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Wettbewerb um Personal Arbeitgeber in Spendierlaune

03.01.2008 ·  Der Jahreswechsel ist traditionell die Zeit für Gehaltsverhandlungen. Arbeitnehmer haben derzeit gute Karten – aber nur, wenn sie die Spielregeln beachten.

Von Christoph Hus
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Die Wochen rund um Weihnachten sind für viele Angestellte eine Gelegenheit für einen ganz persönlichen Jahresrückblick: Wie zufrieden war ich im zu Ende gehenden Jahr mit meinem Job? Wie habe ich mich entwickelt, welche neuen Aufgaben habe ich übernommen? Wie erfolgreich war ich – und ist mein Gehalt im Vergleich zu meiner Leistung noch angemessen?

Die letzte Frage können deutsche Angestellte inzwischen wieder mit größerem Selbstbewusstsein beantworten. Denn die Gelegenheit ist gut, den Chef nach einer Erhöhung zu fragen: Deutsche Unternehmen zeigen sich nach Jahren der Zurückhaltung gegenüber ihren Mitarbeitern wieder generöser. So werden die Gehälter im kommenden Jahr um 3,5 Prozent steigen, prognostiziert die Unternehmensberatung Towers Perrin. Damit beschleunigt sich der Anstieg: 2007 betrug das Plus hierzulande noch 3,3 Prozent. Grund für die Spendierlaune ist ein scharfer Wettbewerb um Personal, sagt Towers-Perrin-Vergütungsexperte Martin Hofferberth: „Der Kampf um die größten Talente verschärft sich, das lässt die Gehälter ansteigen.“ Besonders deutlich sei dieser Trend bereits beim Verdienst von Berufseinsteigern zu erkennen. „Hier hat der Wettbewerb zuletzt für einen besonders schnellen Anstieg gesorgt“, sagt Hofferberth.

Eine besonders gute Gelegenheit

In den Wochen nach Weihnachten bietet sich Angestellten eine besonders gute Gelegenheit, sich ihren Teil des Kuchens zu sichern. In vielen Unternehmen stehen Jahresgespräche an, bei denen sich Mitarbeiter mit ihren Chefs zusammensetzen. Ein idealer Zeitpunkt, eine Gehaltserhöhung anzusprechen, sagt Christian Näser, Vergütungsexperte der Unternehmensberatung Kienbaum: „Hier kann man dem Vorgesetzten unter vier Augen die Erfolge des vergangenen Jahres präsentieren und dann den Wunsch nach einem höheren Gehalt daran knüpfen.“ Oft müssen Angestellte das Thema noch nicht einmal selbst auf die Tagesordnung bringen, weiß Näser: „Viele Führungskräfte sprechen es selbst an und machen von sich aus ein Angebot.“

Haben Unternehmen die Jahresgespräche nicht zum Jahreswechsel angesetzt, müssen die Mitarbeiter meist nur wenige Wochen warten. Internationale Konzerne führen die Gespräche nach Ablauf des Geschäftsjahres – meist im Frühjahr. So auch der Mobilfunkanbieter Vodafone: „Bei dem Gespräch geht es im Wesentlichen darum, die Ergebnisse und Entwicklungen im abgelaufenen Geschäftsjahr zu besprechen und für das neue Geschäftsjahr individuelle Performance- und Entwicklungsziele zu vereinbaren“, sagt Thomas Neumann, Personalchef bei Vodafone. Zwar sei das Gehalt hier nicht zwangsläufig ein Thema, doch Mitarbeiter sprechen es oft an.

„Wir geben ein Intervall vor“

Den Führungskräften bei Vodafone sind bei Gehaltsverhandlungen mit ihren Mitarbeitern enge Grenzen gesetzt. Personalchef Neumann gibt jedes Jahr einen Durchschnittswert vor, um den die Gehälter der außertariflich bezahlten Mitarbeiter steigen dürfen. Zusätzlich legt er eine Obergrenze fest. „Wir geben ein Intervall vor, in dem die Gehaltserhöhungen liegen sollen“, erklärt Neumann. Auf diesem Weg will er große Ausreißer nach oben bei einzelnen Mitarbeitern verhindern.

Das Mobilfunkunternehmen ist mit dieser Vorgehensweise in guter Gesellschaft. In den meisten Unternehmen müssen sich Führungskräfte an ein Budget halten, wenn sie die Gehälter ihrer Angestellten erhöhen wollen. Auch eine Ober- und Untergrenze für das Gehalts-Plus einzelner Mitarbeiter ist üblich. Genauso wie ein Korridor, der die absolute Höhe des Gehalts bestimmter Mitarbeitergruppen vorgibt. „Wer sich mit seinem Gehalt am unteren Ende dieser Bandbreite befindet, hat gute Chancen, eine Erhöhung durchsetzen zu können“, sagt Kienbaum-Experte Näser.

