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Samstag, 18. Februar 2012
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Zahnmediziner Porsche mit 30? Das war einmal!

20.11.2008 ·  Die Zahnärzte beklagen Bürokratie und staatliche Regulierung. Aber mit durchschnittlich 93.000 Euro Jahreseinkommen bleibt Zahnarzt ein gefragter Beruf. Der Präsident der Bundeszahnärztekammer im Interview.

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Die Zahnärzte beklagen Bürokratie und staatliche Regulierung. Aber mit durchschnittlich 93.000 Euro Jahreseinkommen bleibt Zahnarzt ein gefragter Beruf.

Ihre Entscheidung, Zahnarzt zu werden, liegt mehr als 30 Jahre zurück. Würden Sie sie wieder treffen?

Mein Beruf erfüllt mich immer noch mit großer Zufriedenheit. Leider erschweren die vielen gesetzlichen Einschränkungen, Hemmnisse und die wachsende Bürokratie die Arbeit immer mehr. Dennoch, ich würde diesen Beruf jederzeit wieder ergreifen.

Sie raten jungen Menschen, Zahnmedizin zu studieren?

Das hängt sicher sehr stark von der einzelnen Persönlichkeit ab. Wer Zahnarzt werden will, der sollte das auch tun. Die Formen der Berufsausübung werden sich jedoch verändern. Die Regulierungsdichte der letzten Jahre weist den offensichtlichen Weg zur Staatsmedizin. Hier ist meine Hoffnung, dass nach der Bundestagswahl 2009 ein Umdenken stattfindet.

Was macht einen guten Zahnarzt aus?

Entscheidend sind seine fachlichen und sozialen Kompetenzen, die ausschließlich dem Wohle des Patienten zu dienen haben. Ich bin der fachliche Vertrauenspartner meines Patienten. Der umfassend informierte Patient entscheidet auf der Basis meiner Therapievorschläge selbst darüber, was er therapeutisch für sich als richtig erachtet.

Sie selbst sind Zahnarzt und Oralchirurg. Was macht ein Oralchirurg?

Zunächst ist jeder Zahnarzt ein Generalist. Mit der Approbation erwirbt er die Berechtigung zur Berufsausübung mit der Verpflichtung zu kontinuierlicher Fortbildung, um dem aktuellen Stand der Zahnmedizin folgen zu können. Darüber hinaus gibt es besondere Qualifizierungen. Ich habe zum Beispiel eine Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie angeschlossen. Damit kann ich in der Praxis das gesamte Spektrum der zahnärztlichen Chirurgie von der Wurzelspitzenresektion über die operative Entfernung von Weisheitszähnen und Zysten bis zu Implantationen und parodontalchirurgischen Eingriffen abdecken.

Wie sieht der Weg in die Praxis aus?

In der Regel schließt man nach zwölf Semestern das Studium mit der Approbation ab. Die Kassenzulassung bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung setzt eine zweijährige Assistentenzeit voraus, so dass in der Regel die Niederlassung mit Ende 20 erfolgen könnte.

Mit Mitte 30 steht dann der erste Porsche in der Garage?

Dahinter steht eine überkommene Vorstellung aus den 1970er und achtziger Jahren, in denen es bessere Verdienstmöglichkeiten für Zahnärzte gab. Das hat sich radikal geändert. Wir stehen bei den Nettoeinkommen am unteren Ende der ärztlichen Professionen. Während unsere Honorare eingefroren wurden, müssen wir die Kosten des technischen Fortschritts, für Praxis und Personal voll tragen.

Mit einem Jahrespraxisüberschuss von 93.000 Euro verdienen Zahnärzte an die 10.000 Euro mehr als Allgemein- und Fachmediziner!

Wir haben als Freiberufler erhebliche wirtschaftliche Risiken zu tragen. Zum einen muss der Zahnarzt natürlich vom Nettogewinn seine Haftpflicht-, Lebens-, Kranken- und Altersabsicherung leisten. Dies sind erhebliche Beträge. ANTWORT: Die Zahnärzte haben zum anderen, verglichen mit den meisten der übrigen Arztgruppen, sehr hohe Investitionskosten bei der Praxisgründung oder -übernahme zu bewältigen.

Was muss man da einkalkulieren?

Bei einer Neugründung muss man zurzeit mit 350 000 Euro Investitionskosten rechnen. Heute werden wegen der geringeren Investition eher eingeführte Praxen übernommen. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Banken bei der Vergabe von Krediten zurückhaltender geworden sind, weil sie die stagnierende Einkommensentwicklung genau kennen.

Die Regierung hat eine neue Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) vorgelegt. Sind Sie damit zufrieden?

Unsere Gebührenordnung stammt aus dem Jahre 1988 und ist in den letzten 21 Jahren nicht verändert worden. In dieser Zeit sind die Preise für Dienstleistungen um 57 Prozent gestiegen, ohne dass wir dafür einen Ausgleich bekommen hätten. Vor diesem Hintergrund ist es ein Affront des Gesundheitsministeriums gegen die Zahnärzteschaft, wenn der Punktwert nun um ganze 0,46 Prozent erhöht werden soll.

Finden Sie ausreichend Nachwuchs?

Beim Nachwuchs haben wir keine Probleme. Wir verzeichnen eine Konzentration auf Ballungsräume und eine starke Zunahme von Zahnärztinnen.

Wo lohnt es sich niederzulassen?

Der Zahnarzt muss sich erst einmal überlegen: Wie sind die Standortbedingungen? Was habe ich dort für Patienten, was wird dort gewünscht? Und er tut gut daran, sowohl ein breites Spektrum anzubieten als sich auch auf Schwerpunkte zu konzentrieren, die medizinisch sinnvoll sind. Das reicht vom prothetischen Bereich über die Implantologie bis zur Parodontologie.

Es gibt mehr als 80.000 Zahnärzte, davon 55.000 mit Kassenzulassung. Brauchen wir so viele Zahnärzte?

Angebot und Nachfrage scheinen derzeit ausgeglichen zu sein. Neben den 55 000 Vertragszahnärzten gibt es an die 10 000 angestellte Zahnärzte. Hinzu kommen die wissenschaftlich an Universitäten praktizierenden Kollegen sowie die, die den Beruf nicht mehr ausüben. Das Problem sehe ich in der Ausbildung. Die Studiengänge sollen auf Bachelor und Master umgestellt werden. Eine verkürzte Ausbildung ist vor dem Hintergrund unserer Verantwortung für die Patienten nicht vorstellbar. Wir haben Vorschläge gemacht, die Politik muss sie aufgreifen.

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