwiegersohns pappt an Ohrner wie die Wespen an seiner Apfelsaftschorle. „Ich bin einfach nicht der Bad Guy, bin nicht Charlie Sheen mit seinen Exzessen, sondern auf Konsens angelegt. Darauf ist mein Kompass ausgerichtet“, sagt er. Ausgerichtet ist er ebenso auf seine Familie. Er lebt mit seiner Frau, einer Eventmanagerin, in einem kleinen Ort im Münchener Süden und hat mit ihr drei Kinder.

Als ausgesprochener Familienmensch hatte er mit den Produktionszeiten von „Verbotene Liebe“ sehr zu kämpfen. Eigentlich sollte er die Rolle für ein Jahr übernehmen, daraus wurden dann drei Jahre. Die Studios befinden sich in Köln. Jede Woche pendelte Ohrner in den Jahren 2007 bis 2010 ins Rheinland und hatte mitunter das Gefühl, „eher mit der Lufthansa und Air Berlin als mit meiner Familie verheiratet zu sein“. Oft fuhr er freitags dann direkt vom Flughafen zu seinem langjährigen Arbeitgeber, dem Bayerischen Rundfunk. „Das pflege ich bewusst.“ Samstags moderiert er dort unter anderem die Morgensendung. Er schätzt das gute Team und auch die Freiheiten, die ihm der Sender lässt.

Drehen unter Hochdruck

Ganz anders lief die Arbeit in Köln ab. Das schnelle Produktionstempo war eine Herausforderung, vor allem für einen Schauspieler, der noch erlebt hat, dass an einem Drehtag nicht mehr als drei Minuten der späteren Sendezeit im Kasten waren. Bei der vom Publikum geliebten, von Kritikern als „Telenutella“ geschmähten Endlosserie mitgemacht zu haben, dazu steht Ohrner. „Das ist kein Fremdschämen. Mir war wichtig, dass die nicht jedes Thema angepackt haben.“ Täglich Hochleistung zu bringen, bedeutete für ihn, ein diszipliniertes Leben zu führen. „Abends nach der Arbeit versacken, das ging nicht. Ich habe einen hohen Respekt vor der Maschinerie.“ Natürlich verhehlt er nicht, dass ihm das Kontrastprogramm mehr Freude bringt. So hat er in der Kinoverfilmung von „Haus der Krokodile“ eine Gastrolle übernommen. „Ich habe das genossen, mit dem Regisseur mehrere Versionen einer Szene zu besprechen. Das fühlt sich gut an.“ Jammern möchte er nicht. „Die Fernsehwelt hat sich grundlegend gewandelt.“

Der Kölner Arbeitsrhythmus war schwer zu vereinbaren mit einem, der sich zum Ziel gesetzt hat: „Ich schenke meinen Kindern eines: jede Menge Zeit.“ Phasenweise musste er sich damit trösten, dass Quantität nicht Qualität ist. Mittlerweile kann er sich die Zeit freier einteilen und seiner Frau für ihre Aufträge den Rücken freihalten. Seine älteste Tochter Luisa aus seiner ersten Ehe ist bei ihm aufgewachsen. Eigentlich wollte die Zweiundzwanzigjährige Journalistin werden. „Ich habe ihr die Vorteile und die Nachteile aufgezählt.“ Nun wird sie Kauffrau für Kommunikation. Sein Elfjähriger, der ihn ab und zu zur Arbeit ins Rundfunkstudio begleitet, verkündete kürzlich: „Wenn du mal aufhörst, dann übernehme ich deine Sendung.“ „Ich musste Fabian aufklären, dass das keine vererbbare Stelle ist“, lacht Ohrner und sagt dann ernst: „Meine Kinder sollen sich frei entscheiden, welche Ausbildung sie machen. Ich fördere nichts und ich setze keine Grenzen - im Hinblick auf Berufspläne.“

