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Stahlindustrie Der vermummte Arbeiter am Hochofen ist nicht mehr typisch

Die ungünstige Altersstruktur verlangt nach qualifizierten Nachwuchskräften in der Stahlindustrie. Zur Entwicklung und Forschung sind Akademiker aus technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen gefragt.

© F.A.Z. Vergrößern

Für Berufseinsteiger steht die Stahlindustrie auf dem Wunschzettel nicht unbedingt oben. Zu Unrecht. Viele Stahlunternehmen haben bei der Weiterentwicklung ihres Geschäftes Arbeitsfelder erreicht, für die sie zusätzliche Fachkräfte aus anderen Berufen benötigen. Zudem zeichnen sich mittelfristig erhebliche Nachwuchsprobleme ab.

In der Branche sind in den vergangenen 20 Jahren zwei von drei Arbeitsplätzen untergegangen. Der bis Mitte der neunziger Jahre erfolgte drastische Personalabbau hat in vielen Betrieben zu einer ungesunden Verteilung in der Altersstruktur geführt. Jüngere Menschen wurden über die Sozialpläne als erste ausgesteuert. Bei einem Durchschnittsalter von 44 Jahren und einem großen Anteil von mehr als 50 Jahre alten Beschäftigten wird in spätestens fünf Jahren die Zahl in Rente gehender Mitarbeiter erheblich zunehmen.

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Bedarf an qualifiziertem Personal

Das typische Bild vom Stahlarbeiter sind die vermummten Gestalten beim Hochofenabstich. Nur ist in solchen gewerblichen Arbeitsgebieten das Personal besonders stark geschrumpft. Anders als in aufstrebenden Nationen wächst die hiesige Stahlindustrie nicht mehr in Tonnen Rohstahl, sondern mit höherwertigen Produkten. Das erhöht den Bedarf an qualifiziertem Personal, und zwar in der Entwicklung wie in Produktion und Vertrieb.

Junge Menschen, die davon träumen, das Auto der Zukunft zu entwickeln, denken an einen Job bei Daimler-Chrysler, Audi oder Porsche. Dabei haben Autoproduzenten große Teile der Entwicklungsarbeit rund um den Werkstoff Stahl und manchmal auch erste Produktionsstufen längst ihren Lieferanten übertragen. Andere Branchen, die hochentwickelte Stahlteile benötigen, machen es ebenso. Deshalb benötigt die Stahlindustrie immer mehr Akademiker aus technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen.

Nachwuchs aus renommierten Hochschulen

So sind nicht mehr allein Hüttentechniker und Werkstoffwissenschaftler gefragt, sondern auch auf Maschinen- und Fahrzeugbau spezialisierte Ingenieure, Wirtschaftsingenieure oder Vertriebsingenieure. So hat sich in weniger als 20 Jahren der Anteil von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern von 3,2 Prozent im Jahr auf derzeit etwa 8 Prozent verdreifacht. Dieser Trend dauert an.

Die Stahlindustrie wird intelligenter. Damit wächst der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern, die den Wissenschaftlern zuarbeiten. In den Stahlbetrieben sind heute nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl drei von 100 Beschäftigten mit Forschung und Entwicklung befaßt. Zudem gibt es außerhalb der Unternehmen eine ganze Reihe von Forschungsinstituten, die sich intensiv mit dem volkswirtschaftlich so wichtigen Werkstoff befassen.

Mit dem immer breiter werdenden Wirkungsfeld wächst auch die Zahl der Hochschulen, von denen die Unternehmen ihren wissenschaftlichen Nachwuchs rekrutieren. Die lange Zeit renommierteste Kaderschmiede der Hüttentechnik, Clausthal, hat in Technischen Hochschulen wie Aachen oder Freiberg längst scharfe Konkurrenz bekommen.

Quelle: St. / F.A.Z. , 27.08.2005

 
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Veröffentlicht: 29.08.2005, 18:37 Uhr