29.09.2008 · Ingenieure sind nach wie vor gefragt, das treibt die Gehälter in die Höhe. Der Zuwachs fällt aber geringer aus als vor einem Jahr. Für einige Fachrichtungen nimmt die Auswahl an Jobs jetzt sogar ab.
Von Julia Löhr und Sven AstheimerDie schlechten Nachrichten aus der Industrie ändern nichts daran: Ingenieure werden gut bezahlt. Doch ein bisschen bekommen auch die Maschinenbau- oder Elektrotechnikfachleute den Abschwung zu spüren: Ihr Gehaltsplus ist in diesem Jahr geringer ausgefallen als in dem davor, hat die Beratungsgesellschaft Kienbaum für eine kürzlich veröffentlichte Studie ausgerechnet. Demnach stiegen die Gehälter deutscher Ingenieure von 2006 auf 2007 um durchschnittlich 4,1 Prozent, von 2007 auf 2008 dagegen nur noch um 3,6 Prozent.
Eine Führungskraft hat der Studie zufolge im Durchschnitt Jahresgesamtbezüge von 103.000 Euro auf dem Gehaltszettel stehen, eine Fachkraft 62.000 Euro. Die Zahlen basieren auf Angaben von 570 Unternehmen und mehr als 4800 untersuchten Positionen. „Auch wenn die Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr moderater ausfallen, haben insbesondere mittelständische Unternehmen mit schwacher Arbeitgebermarke nach wie vor erhebliche Schwierigkeiten, Ingenieurpositionen zu besetzen“, sagt Kienbaum-Vergütungsspezialist Christian Näser (Das Geschäft mit dem Mangel).
Einstiegsgehälter von 44.000 Euro
Wie in jedem Berufsfeld variieren die gezahlten Gehälter je nach Arbeitsgebiet, Unternehmensgröße und Erfahrung. So verdient ein Ingenieur als technischer Gesamtleiter durchschnittlich 135.000 Euro im Jahr, sein Kollege im Qualitätsmanagement erhält 88.000 Euro. Ein Leiter Verfahrenstechnik wiederum bezieht nach KienbaumAngaben ein durchschnittliches Gesamtgehalt von 79.000 Euro – vergleichsweise wenig. Ähnlich sieht das Bild für Fachkräfte aus. Dort reicht die Spanne vom Sachbearbeiter Materialwirtschaft/Logistik mit 44.000 Euro bis zum Produktmanager mit 84.000 Euro.
Auch wenn Mittelständler durchaus mit lukrativen Angeboten locken – alles in allem sind die Verdienstmöglichkeiten in den großen Unternehmen laut Kienbaum besser, zumindest was Führungspositionen betrifft. Ein Ingenieur in einem Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Millionen Euro verdiene durchschnittlich 92.000 Euro im Jahr, heißt es in der Studie. Beträgt der Umsatz zwischen 100 und 250 Millionen Euro, sind es schon 104.000 Euro, und bei mehr als einer halben Milliarde Euro Umsatz stehen durchschnittlich 124.000 Euro auf dem Gehaltszettel einer Führungskraft. Für Ingenieure in Fachpositionen sei der Zusammenhang zwischen Umsatz und Gehalt weniger ausgeprägt, schreiben die Autoren. Tendenziell verdienten aber auch diese in größeren Unternehmen mehr.
Zwei Drittel erhalten eine Betriebsrente
81 Prozent der Ingenieure in Führungspositionen erhalten der Auswertung zufolge ein Gehalt, das variable Bestandteile enthält. Im Mittel machten diese 16 Prozent der Bezüge aus. Auch für Fachkräfte setzen die Unternehmen verstärkt auf variable Vergütung. Während im Vorjahr nicht einmal jede zweite Fachkraft variabel vergütet wurde, sind es heute zwei Drittel. Wichtigstes Kriterium für die Höhe des Bonus ist das Unternehmensergebnis. Neben den monetären Zusatzleistungen erhalten laut Kienbaum rund zwei Drittel der Ingenieure eine betriebliche Altersversorgung.
Auch die Nachfrage am Arbeitsmarkt ist zuletzt nicht mehr so stark gestiegen wie im Vorjahr. Zumindest verliefen die Entwicklungen in den einzelnen Fachrichtungen sehr unterschiedlich. Das geht aus dem Adecco-Stellenindex für das erste Halbjahr 2008 hervor, für den die Stellenangebote aus vierzig Zeitungen ausgewertet wurden. Demnach wurden Maschinenbauer mit 8500 Angeboten am häufigsten gesucht, der Zuwachs fiel aber mit 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gering aus. Das Angebot für Elektroingenieure schrumpfte sogar um 2,3 Prozent. Insgesamt wuchs das Angebot für alle Akademiker um 6 Prozent. Die großen Gewinner waren die Bauingenieure: Die Zahl der Angebote für diese Berufsgruppe nahm um ein Fünftel zu („Wir tragen die Jungs mit der Sänfte in die Firma”). Auch Klimatechniker, Energieingenieure und Informatikingenieure konnten unter einem deutlich größeren Angebot auswählen.
144 Tage warten auf einen Bergbauexperten
Dagegen brach der Printstellenmarkt für Kollegen der Fachrichtungen Wirtschaft und Chemie regelrecht ein. Auch die spezielle Ausrichtung Feinwerktechnik musste deutliche Rückgänge hinnehmen. Allerdings kann ein solcher Rückgang auch auf ein geändertes Suchverhalten zurückzuführen sein, wenn Unternehmen statt der Printanzeige verstärkt Wege wie Direktansprache oder Internet wählen.
Für Arbeitsmarktexperten drücken sich Knappheiten in sogenannten Vakanzzeiten aus. Diese beschreiben, wie viel länger als eigentlich geplant eine Stellenbesetzung dauert. Am schwierigsten ist derzeit die Suche nach Bergbau-, Hütten- und Gießereiingenieuren, wie aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Demnach muss ein Unternehmen im Durchschnitt 144 Tage auf solche Experten warten. Das ist mehr als das Doppelte der Wartezeit für alle Berufe, die im Durchschnitt bei 61 Tagen liegt. Das Mittel für alle Ingenieure liegt bei 93 Tagen.
Sven Astheimer Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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