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Studentenjobs : Immer noch Aushilfskraft

  • -Aktualisiert am

Irgendwie hängengeblieben

Stefan Schlitt arbeitet inzwischen schon seit mehr als sechs Jahren im Sender WDR auf einer Studentenstelle - obwohl er sein Studium als technischer Redakteur an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen schon vor mehr als drei Jahren abgeschlossen hat.

“Irgendwie bin ich auf der Stelle als Redaktionsaushilfe hängengeblieben“, sagt Schlitt. „Vor allem deshalb, weil die Arbeit immer noch Spaß macht - und weil ich nebenbei noch eine andere Stelle gefunden habe, die mir mindestens genauso viel Spaß macht.“ Schlitt arbeitet nämlich auch als Fahrradrikscha-Fahrer. „Allein von der Redaktionsstelle hätte ich mich auf Dauer gar nicht finanzieren können. Wenn der Rikscha-Job nicht dazu gekommen wäre, hätte ich mich bestimmt schon ein paar Monate nach dem Studium nach einer richtigen Vollzeitstelle umgeschaut.“ Nach nunmehr drei Jahren mit den Aushilfsstellen „fängt es aber langsam an zu kribbeln“, erzählt Schlitt. „Eigentlich macht mir die Abwechslung Spaß. Aber irgendwann muss man ja auch langfristig etwas aufbauen“, sagt er. Jetzt will er seine Kontakte aus der Assistentenstelle nutzen, um in der Redaktion eine Vollzeitstelle zu finden. Das Rikschafahren will der Sport-Fan allerdings auf keinen Fall aufgeben: „Einfach weil es so viel Spaß macht.“

Selbstbewusstsein ist wichtig

BWL-Student Danny Kummer will auch bald anfangen, Bewerbungen zu schreiben - dabei könnte er sich die Bewerbungsphase sogar sparen. Im Anschluss an ein Praktikum in einem großen Nahrungsmittelkonzern hatte er als Werkstudent in dem Unternehmen gearbeitet. Mit der Stelle in der Marketingabteilung war er schon nah dran an seinem Traumberuf im Produktmarketing. Als er die Aushilfsstelle dann kündigte, um seine Diplomarbeit anzufangen, bekam er einen Anruf von der Marketingabteilung: „Das Unternehmen hat mir eine Stelle als Marketingassistent angeboten“, erzählt er. Eine ideale Einstiegsposition für seinen Traumberuf. Gleich nach seiner Diplomarbeit hätte er anfangen können. Das Stellenangebot war gut bezahlt und genau in seinem Fachbereich - außerdem fühlte er sich in der Abteilung wohl, verstand sich gut mit den Kollegen. „Und ich hätte mich nicht mehr als Einsteiger ganz neu beweisen müssen, weil Vorgesetzte und Kollegen mich schon kennen.“

Doch Danny Kummer lehnte das Angebot ab. „Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen“, sagt er. „Aber letztlich hatte ich das Gefühl, das wäre der leichte Weg gewesen, aber nicht unbedingt der bestmögliche. Ich will auf jeden Fall erst einmal meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt testen und auch andere Unternehmen kennenlernen.“ Gerade weil er auf seinen ersten Arbeitsstellen ein gutes Feedback bekommen hat, erhofft er sich auch in anderen Unternehmen gute Einstiegschancen. „Selbst wenn es nach der Diplomarbeit ein oder zwei Monate dauern sollte, bis es klappt, wäre das kein Weltuntergang“, sagt der BWL-Student. „Dann jobbe ich eben so lange, bis es klappt.“

Zu so viel Selbstbewusstsein rät Hochschulforscher Fabian auch anderen Studenten. „Wer schon praktische Erfahrung gesammelt hat, kann diese in der Regel auch in anderen Unternehmen und anderen fachlichen Zusammenhängen anwenden“, sagt er. „Das wissen auch die Personaler. Mit einem guten Nebenjob-Zeugnis stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt gut.“ Viele Absolventen seien unsicher, wie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt seien. „Diese Unsicherheit kann im Einzelfall dazu führen, dass sie mit der erprobten Aushilfsstelle lieber den Spatz in der Hand nehmen als Arbeitslosigkeit und Bewerbungsmarathons zu riskieren.“ Das sei ein Fehler, sagt Fabian: Auch wenn es Mut erfordere, sich dem Wettbewerb in Vorstellungsgesprächen, Einstellungstests und Assessment-Centern zu stellen, lohne sich der Einsatz. „Absolventen einzelner Fachrichtungen, etwa der Geisteswissenschaften, brauchen zwar länger als andere, um eine ihrem Abschluss angemessene Beschäftigung zu finden“, sagt er. Einige Jahre nach Studienabschluss arbeiteten aber die meisten Absolventen in Tätigkeiten, die ihrer Qualifikation entsprächen.

Quelle: F.A.Z.

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