Frau Klein, haben Sie an der Exzellenzinitiative mitgewirkt?
An der Exzellenzinitiative waren die Studierenden kaum beteiligt, denn es ging ja nicht um sie. Es ging vor allem um die Forscher. Sehr wenige Studierende wurden in die Begehung der Gutachter einbezogen. Und die hatte sich die Unileitung vorher ausgesucht.
Was meinen Sie mit „ausgesucht“?
Man hat nicht komplett wildfremde Studenten genommen, sondern Leute, die in den Förderbereichen schon Bachelorarbeiten geschrieben haben, solche, die schon gefördert wurden, oder einfach Leute, die man kannte.
Eher solche, die der Exzellenzinitiative wohlgesonnen sein dürften?
Zumindest solche, die sich nicht komplett negativ äußern.
Sie waren dann wohl nicht dabei?
Nein, ich bin nicht gefragt worden.
Hat Sie das gewundert?
Nein, es ist ja verständlich, dass die Hochschule da einen möglichst berechenbaren Eindruck vermitteln wollte.
Die LMU ist nun schon zum zweiten Mal als exzellent bezeichnet worden. Sind Sie nicht auch stolz, an einer ausgezeichneten Hochschule zu studieren?
Nicht wirklich, denn den Studierenden bringt das gar nichts. Für die Lehre bringt die Exzellenzinitiative absolut nichts. Sie hat die Betreuung der Studenten und die Lehre in einigen Bereichen sogar verschlimmert.
Die Lehre hat gelitten?
Die Professoren mussten ungeheuer viel Zeit aufwenden, um die Anträge zu schreiben. Diese Zeit fehlte ihnen dann für Forschung und Lehre. Die Universität als Ganze konnte sich monatelang auf nichts anderes konzentrieren. Dadurch sind Initiativen in allen anderen Bereichen, insbesondere für eine bessere Lehre, liegengeblieben.
Ist die Lehre ohnehin ein Sorgenkind an den Universitäten?
Ja, da wurde in den letzten Jahren kaum etwas getan. Im Verhältnis zu den wachsenden Studierendenzahlen sind die investierten Mittel ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das wird jetzt immer offenkundiger, weil immer mehr Studenten an die Hochschulen strömen. Und durch die Bologna-Reform hat nur eine Verrechtlichung des Studiums stattgefunden. Die Curricula sind nicht durchdacht überarbeitet worden, sondern wurden meistens nur unter Zeitdruck in die neuen Formvorgaben gepresst.
Wie wird die Lehre besser?
Wir streben das Ideal des selbstbestimmten Lernens an, das heißt, die Studierenden treffen die Entscheidung, wann sie sich in welcher Form womit beschäftigen wollen. Wahlfreiheit ist wichtig, um motiviert studieren und ein individuelles Profil ausbilden zu können. Dies wird aber durch zu wenige Wahlmöglichkeiten und zu viel Frontalunterricht verhindert. Entscheidend ist, dass in jedem Fach eine Diskussion aller Beteiligten über gute Lehre stattfindet und Verbesserungsvorschläge dann auch aufgegriffen und umgesetzt werden.
Aber ist es nicht gut, dass durch die Exzellenzinitiative zusätzliches Geld in die LMU fließt?
Das Geld fließt aber nicht in die Lehre, sondern nur in die Forschung. Und auch in der Forschung nur in Projekte, die man sich teilweise extra dafür ausgedacht hat.
Ist es nicht gut, dass die LMU wegen ihrer Exzellenz viele Spitzenforscher anzieht?
Das Problem ist, dass diese Spitzenforscher oft von der Lehre befreit werden. Dann haben die Studenten nichts vom Spitzenpersonal.
Haben es LMU-Studenten denn wenigstens leichter auf dem Arbeitsmarkt?
Das kann sein. Ich finde es aber fragwürdig, wenn Arbeitgeber nur nach dem Namen der Hochschule gehen. Denn wenn man nicht gerade in den exzellenten Clustern war, dann hat man von der Exzellenzinitiative nicht profitiert.
Ja, völlig unberechenbar...
Karl Meier (KarlMeier)
- 24.06.2012, 12:20 Uhr
Mich würden die Kriterien interessieren,....
Closed via SSO (JohnBrown)
- 23.06.2012, 19:29 Uhr
Bizarr
Maximilian Alter (wolfson2012)
- 23.06.2012, 16:16 Uhr
Systematische Förderung von Lehrfaulheit
Erich Jansen (Nonosus)
- 23.06.2012, 12:31 Uhr
Selbstbestimmtes Lernen = Studieren im Diplomstudiengang
Otto Haber (ohaber)
- 23.06.2012, 12:02 Uhr
