http://www.faz.net/-gyl-75nks
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.01.2013, 18:50 Uhr

Vielflieger Die Tücken des Meilensammelns

Arbeitnehmer mit reger Reisetätigkeit nutzen ihre Meilen gern für Privatreisen. Dabei gehören diese eigentlich dem Arbeitgeber. Und auch das Finanzamt interessiert sich dafür.

von und
© dpa Wem gehören die Meilen?

Vielfliegern sprach er aus dem Herzen: Der IT-Professor Tobias Eggendorfer hat jüngst mit einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht Köln für Furore gesorgt, in dem er seinem Ärger über die Kundenpolitik der Lufthansa Luft machte. Die Fluglinie hatte ihn mit einer nur knapp angekündigten Abwertung der Bonusmeilen im Vielfliegerprogramm „Miles & More“ 2011 zur Weißglut getrieben. Für einen transatlantischen Freiflug müssen nun mehr Bonuspunkte investiert werden. Das Landgericht hatte noch größtes Verständnis für die Empörung des Stammkunden gezeigt, doch die Richter am Oberlandesgericht gaben am Dienstag der Fluglinie recht (Az.: U 45/12). Die Änderungen des Prämienkatalogs benachteilige Kunden nicht unangemessen - zumindest wenn man auf den durchschnittlichen Vielflieger mit einem Konto von 12.000 Euro abstelle. Eggendorfer hatte jedoch mehr: Stolze 900.000 Bonusmeilen hatte er in zwei Jahren angesammelt.

Joachim Jahn Folgen: Corinna Budras Folgen:

Vielfliegerkonten in diesen Dimensionen häufen nur die wenigsten Privatpersonen an. Öfter gelingt dies Managern oder Arbeitnehmern im Außendienst, die heute schnell mal nach Brasilien und in der nächsten Woche nach Hongkong fliegen. Deshalb dürften sich diese Woche viele Beschäftigte mit Meilenkonto oder „Bonus-Card“ der Deutschen Bahn gefragt haben, was die Entscheidung eigentlich für sie bedeutet. Sehr viel, denn vorbehaltlich einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs ist nun klar, dass Fluglinien wie die Lufthansa und Air Berlin, aber auch die Deutsche Bahn ihren Prämienkatalog in nur wenigen Wochen relativ problemlos ändern könnten.

Der Arbeitgeber kann die Meilen für Dienstreisen einsetzen

Allerdings gibt es weit mehr, was man über diese Programme wissen sollte: Denn grundsätzlich kann der Arbeitgeber darauf pochen, dass die dienstlich erworbenen Meilen auch wieder für Dienstreisen eingesetzt werden. Das hat das Bundesarbeitsgericht schon 2006 entschieden, nur fordern wenige Unternehmen das auch ein (Az.: 9 AZR 500/05).

Für die Prämien, die Vielflieger auf Dienstreisen gutgeschrieben bekommen, interessiert sich außerdem das Finanzamt. „Ein geldwerter Vorteil ist nicht nur das, was ein Unternehmen selbst seinen Arbeitnehmern zuwendet“, erklärt Steuerberaterin Martina Ortmann-Babel von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. „Sondern steuerpflichtig ist auch, was ein Dritter Ihnen wegen des Arbeitsverhältnisses zuwendet.“ Das Einkommensteuergesetz sieht für Kundenbindungsprogramme von Dienstleistern allerdings einen jährlichen Freibetrag von 1080 Euro vor. Wer aber mehr Punkte anhäuft, so dass er damit beispielsweise gratis auf Fernreise gehen kann, muss theoretisch seinen Arbeitgeber davon verständigen. Dieser müsste darauf Lohnsteuer abführen. Wie der Wert solcher Prämien zu berechnen ist, hat die Finanzverwaltung eigens in einem sogenannten Anwendungsschreiben festgelegt.

Mehr zum Thema

Meist geht es aber einfacher. So nehmen die Fluggesellschaften ihren Kunden diese Last ab. Dann gilt zwar kein Freibetrag, jedoch ein pauschaler Steuersatz von nur 2,25 Prozent nebst Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Die Prämiensammler müssen dann gar nichts unternehmen, und auch ihr Arbeitgeber bleibt außen vor. „In der Praxis funktioniert das ziemlich geräuschlos“, sagt Steuerfachfrau Ortmann-Babel. Anders die Bahn. Wer dort ein Guthaben einfährt, das über dem Freibetrag liegt, ist aber wahrscheinlich ohnehin mit einer Jahresnetzkarte (“Schwarze Mamba“) besser bedient.

Doch Deutschland ist nicht nur ein Steuer-, sondern auch ein Abgabenstaat: Wenn jemand Geld verdient, hält nicht bloß der Fiskus seine Hand auf - auch die Sozialkassen wollen beteiligt werden. Aber keine Sorge: Niemand muss von seinen Prämien auch noch etwas bei der Krankenkasse und bei der Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abliefern. „Die Abgabenpflicht folgt der Steuerpflicht“, erläutert Ortmann-Babel. „Wenn die Fluggesellschaften die Steuer übernehmen, dann fallen auch keine Sozialversicherungsbeiträge an.“

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Profitable Fluggesellschaft Ryanair senkt die Ticketpreise

Die irische Billig-Fluglinie Ryanair steigert ihren Gewinn deutlich. Und erklärt, wieso sie ihre Ticketpreise um durchschnittlich 7 Prozent senken will. Mehr

23.05.2016, 08:15 Uhr | Wirtschaft
Video Verdi setzt Warnstreiks fort

Am Mittwoch will Verdi auch an mehreren deutschen Flughäfen Warnstreiks durchführen. Laut der Lufthansa werden Zehntausende Reisende betroffen sein. Wegen abweichender Ankündigungen zur Streikdauer und den jeweils bestreikten Bereichen würden die Auswirkungen an den verschiedenen Flughäfen unterschiedlich sein, teilte die Fluggesellschaft am Montagabend mit. Mehr

26.04.2016, 19:20 Uhr | Wirtschaft
Streik auf Streik Die neue deutsche Streiklust

Die Deutschen sind streikgebeutelt: Lokführer, Piloten, Post, Kitas und Metaller. Es wird immer häufiger, länger und intensiver gestreikt. Woran liegt das? Ein Erklärungsversuch. Mehr Von Anna Steiner

12.05.2016, 13:29 Uhr | Wirtschaft
Mittelmeer Trümmer der abgestürzten Egypt-Air-Maschine gefunden

Einen Tag nach dem Verschwinden eines Flugzeugs der Fluglinie Egypt Air herrscht Gewissheit über das Schicksal der Maschine mit 66 Insassen an Bord: 290 Kilometer nördlich der ägyptischen Großstadt Alexandria stieß die ägyptische Marine auf Flugzeugteile im Mittelmeer. Mehr

20.05.2016, 15:02 Uhr | Gesellschaft
Umweltbonus für Ladenhüter So bekommen Sie die Prämie für Ihr E-Auto

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine Prämie für Elektroautos in Höhe von 4000 Euro beschlossen. Doch wie kommen Verbraucher an die Prämie? Und für wen lohnt der Kauf wirklich? Mehr

18.05.2016, 10:34 Uhr | Finanzen