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Whistleblowing Ich sehe was, was du nicht siehst

Über Missstände in Unternehmen wissen die eigenen Mitarbeiter immer am besten Bescheid. Das kann für die Arbeitgeber teuer werden - wenn sie nicht gegensteuern.

© Foto Getty Flucht nach vorn: Bradley Birkenfeld weihte die amerikanischen Steuerbehörden in die Geschäftspraktiken seines früheren Arbeitgebers ein.

Dieser Tipp hat sich gelohnt: 104 Millionen Dollar hat der ehemalige Vermögensverwalter der UBS, Bradley Birkenfeld, dafür kassiert, dass er seinen früheren Arbeitgeber den amerikanischen Steuerbehörden ans Messer geliefert hat. Er brachte die ersten Hinweise, dass das Finanzinstitut von der Schweiz aus reichen Amerikanern bei der Hinterziehung von Steuern geholfen hat. Ganz ohne eigene Buße gab es dieses Vermögen jedoch nicht: Auch er selbst musste wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ins Gefängnis. Kürzlich wurde er entlassen.

Corinna Budras Folgen:

Die 104 Millionen Dollar erhielt Birkenfeld aus dem Hinweisgeberprogramm der amerikanischen Steuerbehörde IRS. Solche staatlichen „Whistleblowersysteme“ gibt es in den Vereinigten Staaten zuhauf: Korruption, Kartelle, schadhafte Produkte - das Wirtschaftsleben wimmelt von Straftaten, und die Behörden wüssten gerne mehr davon. Deshalb setzen sie üppige Belohnungen aus, oft bekommen die Tippgeber einen bestimmten Prozentsatz des später erhobenen Bußgeldes. Auch in Deutschland sind Behörden froh über Informationen, nur zahlen sie in der Regel nicht dafür. Das Bundeskartellamt hat erst im Juni ein anonymes Hinweisgebersystem eingerichtet, seitdem trudeln regelmäßig Informationen über Kartelle ein. Einige Hinweise hätten schon zu einer Untersuchung geführt oder zumindest laufende Verfahren unterstützt, wie ein Behördensprecher sagt.

Der gute Ruf kann Schaden nehmen

Für Unternehmen werden die staatlichen Programme immer mehr zum Problem. Dringen die schmutzigen Details erst einmal an die Öffentlichkeit, kann der gute Ruf Schaden nehmen. Der Versicherungskonzern Ergo könnte ein Lied davon singen, wenn er sich denn zu diesem Thema öffentlich äußern würde. Die ganze öffentliche Empörung über exotische Lustreisen hat er der Schwatzhaftigkeit enttäuschter Vertreter zu verdanken, die eigentlich über die Höhe ihrer Abfindungen unzufrieden waren. Das Unternehmen revanchierte sich mit Strafanzeigen wegen Erpressung, doch die verliefen - wie häufig in diesen Fällen - im Sande.

Ein solch öffentlicher Schlagabtausch gehört zum Albtraum jedes Unternehmens. Viel lieber würden Arbeitgeber ihre Beschäftigten dazu bringen, sich intern zu offenbaren und nicht den Behörden oder gar einer hämischen Öffentlichkeit. Die beste Prävention gegen staatliche Hinweisgebersysteme seien deshalb eigene Programme, rät der Frankfurter Arbeitsrechtler Tim Wybitul von der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells. Unternehmen bekämen so Informationen, die sonst bei den Behörden gelandet wären. „Damit können sie frühzeitig reagieren, manchmal sogar bevor es sich überhaupt zu einer richtigen Straftat auswächst.“ Viele Banken haben ein solches Programm schon, sie müssen sogar, denn ohne ein schlüssiges Hinweiskonzept könnten sie die strengen rechtlichen Vorgaben kaum einhalten.

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