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Schulsponsoring : Werbeplakate auf dem Schulhof

Wie stark sollten Schulen und Unternehmen zusammenarbeiten? Bild: Daniel Pilar / F.A.Z.

Angesichts knapper öffentlicher Mittel und gestiegener Anforderungen lassen sich immer mehr Schulen Projekte und Gegenstände von Unternehmen finanzieren. Doch wo hört das Sponsoring auf und wo fängt die Werbung an?

          Schulleiter Helmut Schorlemmer muss gut rechnen können. Seit einigen Jahren ist seine Schule, das staatliche Pestalozzi-Gymnasium im nordrhein-westfälischen Unna, eine selbständige Schule. Die Instandhaltung des Schulgebäudes und die Gehälter werden weiterhin von zentraler Stelle bezahlt; für die Lehrmittel erhält das Gymnasium ein Budget von etwa 50.000 Euro im Jahr. Bei rund 940 Schülern sind das gut 50 Euro je Schüler. Das sei knapp, sagt Schorlemmer, zumal die Druck-, Kopier-, und Papierkosten in Zeiten der moderne Medien stark gestiegen seien. Deshalb freut sich Schorlemmer über Spenden – und über Sponsoring.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Wenn der Schulleiter auf Unternehmen zugeht, bittet er sie nicht um eine milde Gabe, sondern handelt eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ aus. Er schließt mit ihnen Verträge, in denen nicht nur steht, mit welcher Summe oder geldwerten Dienstleistung das Unternehmen der Schule hilft. Vereinbart wird auch, wie die Schule das Unternehmen in seiner Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Das können gemeinsame Pressekonferenzen sein oder die Präsentation des Firmenlogos im Eingangsbereich oder auf der Homepage der Schule. Für die Schule rechnet sich der nicht geringe Aufwand des Werbens von Sponsoren: Ihr fließen so jedes Jahr mindestens 10.000 Euro zu.

          Im Trend

          Das Pestalozzi Gymnasium hat mehrere Sponsoren. In einem Chemieunternehmen dürfen die Schüler das Labor nutzen; auch schenkt das Unternehmen der Schule Material für den Chemieunterricht. Ein Krankenhaus bildet die Schulsanitäter aus. Eine Versicherung veranstaltet dreitägige Assessment Center für Oberstufenschüler, ein IT-Unternehmen Bewerbungstrainings.

          Schulsponsoring liegt, wie Untersuchungen zeigen, im Trend. Immer öfter setzen Unternehmen auf das gesellschaftliche Megathema Bildung. Zwar wollen mehr Unternehmen ihren Ruf dadurch mehren, dass sie den Sport öffentlichkeitswirksam unterstützen; höhere Zuwächse weist jedoch das Bildungsponsoring auf.

          Das steigende Engagement der Wirtschaft zeigt auch, dass die Vorbehalte gegenüber dem Sponsoring von Bildungseinrichtungen abgenommen haben. Auch Schulleiter Schorlemmer hört den Vorwurf der Käuflichkeit nur noch selten. „Das hat sich eingespielt“, sagt er. Vielen sei inzwischen klar, dass die Bildungseinrichtungen die gestiegenen Anforderungen ohne das finanzielle Engagement der Wirtschaft kaum erfüllen könnten. Das sieht der renommierte Entwicklungspsychologe Wassilios Fthenakis von der Universität Bozen genauso. „Die Scheu des Bildungssystems vor dem Engagement der Wirtschaft ist heute Gott sei Dank überwunden“, sagt er. Für ihn ist die Wirtschaft ein „unverzichtbarer Partner und Treiber für die Sicherung der Bildungsqualität in Deutschland“. Fthenakis glaubt nicht, dass die Unternehmen rein werbliche Interessen verfolgten. Die Unternehmen förderten die Bildung, um später auf dem Arbeitsmarkt kompetente Mitarbeiter zu finden. Diese Einschätzung deckt sich mit Umfrageergebnissen, und Direktor Schorlemmer hat sogar die Erfahrung gemacht, dass viele Sponsoren gar nicht wollten, dass ihr Logo abgebildet werde. „Sie haben ein echtes Interesse an Ausbildung.“

          Sprachunterricht im Sauerland

          Das gilt auch für ein Projekt, das neun Werler Mittelständler ins Leben gerufen haben. In der 33.000 Einwohner-Stadt am Randes des Sauerlandes finanzieren sie für 220 Kinder an elf städtischen Schulen einen Sprachförderunterricht. Die Unternehmen, vom Galeristen über den Möbelhändler bis hin zum hochspezialisierten Industrieunternehmen, wollen so die Sprachfähigkeiten von Kindern verbessern, die auch einmal Nachwuchskräfte in ihren Unternehmen sein könnten. Dafür geben sie nicht nur Geld, sie haben auch am Förderkonzept mitgefeilt. Zudem pochen sie auf halbjährliche Rechenschaftsberichte und verlangen von den Eltern, dass sie sich an den Kosten beteiligen, so weit es ihnen möglich ist. Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt, die Unternehmen finanzieren es mit 200.000 Euro. Eine erste Befragung ergab, dass sich die Noten der Schüler in Deutsch, Englisch und Mathematik um bis zu zwei Schulnoten verbesserten.

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