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Veröffentlicht: 09.11.2012, 10:22 Uhr

Rüde Entlassungsmethoden Und raus bist du!

Die UBS sorgt in England mit rüden Entlassungsmethoden für Schlagzeilen. In Deutschland ist das nicht möglich, glauben viele. Doch, sagen Anwälte und Therapeuten, die sich um geschasste Mitarbeiter kümmern.

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© REUTERS Geschasst bis auf weiteres: Die Entlassungsmethoden in der Londoner City sind alles andere als zimperlich.

Wenn morgens um 7 Uhr beim Gang ins Büro der Sicherheitschip überraschend nicht mehr funktioniert, kann das technische Gründe haben. Oder aber der Mitarbeiter wurde gekündigt und sofort von seiner Arbeit freigestellt. Dies haben zuletzt rund 100 Investmentbanker des Schweizer Finanzinstituts UBS in London erlebt, die schon am Eingang von einem Türsteher in Empfang genommen wurden - nur kurz nachdem in Zürich die Pläne für den Stellenabbau bekanntgegeben wurden. Die E-Mail-Konten wurden gesperrt, die privaten Habseligkeiten durften sie nur von Sicherheitsleuten eskortiert zusammenpacken. Dann bekamen sie einen Umschlag mit Unterlagen zum weiteren Ablauf in die Hand gedrückt. Das war’s! Bis auf Weiteres ist nun Sonderurlaub angesagt. Immerhin gut bezahlt.

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Selbst in der Londoner City, wo man ansonsten im Umgang mit Mitarbeitern nicht unbedingt zimperlich ist, stießen die Methoden der UBS auf Kritik. Immerhin ein Telefonat sei üblicherweise drin, um die unangenehme Botschaft anzukündigen. Ein Banksprecher rechtfertigte die Hauruck-Aktion damit, dass die Betroffenen Zugang zu sensiblen Daten hätten. Was eine CD mit Kundeninformationen in den falschen Händen bewirken kann, wissen gerade Schweizer Bankvorstände nur zu gut. Und wer würde einen geschassten Wertpapierhändler noch Millionensummen bewegen lassen, bis sein Arbeitsverhältnis regulär endet?

Namensschild einfach ausgetauscht

Die unrühmlichen Hauruck-Entlassungen sind keinesfalls ein rein britisches oder amerikanisches Phänomen. Coaching-Praxen, die sich um das Seelenheil gefeuerter Mitarbeiter kümmern, berichten immer wieder auch aus Deutschland von ähnlichen Fällen. Es sind Geschichten, die Zweifel an der Kommunikationsfähigkeit der Führungsetage aufkommen lassen. Da war etwa der Angestellte, der nach dem Urlaub an seinen Schreibtisch zurückkehren wollte und das Namensschild an seiner Bürotür ausgetauscht fand. Oder die Mitarbeiterin, die eines Montagmorgens nichtsahnend durch das Foyer ihrer Firma eilte und einen Kollegen traf, der zu ihr sagte: „Mensch, ich wusste gar nicht, dass letzte Woche dein letzter Tag war.“

Dabei ist in Deutschland eine Kündigung erst dann wirksam, wenn sie dem Mitarbeiter schriftlich ausgehändigt wurde - mit Originalunterschrift des Arbeitgebers, wie die Frankfurter Arbeitsrechtlerin Kerstin Neighbour von der internationalen Kanzlei Hogan Lovells betont. Eine eiskalte E-Mail oder gar eine kurze SMS sind zwar ein Schlag ins Kontor eines jeden Kollegen aber arbeitsrechtlich so unbedeutend wie der wutschnaubende Ausruf: „Dann schmeiß ich Sie eben raus.“ Sobald die Kündigung jedoch wirksam erklärt ist und es gute Gründe gegen eine Weiterbeschäftigung gibt, können Mitarbeiter auch von einer Sekunde auf die nächste freigestellt werden - solange nur das Gehalt bis zum Ablauf der Kündigungsfrist weitergezahlt wird. Nach Erfahrung der Arbeitsrechtlerin sind Freistellungen besonders bei betriebsbedingten Kündigungen sogar eher die Regel als die Ausnahme. „Mitarbeiter, die tatsächlich bis zum letzten Tag der Kündigungsfrist arbeiten müssen, sind eher selten“, sagt Neighbour. Das gilt nicht nur für die Bankenbranche, sondern generell für Mitarbeiter mit Kundenkontakt oder in einer herausgehobenen Stellung. „Und viele Arbeitnehmer sind ja letztlich auch froh, dass sie die Zeit bekommen, sich zu sammeln und Bewerbungen zu schreiben“, vermutet Neighbour.

Eine Frage der Kommunikation

Wie eine solche Freistellung bei den Arbeitnehmern ankommt, ist vor allem eine Frage der Kommunikation: Vor einem Jahr sorgte die Hypovereinsbank (HVB) für Aufsehen. Der Vorstand des zur italienischen Muttergesellschaft gehörenden Unicredit-Konzerns hatte beschlossen, das Investmentbanking am Standort aufzulösen. Auch hier mussten 30 Mitarbeiter unter den Augen des Sicherheitspersonals sofort ihre Schreibtische räumen. Der Betriebsrat bezeichnete diese Vorgänge als ungeheuerlich und sprach von einem „Tiefpunkt der Unternehmenskultur“.

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