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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Studentenjobs Immer noch Aushilfskraft

 ·  Studenten sammeln auf Aushilfsstellen wichtige Berufserfahrungen. Nach dem Abschluss überbrücken sie dort die Zeit der Bewerbung. Manche bleiben aber zu lange - und gefährden ihre Karriere.

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Nach der Vorlesung noch in der Bar kellnern, in den Semesterferien in der Buchhandlung aushelfen oder auf der Einkaufsstraße Passanten ansprechen - Danny Kummer hatte schon viele Stellen neben dem Studium. Gerade in den ersten Studiensemestern gehörte das Jobben für den Betriebswirtschaftsstudenten aus Köln zum Alltag. „Zu Beginn des Studiums ging es mir vor allem darum, nebenbei etwas dazu zu verdienen“, sagt der 27-Jährige, der gerade seine Diplomarbeit schreibt. Im Hauptstudium wählte er seine Aushilfsstellen dann gezielter: „Je konkreter meine Berufsvorstellungen wurden, desto mehr habe ich mir Stellen ausgesucht, in denen ich auch fachlich etwas lernen konnte, zum Beispiel als Hilfskraft am Marketing-Lehrstuhl und als Werkstudent in der Marketing-Abteilung eines großen Konzerns.“

Wie Danny Kummer nutzen die meisten Studenten Nebenjobs, um ihr Studium zu finanzieren und erste Berufserfahrungen zu sammeln. Die Doppelbelastung aus Arbeit und Studium ist zwar anstrengend - kann sich aber lohnen. „Nebenjobs sind gut für die spätere Karriere. Allerdings vor allem dann, wenn sie auch etwas mit dem Studienfach und Berufswunsch zu tun haben“, sagt Gregor Fabian, Absolventenforscher in der HIS Hochschul-Informations-System GmbH. „Studenten können dann Berufserfahrung sammeln und erste Kontakte für ihre Wunschberufe knüpfen.“ Allerdings steht für viele Studenten wohl doch eher das Geldverdienen im Vordergrund - sie sind auf Aushilfsstellen angewiesen, um sich finanziell über Wasser zu halten. Nicht mal ein Drittel der Studenten entscheidet sich gezielt für Stellen, die sie auf ihren späteren Beruf vorbereiten, wie eine Studie des Darmstädter Beratungsunternehmens Univativ unter 1200 Studenten an 60 deutschen Hochschulen zeigt. Sie arbeiten zum Beispiel als wissenschaftliche Hilfskräfte, in Fachabteilungen von Unternehmen oder als Nachhilfelehrer. Stellen als Werkstudent in Unternehmen sind bei karrierebewussten Studenten besonders beliebt: Sie gelten als idealer Karriereeinstieg.

Mehr als die Hälfte der Studenten jedoch wählt Arbeitsplätze, die eher nicht auf das Berufsleben vorbereiten. Sie arbeiten zum Beispiel in der Gastronomie, im Verkauf, in der Produktion oder bei Promotion-Einsätzen. „Die finanzielle Abhängigkeit von diesen fachfremden Stellen kann für Studenten zum Karrierenachteil werden“, sagt Helga Krausser-Räther, Karriereberaterin aus Frankfurt. Denn wegen des Geldverdienens fehlt oft die Zeit für Praktika und Auslandssemester. Viele Studenten sind zudem auch nach dem Abschluss weiter auf ihre Aushilfsstellen angewiesen, um die Bewerbungsphase nach dem Studium zu überbrücken. „Um den Übergang in den Beruf zu überbrücken, ist das eine sinnvolle Lösung“, sagt Krausser-Räther. „Allerdings sollte man nach dem Studium nicht länger als ein halbes bis dreiviertel Jahr in fachfremden Nebenjobs hängenbleiben“, warnt sie.

Wer die Aushilfsstelle für lange Zeit zum Hauptberuf macht, läuft nämlich Gefahr, dass Personalchefs nicht mehr den motivierten Absolventen sehen - sondern die Bürohilfskraft, die Assistentin oder den Kellner mit ein bis zwei Jahren Berufserfahrung. „Den Absprung in den eigentlichen Traumberuf zu schaffen wird dann immer schwieriger“, sagt Krausser-Räther. Ein Karriereknick kann selbst bei der Langzeit-Aushilfsstelle in der Wunschbranche drohen - wenn der Arbeitsplatz in der Unternehmenshierarchie weit unter einer typischen Einstiegsposition für Akademiker liegt. Wer hofft, als Kabelträger beim Fernsehen, als Aushilfe im Archiv des renommierten Forschungsinstituts, als Sekretärin in der Wunsch-Abteilung eines Unternehmens einen Fuß in der Tür zum Traumberuf zu haben, kann sich gewaltig irren: Wenn der Chef die Absolventen nur als Mädchen für alles oder als den netten Typ kennt, der immer den Kaffee bringt und das Archiv aufräumt, sind das nicht die besten Voraussetzungen für einen Einstieg als angehende Führungskraft oder in die Wunschkarriere.