Mit Helmut Thoma zum Radio

Für ihn selbst stand trotz der Erfolge früh fest, dass er nicht ausschließlich Schauspieler werden wollte. „Das habe ich gefühlt. Damit werde ich nicht hundert Prozent glücklich. Das war alles von allem zu viel für einen jungen Menschen. Für mich gab es nur Rückzug. Aber ich fand das mediale Drumherum total spannend.“ Dazu gehörte ein Interviewtermin für den Hörfunksender RTL in Luxemburg. Als der damalige Programmdirektor Helmut Thoma den damals 17 Jahre alten Jungschauspieler am Mikrofon erlebte, bot er ihm ein Volontariat an: Dienstantritt eine Woche später. Ein Jahr zu warten, bis Thomas Ohrner sein Abi gemacht hatte, lehnte Thoma ab und beharrte, sofort jemanden zu brauchen. „Meine Mutter stimmte zu, denn ein Volontariat, das war was Ernsthaftes bei der Talentschmiede RTL. Es klingt vielleicht abgedroschen, aber sie hat immer betont: Junge, du musst Spaß an den Dingen haben, dann ist es gut.“ Recherche, Konzeption von Sendungen, Inhalte schaffen - die Arbeit in der Radioredaktion gefiel ihm. Als Jungspund wurde er „vier Jahre in die Nacht geschickt“. Da fielen Patzer und Versprecher nicht so ins Gewicht.

Auf einem Tennisturnier trat er gegen Helmut Markwort an und gewann. „Zur Strafe müssen Sie zu mir kommen! Wir gründen Antenne Bayern und suchen Leute, um das aufzubauen“, sagte Markwort danach. Thomas Ohrner sagte zu und leitete wenig später die Unterhaltungsabteilung des Senders. Dann wechselte er zum Kabelkanal, später Kabel eins, und übernahm dort drei Jahre die Programmleitung. Diese Stationen referiert er gerne. Natürlich habe es auch Flops gegeben. „Ich nehme das nicht persönlich, bin nicht waidwund oder denke, sie lieben mich nicht mehr.“

Bloß kein Stillstand

Seine Berufserfahrung auf den verschiedensten Kanälen kommt ihm heute in seiner Wirtschaftssendung „Nachfolger gesucht“ zugute. Mit einem Produktionsteam stellt er im Bayerischen Fernsehen Mittelständler vor, die sich um Nachfolger bemühen: eine Arztpraxis im Allgäu, Bäckereien am Bodensee. „Wir recherchieren gründlich. Da geht es um Lebensentscheidungen.“ Der vielbeschäftigte Freiberufler kann sich ein Leben ohne Arbeit nicht vorstellen. „Ich werde bis zum Lebensende arbeiten, ich sehne mich nicht nach Stillstand.“

Doch je näher der 50. Geburtstag rückt, desto mehr kommt er ins Grübeln. 50 sei „eine Marke, wo man sich sortieren soll“. Er denkt darüber nach, seine Erfahrungen weiterzugeben, mit einem eigenen Unternehmen zu produzieren oder zu beraten. „Das muss ich noch ventilieren. Ich glaube, die Zeit ist reif, das zu tun. Du wirst ja ernst genommen, das passiert dir als Fünfundzwanzigjähriger nicht immer.“ Es klingt jungenhaft und fast ein bisschen stolz, als er das sagt.

Ich über mich

Ein guter Arbeitstag beginnt mit ...

... der S-Bahn, damit brauche ich 23 Minuten bis zum BR in der Münchener Arnulfstraße.

Die Zeit vergesse ich, ...

... wann immer ich kann.

Wer es in meinem Geschäft zu etwas bringen will, ...

... muss Geduld und Demut haben.

Erfolge feiere ich ...

... alleine mit meinem Rotwein.

Es bringt mich auf die Palme, ...

... wenn Leute am Handy so laut quatschen, dass ich mithören muss.

Mit 18 Jahren wollte ich ...

... genau das machen, was ich gemacht habe.

Im Rückblick würde ich nicht noch einmal ...

... eine Immobilie im Osten kaufen.

Geld macht mich ...

... auf jeden Fall unabhängig.

Rat suche ich ...

... bei meiner Frau Marion.

Familie und Beruf sind ...

... grundsätzlich zu trennen.

Den Kindern rate ich, ...

... nicht jeden Ratschlag zu beherzigen.

Mein Weg führt mich ...

... sicherlich noch zu dem ein oder anderen Umweg.

Zur Person

  • Thomas Ohrner wird am 3. Juni 1965 in München geboren. 1979 spielt er die Hauptrolle im ZDF-Mehrteiler „Timm Thaler“.
  • Mit 17 Jahren volontiert er bei Radio Luxemburg. Später arbeitet er als Radio- und Fernsehmoderator sowie als Schauspieler. Von 2007 bis 2010 steht Ohrner in „Verbotene Liebe“ vor der Kamera.
  • Heute ist er Radiomoderator bei „Bayern 1“ und macht fürs Fernsehen die Sendung „Nachfolger gesucht“ über den Mittelstand.
  • Er ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt in der Nähe von München.
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Jahrgang 1964, Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

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