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Studium : Die Angst vor der verlorenen Zeit

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Tresckow

„A-b i-n die Welt“ bedeutet für viele auch: ab in die Ratlosigkeit. Wer kopflos zu studieren anfängt und seine eigenen Stärken nicht berücksichtigt, wird häufig unzufrieden mit seiner Studienwahl. Studienberater helfen weiter.

          Kommunikativ, kreativ, kontaktfreudig, so sieht sich Christina Wilk* selbst. Und so sahen die 21 Jahre alte Schwäbin auch Sabine Ertel-Garbe und Andrea Bausch von der Berufsberatung Telos in Tübingen. Dennoch hatte Haid die zwei Semester vor ihrem Besuch bei Telos mit sturem Büffeln für BWL-Klausuren in der Universitätsbibliothek von Bayreuth verbracht.

          „Soviel habe ich noch nie in meinem Leben gelernt“, sagt sie. Und war trotzdem frustriert über mittelmäßige Noten, den unpersönlichen Unibetrieb, zuviel Mathe - kurzum über ein Studium, das ihr nicht lag. „Es fiel mir schwer, meine Stärken auch als solche zu erkennen“, sagt sie.

          Die Schule hinter sich zu bringen ist erst einmal das große Ziel vieler Schüler, das Abitur die ersehnte Eintrittskarte in die Freiheit. Doch „A-b i-n die Welt“ bedeutet für viele auch: ab in die Ratlosigkeit. Sich mit knapp 20 Jahren für einen Ausbildungsweg zu entscheiden und eine Vorstellung vom späteren Berufsleben zu haben fällt schwer. Zugleich machen steigende Arbeitslosenzahlen und drohende Studiengebühren den jungen Menschen angst: bloß keine Zeit verlieren. Eltern und Freunde sind die ersten und wichtigsten Ratgeber. Viele wünschen sich allerdings Rat von unbefangenen Dritten.

          Junge Menschen quälen sich oft mit der Studienwahl
          Junge Menschen quälen sich oft mit der Studienwahl : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          „Sag mir, was ich tun soll“

          Seit 1998 das Monopol des Arbeitsamtes auf die Dienstleistung Berufsberatung aufgehoben wurde, entdecken auch in Deutschland immer mehr private Anbieter die Schüler und Studenten als Markt. Für die Ratsuchenden ist dabei viel Zufall im Spiel: Die Berater sind meist Einzelkämpfer und Quereinsteiger.

          Eine kostenlose und neutrale Beratung gibt es zunächst bei den Arbeitsagenturen. Die Berufsberater bieten Schülern und Studenten Einzelsprechstunden an. Die Besucher kommen ohne Orientierung, dafür mit um so mehr Angst. „Etwa zwei Drittel der Ratsuchenden kommen mit Entscheidungsschwierigkeiten zu uns“, schätzt Günther Kapust, Berufsberater bei der Arbeitsagentur in Frankfurt. Die Jugendlichen hätten am liebsten genaue Handlungsanweisungen.

          „Die sagen geradezu: ,Sag mir, was ich tun soll.'“ Und das sind nur diejenigen, die überhaupt den Weg in das ehemalige Arbeitsamt finden: „Manche kriegen erst nach dem Studium mit, daß es uns gibt“, sagt Eva Peters, Teamleiterin beim Team akademische Berufe in der Frankfurter Arbeitsagentur.

          Unzufrieden mit der Studienwahl

          Eigentlich müßte jeder Abiturient vom Beratungsangebot der Bundesagentur wissen. Eigentlich. Wäre die Orientierungsveranstaltung in der Oberstufe nicht einfach eine willkommene Gelegenheit zum Abschalten. Und ein Berufsleben noch so weit weg. „Viele überschauen das in der 12. Klasse noch gar nicht. Die wollen ihr Abitur machen und denken darüber nicht hinaus“, sagt Kapust. Allerdings könnte das Angebot der Bundesagentur für ratlose Schüler und Studenten bald kleiner werden.

          Schließlich sollen die Berater von McKinsey aus der riesigen, trägen Behörde ein effizient arbeitendes Unternehmen machen. „Die Berufsberatung hat man bei der Umstrukturierung völlig vergessen“, sagt Birgit Lohmann, Vorsitzende des Verbands für Bildungs- und Berufsberatung (dvb), in dem überwiegend Berater aus den Arbeitsagenturen organisiert sind. Wer Controlling macht, will den Erfolg der Arbeit messen. Doch wie mißt man den Erfolg von Berufsberatung? „Beratung muß vollkommen unabhängig von Vermittlung sein“, fordert Lohmann.

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