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Studium Friedenswissen schaffen

23.10.2005 ·  Fünf deutsche Universitäten haben im Zuge der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge das neue Studienfach Friedens- und Konfliktforschung eingeführt. Die Berufsaussichten sind vielfältig.

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Die Universitäten Tübingen, Marburg, Magdeburg, Frankfurt und Hagen haben mit der Umstellung auf Bachelor und Master neue Masterstudiengänge für Friedens- und Konfliktforschung etabliert.

Außerdem gibt es an der Universität Hamburg einen einjährigen interdisziplinären Aufbaustudiengang „Friedensforschung und Sicherheitspolitik“.

Friedens- und Konfliktforschung

Während in den Vereinigten Staaten die „Peace and Conflict Studies“ bereits seit 1948 als eigene Fachbereiche an den Hochschulen verankert sind, war in Deutschland der seit 1995 in Marburg angebotene Nebenstudiengang Friedens- und Konfliktforschung der erste seiner Art.

„Die Nachfrage nach Fachexpertise und geschultem Personal in der Zivilen Konfliktbearbeitung steigt“, sagt Saskia Sell. Die Politologin promoviert über die unterschiedlichen Schulungsangebote für Zivile Konfliktbearbeitung in Deutschland.

Zwischen Streitenden vermitteln

Zunehmend habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, daß militärische Einsätze oder klassische Formen der Entwicklungszusammenarbeit nicht ausreichen, um Konflikte nachhaltig zu beseitigen, sagt Sell. Um zwischen den streitenden Parteien zu vermitteln, bedarf es ausgebildeter Fachkräfte.

Die im Jahr 2000 gegründete Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF) unterstützt den interdisziplinären Dialog in der Friedens- und Konfliktforschung mit gezielter Nachwuchsförderung. Laut DSF-Geschäftsführer Thomas Held stehen Internationalisierung und Praxisorientierung im Mittelpunkt der neuen Studiengänge.

Neben der wissenschaftlichen soll den Absolventen vor allem auch eine berufsrelevante Qualifizierung vermittelt werden. Analysieren, reflektieren und Fachwissen entwickeln, darauf werden Friedens- und Konfliktexperten vorbereitet.

Streßtoleranz und emotionale Stärke

Unerläßlich ist kommunikative Kompetenz: Fremdsprachenkenntnisse sind das eine. Zusätzlich werden Einfühlungsvermögen sowie solide Kenntnisse der kulturellen und gesellschaftspolitischen Hintergründe eines Einsatzlandes erwartet.

Der Einstieg in die Friedensarbeit gelingt häufig über Praktika in einem der zahlreichen Freiwilligendienste. „Eine hohe Eigenmotivation ist für die Arbeit in und mit Konflikten sehr hilfreich“, sagt Sell.

Die Arbeit bei einer lokalen Trägerorganisation in Krisengebieten verlangt von den Einsatzkräften Ausdauer, Streßtoleranz sowie physische und emotionale Stärke. Überwältigt vom Engagement der neuen Generation zeigten sich im Januar dieses Jahres die Veranstalter der ersten Nachwuchstagung der Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung (AFK).

Konfliktforscher arbeiten in vielfältigen Berufen

Statt der erwarteten rund 70 Teilnehmer kamen mehr als 100. Qualifizierte Friedens- und Konfliktforscher können in unterschiedlichen Berufsfeldern im In- und Ausland eingesetzt werden: in Politik, Medien, Wirtschaft und Kultur.

Neben Nichtregierungsorganisationen bieten vermehrt auch staatliche Einrichtungen Ausbildungen und Tätigkeitsfelder an: das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze, das Auswärtige Amt, die Polizei sowie Teilbereiche der Bundeswehr.

In dem vom Bundesentwicklungsministerium geförderten Zivilen Friedensdienst (ZFD) wirken Fachkräfte mit staatlichen und nichtstaatlichen Trägern zusammen. Zu den Aufgaben des ZFD gehört es auch, ehemalige Soldaten auf ihrem Weg ins zivile Leben oder Flüchtlinge bei der Rückkehr in ihre Heimat zu begleiten.

Friedensmuseum in Afrika

Neu ist, daß sich durch die Masterstudiengänge auch bereits Berufstätige der Friedens- und Konfliktforschung zuwenden und eine Zusatzqualifikation erwerben. Die Doppelqualifizierung ebnet neue Wege der Konfliktbearbeitung:

„Kürzlich wurde ein Museumspädagoge mit speziellen Kenntnissen der Konfliktbearbeitung zum Aufbau eines Friedensmuseums in Afrika gesucht“, sagt Sell. Es muß nicht immer Afrika sein. Auch hierzulande wächst der Aufgabenbereich für professionelle Friedensstifter.

„Studien haben ergeben, daß Vorgesetzte zum Teil 70 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür aufwenden, Konflikte zwischen Mitarbeitern zu lösen“, berichtet Sell.

Quelle: dhu., F.A.Z., 22.10.2005, Nr. 246 / Seite 63
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