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Vielflieger Die Tücken des Meilensammelns

 ·  Arbeitnehmer mit reger Reisetätigkeit nutzen ihre Meilen gern für Privatreisen. Dabei gehören diese eigentlich dem Arbeitgeber. Und auch das Finanzamt interessiert sich dafür.

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Vielfliegern sprach er aus dem Herzen: Der IT-Professor Tobias Eggendorfer hat jüngst mit einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht Köln für Furore gesorgt, in dem er seinem Ärger über die Kundenpolitik der Lufthansa Luft machte. Die Fluglinie hatte ihn mit einer nur knapp angekündigten Abwertung der Bonusmeilen im Vielfliegerprogramm „Miles & More“ 2011 zur Weißglut getrieben. Für einen transatlantischen Freiflug müssen nun mehr Bonuspunkte investiert werden. Das Landgericht hatte noch größtes Verständnis für die Empörung des Stammkunden gezeigt, doch die Richter am Oberlandesgericht gaben am Dienstag der Fluglinie recht (Az.: U 45/12). Die Änderungen des Prämienkatalogs benachteilige Kunden nicht unangemessen - zumindest wenn man auf den durchschnittlichen Vielflieger mit einem Konto von 12.000 Euro abstelle. Eggendorfer hatte jedoch mehr: Stolze 900.000 Bonusmeilen hatte er in zwei Jahren angesammelt.

Vielfliegerkonten in diesen Dimensionen häufen nur die wenigsten Privatpersonen an. Öfter gelingt dies Managern oder Arbeitnehmern im Außendienst, die heute schnell mal nach Brasilien und in der nächsten Woche nach Hongkong fliegen. Deshalb dürften sich diese Woche viele Beschäftigte mit Meilenkonto oder „Bonus-Card“ der Deutschen Bahn gefragt haben, was die Entscheidung eigentlich für sie bedeutet. Sehr viel, denn vorbehaltlich einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofs ist nun klar, dass Fluglinien wie die Lufthansa und Air Berlin, aber auch die Deutsche Bahn ihren Prämienkatalog in nur wenigen Wochen relativ problemlos ändern könnten.

Der Arbeitgeber kann die Meilen für Dienstreisen einsetzen

Allerdings gibt es weit mehr, was man über diese Programme wissen sollte: Denn grundsätzlich kann der Arbeitgeber darauf pochen, dass die dienstlich erworbenen Meilen auch wieder für Dienstreisen eingesetzt werden. Das hat das Bundesarbeitsgericht schon 2006 entschieden, nur fordern wenige Unternehmen das auch ein (Az.: 9 AZR 500/05).

Für die Prämien, die Vielflieger auf Dienstreisen gutgeschrieben bekommen, interessiert sich außerdem das Finanzamt. „Ein geldwerter Vorteil ist nicht nur das, was ein Unternehmen selbst seinen Arbeitnehmern zuwendet“, erklärt Steuerberaterin Martina Ortmann-Babel von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. „Sondern steuerpflichtig ist auch, was ein Dritter Ihnen wegen des Arbeitsverhältnisses zuwendet.“ Das Einkommensteuergesetz sieht für Kundenbindungsprogramme von Dienstleistern allerdings einen jährlichen Freibetrag von 1080 Euro vor. Wer aber mehr Punkte anhäuft, so dass er damit beispielsweise gratis auf Fernreise gehen kann, muss theoretisch seinen Arbeitgeber davon verständigen. Dieser müsste darauf Lohnsteuer abführen. Wie der Wert solcher Prämien zu berechnen ist, hat die Finanzverwaltung eigens in einem sogenannten Anwendungsschreiben festgelegt.

Meist geht es aber einfacher. So nehmen die Fluggesellschaften ihren Kunden diese Last ab. Dann gilt zwar kein Freibetrag, jedoch ein pauschaler Steuersatz von nur 2,25 Prozent nebst Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Die Prämiensammler müssen dann gar nichts unternehmen, und auch ihr Arbeitgeber bleibt außen vor. „In der Praxis funktioniert das ziemlich geräuschlos“, sagt Steuerfachfrau Ortmann-Babel. Anders die Bahn. Wer dort ein Guthaben einfährt, das über dem Freibetrag liegt, ist aber wahrscheinlich ohnehin mit einer Jahresnetzkarte (“Schwarze Mamba“) besser bedient.

Doch Deutschland ist nicht nur ein Steuer-, sondern auch ein Abgabenstaat: Wenn jemand Geld verdient, hält nicht bloß der Fiskus seine Hand auf - auch die Sozialkassen wollen beteiligt werden. Aber keine Sorge: Niemand muss von seinen Prämien auch noch etwas bei der Krankenkasse und bei der Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abliefern. „Die Abgabenpflicht folgt der Steuerpflicht“, erläutert Ortmann-Babel. „Wenn die Fluggesellschaften die Steuer übernehmen, dann fallen auch keine Sozialversicherungsbeiträge an.“

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