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Studentische Journals : Eine Heimat für Hausarbeiten

  • -Aktualisiert am

Bild: Peter v. Tresckow / F.A.Z.

Für die Schublade sind manche Hausarbeiten viel zu schade. Sie können in studentischen Journals veröffentlicht werden. Dort begutachten zuvor Professoren die Texte.

          Ein Thema suchen, in der Bibliothek staubige Regale durchstöbern und lesen, viel lesen. Die gesammelten Erkenntnisse schließlich in den Computer tippen und anschließend mit Fußnoten kämpfen. Dann endlich, wenn die zehn bis zwanzig Seiten im Drucker liegen, ist es geschafft: wieder eine Hausarbeit, mit der der Abschluss ein Stück näher rückt. Bis zur Absolventenfeier schreiben manche Studenten bis zu zwanzig Hausarbeiten. Sie machen viel Arbeit, und an Technik und Stil müssen sich Anfänger erst gewöhnen. Doch nach einigen Semestern kommen ab und an wirklich gute Texte heraus. Manchmal werden sogar ganz neue Gedanken zu Papier gebracht. Und wofür das alles? Meistens für die Schublade des Dozenten, des oft einzigen Lesers.

          Zwei Studenten aus Münster wollten sich mit der Produktion für die Tonne nicht mehr abfinden. Sie fanden: Vieles, das da Jahr für Jahr geschrieben wird, war viel zu schade, um nur als Übung zu dienen. Im Auslandssemester in den Vereinigen Staaten erfuhren sie, dass es auch anders geht: Wissenschaftliche Zeitschriften, in denen Studenten ihre Arbeiten veröffentlichen können, haben dort eine lange Tradition. Diese Idee brachten sie 2005 nach Deutschland und gründeten das „Journal 360 Grad“. In ganz Deutschland sollte es erscheinen und Aufsätzen aus allen Fachrichtungen offenstehen.

          Mehr als eine Rettung vor der Tonne

          An anderen Orten taten es ihnen Studenten gleich und gründeten ebenfalls Zeitschriften, die besonders gute Arbeiten drucken und so der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das rettet nicht nur die Texte vor der Tonne, sondern bietet den Studenten auch die Gelegenheit zu lernen, wie man wissenschaftliche Artikel schreibt und sie so aufbereitet, dass auch Dritte sie lesen wollen.

          Die beiden Studenten aus Münster haben längst ihren Abschluss gemacht, aber „360 Grad“ gibt es heute noch. Es wurde eine Erfolgsgeschichte und als Ort im „Land der Ideen“ ausgezeichnet. Fünfzig Studenten aus ganz Deutschland sorgen dafür, dass jedes Semester eine neue Ausgabe erscheint. „Ich war von Anfang an beeindruckt, wie professionell hier alles lief“, sagt der derzeitige Chefredakteur Angelo D’Abundo. Zusammen mit 15 anderen Redakteuren arbeitet er gerade am nächsten Heft mit dem Titel „Grenzen“. Aufsätze zu Themen wie Frontex (Grenzschutz der EU) oder Intimchirurgie (Grenzen der Schönheit) sollen zeigen, was der abstrakte Begriff alles hergibt. Die Artikel basieren meistens auf Haus- oder gekürzten Abschlussarbeiten.

          Ein „Call for Papers“ wird im Semester vor der Produktion im Internet und als Aushang an den Hochschulen veröffentlicht. Aus den Einsendungen werden zehn bis fünfzehn Texte ausgewählt. Bislang erschienen „360-Grad“-Hefte zu Themen wie Bildung, Nachhaltigkeit oder Krieg und Frieden.

          Angelo D’Abundo stieß im Frühjahr 2011 zur Berliner Gruppe von „360 Grad“. Er studiert Politikwissenschaft, ein Kommilitone hatte ihm von dem Projekt erzählt. Im Oktober wurde er Chefredakteur. Dieser Posten sei in den wichtigen Phasen „auf jeden Fall ein Halbtagsjob“, sagt D’Abundo. Doch mache ihm die Aufgabe viel Freude. „Als ich dieses tolle Heft zum ersten Mal in der Hand hatte, wollte ich ein Teil davon sein.“ Im kommenden Semester will er aber kürzertreten und sich wieder auf sein Studium konzentrieren. Das Personal wechselt bei „360 Grad“ oft - erst recht, seitdem viele im Zuge der Bologna-Reform schneller studieren.

          Das Projekt wird vollständig ehrenamtlich bestritten. Studenten aus ganz Deutschland arbeiten mit, wobei es feste Standorte gibt: zum Beispiel in Berlin, Marburg, Münster und Hamburg. Koordiniert wird die Arbeit über Skype-Konferenzen und E-Mail-Verteiler. Zweimal im Semester trifft man sich auch persönlich.

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