Irgendwie hängengeblieben

Stefan Schlitt arbeitet inzwischen schon seit mehr als sechs Jahren im Sender WDR auf einer Studentenstelle - obwohl er sein Studium als technischer Redakteur an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen schon vor mehr als drei Jahren abgeschlossen hat.

“Irgendwie bin ich auf der Stelle als Redaktionsaushilfe hängengeblieben“, sagt Schlitt. „Vor allem deshalb, weil die Arbeit immer noch Spaß macht - und weil ich nebenbei noch eine andere Stelle gefunden habe, die mir mindestens genauso viel Spaß macht.“ Schlitt arbeitet nämlich auch als Fahrradrikscha-Fahrer. „Allein von der Redaktionsstelle hätte ich mich auf Dauer gar nicht finanzieren können. Wenn der Rikscha-Job nicht dazu gekommen wäre, hätte ich mich bestimmt schon ein paar Monate nach dem Studium nach einer richtigen Vollzeitstelle umgeschaut.“ Nach nunmehr drei Jahren mit den Aushilfsstellen „fängt es aber langsam an zu kribbeln“, erzählt Schlitt. „Eigentlich macht mir die Abwechslung Spaß. Aber irgendwann muss man ja auch langfristig etwas aufbauen“, sagt er. Jetzt will er seine Kontakte aus der Assistentenstelle nutzen, um in der Redaktion eine Vollzeitstelle zu finden. Das Rikschafahren will der Sport-Fan allerdings auf keinen Fall aufgeben: „Einfach weil es so viel Spaß macht.“

Selbstbewusstsein ist wichtig

BWL-Student Danny Kummer will auch bald anfangen, Bewerbungen zu schreiben - dabei könnte er sich die Bewerbungsphase sogar sparen. Im Anschluss an ein Praktikum in einem großen Nahrungsmittelkonzern hatte er als Werkstudent in dem Unternehmen gearbeitet. Mit der Stelle in der Marketingabteilung war er schon nah dran an seinem Traumberuf im Produktmarketing. Als er die Aushilfsstelle dann kündigte, um seine Diplomarbeit anzufangen, bekam er einen Anruf von der Marketingabteilung: „Das Unternehmen hat mir eine Stelle als Marketingassistent angeboten“, erzählt er. Eine ideale Einstiegsposition für seinen Traumberuf. Gleich nach seiner Diplomarbeit hätte er anfangen können. Das Stellenangebot war gut bezahlt und genau in seinem Fachbereich - außerdem fühlte er sich in der Abteilung wohl, verstand sich gut mit den Kollegen. „Und ich hätte mich nicht mehr als Einsteiger ganz neu beweisen müssen, weil Vorgesetzte und Kollegen mich schon kennen.“

Doch Danny Kummer lehnte das Angebot ab. „Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen“, sagt er. „Aber letztlich hatte ich das Gefühl, das wäre der leichte Weg gewesen, aber nicht unbedingt der bestmögliche. Ich will auf jeden Fall erst einmal meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt testen und auch andere Unternehmen kennenlernen.“ Gerade weil er auf seinen ersten Arbeitsstellen ein gutes Feedback bekommen hat, erhofft er sich auch in anderen Unternehmen gute Einstiegschancen. „Selbst wenn es nach der Diplomarbeit ein oder zwei Monate dauern sollte, bis es klappt, wäre das kein Weltuntergang“, sagt der BWL-Student. „Dann jobbe ich eben so lange, bis es klappt.“

Zu so viel Selbstbewusstsein rät Hochschulforscher Fabian auch anderen Studenten. „Wer schon praktische Erfahrung gesammelt hat, kann diese in der Regel auch in anderen Unternehmen und anderen fachlichen Zusammenhängen anwenden“, sagt er. „Das wissen auch die Personaler. Mit einem guten Nebenjob-Zeugnis stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt gut.“ Viele Absolventen seien unsicher, wie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt seien. „Diese Unsicherheit kann im Einzelfall dazu führen, dass sie mit der erprobten Aushilfsstelle lieber den Spatz in der Hand nehmen als Arbeitslosigkeit und Bewerbungsmarathons zu riskieren.“ Das sei ein Fehler, sagt Fabian: Auch wenn es Mut erfordere, sich dem Wettbewerb in Vorstellungsgesprächen, Einstellungstests und Assessment-Centern zu stellen, lohne sich der Einsatz. „Absolventen einzelner Fachrichtungen, etwa der Geisteswissenschaften, brauchen zwar länger als andere, um eine ihrem Abschluss angemessene Beschäftigung zu finden“, sagt er. Einige Jahre nach Studienabschluss arbeiteten aber die meisten Absolventen in Tätigkeiten, die ihrer Qualifikation entsprächen.

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