http://www.faz.net/-gyl-75nks

Vielflieger : Die Tücken des Meilensammelns

Wem gehören die Meilen? Bild: dpa

Arbeitnehmer mit reger Reisetätigkeit nutzen ihre Meilen gern für Privatreisen. Dabei gehören diese eigentlich dem Arbeitgeber. Und auch das Finanzamt interessiert sich dafür.

          Vielfliegern sprach er aus dem Herzen: Der IT-Professor Tobias Eggendorfer hat jüngst mit einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht Köln für Furore gesorgt, in dem er seinem Ärger über die Kundenpolitik der Lufthansa Luft machte. Die Fluglinie hatte ihn mit einer nur knapp angekündigten Abwertung der Bonusmeilen im Vielfliegerprogramm „Miles & More“ 2011 zur Weißglut getrieben. Für einen transatlantischen Freiflug müssen nun mehr Bonuspunkte investiert werden. Das Landgericht hatte noch größtes Verständnis für die Empörung des Stammkunden gezeigt, doch die Richter am Oberlandesgericht gaben am Dienstag der Fluglinie recht (Az.: U 45/12). Die Änderungen des Prämienkatalogs benachteilige Kunden nicht unangemessen - zumindest wenn man auf den durchschnittlichen Vielflieger mit einem Konto von 12.000 Euro abstelle. Eggendorfer hatte jedoch mehr: Stolze 900.000 Bonusmeilen hatte er in zwei Jahren angesammelt.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Vielfliegerkonten in diesen Dimensionen häufen nur die wenigsten Privatpersonen an. Öfter gelingt dies Managern oder Arbeitnehmern im Außendienst, die heute schnell mal nach Brasilien und in der nächsten Woche nach Hongkong fliegen. Deshalb dürften sich diese Woche viele Beschäftigte mit Meilenkonto oder „Bonus-Card“ der Deutschen Bahn gefragt haben, was die Entscheidung eigentlich für sie bedeutet. Sehr viel, denn vorbehaltlich einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs ist nun klar, dass Fluglinien wie die Lufthansa und Air Berlin, aber auch die Deutsche Bahn ihren Prämienkatalog in nur wenigen Wochen relativ problemlos ändern könnten.

          Der Arbeitgeber kann die Meilen für Dienstreisen einsetzen

          Allerdings gibt es weit mehr, was man über diese Programme wissen sollte: Denn grundsätzlich kann der Arbeitgeber darauf pochen, dass die dienstlich erworbenen Meilen auch wieder für Dienstreisen eingesetzt werden. Das hat das Bundesarbeitsgericht schon 2006 entschieden, nur fordern wenige Unternehmen das auch ein (Az.: 9 AZR 500/05).

          Für die Prämien, die Vielflieger auf Dienstreisen gutgeschrieben bekommen, interessiert sich außerdem das Finanzamt. „Ein geldwerter Vorteil ist nicht nur das, was ein Unternehmen selbst seinen Arbeitnehmern zuwendet“, erklärt Steuerberaterin Martina Ortmann-Babel von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. „Sondern steuerpflichtig ist auch, was ein Dritter Ihnen wegen des Arbeitsverhältnisses zuwendet.“ Das Einkommensteuergesetz sieht für Kundenbindungsprogramme von Dienstleistern allerdings einen jährlichen Freibetrag von 1080 Euro vor. Wer aber mehr Punkte anhäuft, so dass er damit beispielsweise gratis auf Fernreise gehen kann, muss theoretisch seinen Arbeitgeber davon verständigen. Dieser müsste darauf Lohnsteuer abführen. Wie der Wert solcher Prämien zu berechnen ist, hat die Finanzverwaltung eigens in einem sogenannten Anwendungsschreiben festgelegt.

          Meist geht es aber einfacher. So nehmen die Fluggesellschaften ihren Kunden diese Last ab. Dann gilt zwar kein Freibetrag, jedoch ein pauschaler Steuersatz von nur 2,25 Prozent nebst Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Die Prämiensammler müssen dann gar nichts unternehmen, und auch ihr Arbeitgeber bleibt außen vor. „In der Praxis funktioniert das ziemlich geräuschlos“, sagt Steuerfachfrau Ortmann-Babel. Anders die Bahn. Wer dort ein Guthaben einfährt, das über dem Freibetrag liegt, ist aber wahrscheinlich ohnehin mit einer Jahresnetzkarte (“Schwarze Mamba“) besser bedient.

          Doch Deutschland ist nicht nur ein Steuer-, sondern auch ein Abgabenstaat: Wenn jemand Geld verdient, hält nicht bloß der Fiskus seine Hand auf - auch die Sozialkassen wollen beteiligt werden. Aber keine Sorge: Niemand muss von seinen Prämien auch noch etwas bei der Krankenkasse und bei der Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abliefern. „Die Abgabenpflicht folgt der Steuerpflicht“, erläutert Ortmann-Babel. „Wenn die Fluggesellschaften die Steuer übernehmen, dann fallen auch keine Sozialversicherungsbeiträge an.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Flughafen erzwingt Zwischenstopp Video-Seite öffnen

          Air Berlin : Flughafen erzwingt Zwischenstopp

          Eine Maschine der insolventen Fluglinie musste auf dem isländischen Flughafen Keflavik am Boden bleiben. Die Flughafengesellschaft teilte mit, Air Berlin habe Flughafengebühren nicht bezahlt.

          Topmeldungen

          Allzeit bereit: Hizbullah-Kämpfer bei der Beisetzung gefallener Kameraden

          Naher Osten : Droht ein Krieg gegen Israel?

          In einem Bericht kommen pensionierte Generäle zu dem Schluss, dass ein neuer Waffengang zwischen der Hizbullah und Israel nur noch eine Frage der Zeit sei. Darin wird die Schiitenmiliz als der „mächtigste nichtstaatliche bewaffnete Akteur in der Welt“ bezeichnet.
          Beharrlich für eine Abschaffung des Solis: Christian Lindner inmitten seiner Mitverhandler von der FDP am Freitag.

          Jamaika-Gespräche : FDP wirft der Union Haushaltstricks vor

          Auch wenn die Finanzen nicht allein die Reise nach Jamaika verzögern: Für den Soli-Abbau bleibt das Geld der Knackpunkt. Wie viel Spielraum gibt es wirklich?

          Kommentar : Wofür steht Jamaika?

          Obergrenze oder offene Grenzen für alle? Recht und Ordnung oder legale Joints? Marktwirtschaft oder Planwirtschaft? Nach den Schwierigkeiten bei den Jamaika-Gesprächen muss die Frage erlaubt sein: Passt das alles wirklich zusammen?

          Bonn : Weltklimakonferenz bringt kleine Erfolge

          Die Verhandlungen dauerten viel länger als geplant, nach einem zähen Ringen gibt es nun aber eine wichtige Einigung auf der Bonner Klimakonferenz. Beobachter zeigen sich erleichtert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.