Von solchen Vorgaben der Personalchefs sollten sich einzelne Angestellte aber nicht abschrecken lassen, eine Gehaltserhöhung zu verlangen, rät Näser – zumal die meisten Mitarbeiter die Richtgrößen ihres Unternehmens gar nicht kennen. Und: Manchmal ist es sogar angebracht, mitten im Jahr beim Chef wegen des Gehalts vorzusprechen, sagt der Berater. „Wenn sich der Job verändert hat, zum Beispiel indem man eine zusätzliche Aufgabe übernommen hat, gehört das Thema sofort auf die Tagesordnung.“

Top: Pharma und Medien - Flop: Autobranche

Bis vor zwei Jahren waren wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage Nullrunden weit verbreitet. „Selbst Leistungsträger mussten oft auf ein Lohn-Plus verzichten“, sagt Towers-Perrin-Berater Hofferberth. Auch wenn Unternehmen jetzt wieder in ihre Angestellten investieren: Die Unterschiede zwischen einzelnen Branchen sind groß. Besonders gute Karten für eine kräftige Gehaltserhöhung haben im kommenden Jahr Mitarbeiter von Pharmaunternehmen, deren Vergütung im Durchschnitt um 4 Prozent steigen wird, erwartet Towers Perrin. Auch die Medienbranche wird die Bezahlung ihrer Angestellten mit 3,6 Prozent überdurchschnittlich stark erhöhen. Bescheiden müssen sich dagegen Mitarbeiter von Automobilunternehmen. Sie können nur mit einem Gehaltsanstieg um 3,2 Prozent rechnen.

Egal in welcher Branche sie arbeiten und wie hoch sie auf der Karriereleiter geklettert sind: Wollen Angestellte ein höheres Gehalt durchsetzen, müssen sie sich an viele ungeschriebene Regeln halten. So sollten Mitarbeiter zum Beispiel nach einem Gehaltsgespräch 18 bis 24 Monate warten, bis sie erneut mehr Geld verlangen, rät der Hamburger Coach und Buchautor Martin Wehrle. „Wer diese Anstandsfrist nicht einhält, gerät schnell in den Verdacht, gierig zu sein.“ Außerdem müsse man auf eine gestiegene Leistung verweisen können, um seinen Wunsch zu begründen. Nach wenigen Monaten ist das kaum möglich.

Das beste Argument zum Schluss

Wehrle rät Angestellten, sich intensiv auf das Gespräch mit dem Chef vorzubereiten. „Man muss gute Argumente sammeln, warum man mehr Geld verdient hat. Das funktioniert am besten mit einem Leistungstagebuch, das man seinem Vorgesetzten zeigt.“ Die einzelnen Argumente sollte man im Gespräch sorgfältig sortieren. „Bewahren Sie sich das Wichtigste für zuletzt auf“, rät Wehrle. Die besten Chancen haben Angestellte, wenn sie aus Sicht ihres Arbeitgebers argumentieren: Wer seinen Nutzen für das Unternehmen in den Vordergrund stellt, vermittelt seiner Führungskraft das Gefühl, sie investiere in einen vielversprechenden Mitarbeiter, statt einfach die Kosten zu erhöhen.

Sind alle Argumente aufgezählt, sollten Angestellte eine konkrete Forderung nennen, aber nicht stur darauf beharren. So ist es sinnvoll, sich schon vorher Gedanken um die Verhandlungsmasse zu machen. „Wenn man merkt, dass man mit seiner Forderung nicht durchkommt, kann man stattdessen vielleicht einen Fahrkostenzuschuss oder eine Fortbildung herausschlagen“, sagt Wehrle.

Gerade rund um Weihnachten machen viele Angestellte einen entscheidenden Fehler, hat der Coach beobachtet: Sie lassen sich von der gelösten Feststimmung mitreißen und gehen allzu entspannt in das Gehaltsgespräch – rechnen im schlimmsten Fall gar nicht mit Widerstand, weil sich im Unternehmen gerade Konsenslaune verbreitet hat. Im Gespräch folgt dann ein böses Erwachen. „Chefs sind Profi genug, sich von einer solchen Stimmung nicht beeinflussen zu lassen“, warnt Wehrle. Deshalb müssen Mitarbeiter immer mit Widerstand gegen ihre Gehaltsforderungen rechnen. Schließlich müssen sich auch die Vorgesetzten später gegenüber ihren Chefs für allzu stark gestiegene Gehälter rechtfertigen. Genauso gefährlich ist es, allzu schnell in eine Mini-Erhöhung einzuwilligen, statt weiter zu argumentieren. Denn wer sich erst einmal mit seinem Chef auf ein kleines Plus einigt, hat sich auf elegante Weise kaltstellen lassen – und kann erst zwei Jahre später wieder neu verhandeln.

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