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Vereinigte Staaten Fleiß zahlt sich aus

16.11.2007 ·  Eine interessente Studie zeigt: In Amerika sind die Chancen für den wirtschaftlichen Aufstieg hoch. Allerdings gibt es auch wenig Garantien, den erreichten Standard zu erhalten. Das treibt Beschäftigte an.

Von Claus Tigges
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Die Kluft zwischen Arm und Reich in Amerika wird zwar größer, doch die ärmeren Bevölkerungsschichten haben sehr gute Chancen, auf der Einkommensleiter verhältnismäßig schnell nach oben zu klettern. Die amerikanische Gesellschaft belohnt Fleiß und harte Arbeit durch eine hohe Mobilität der Einkommen. Eine Gewähr, den erlangten Reichtum auf ewig zu behalten, gibt es jedoch nicht. Das geht aus einer eingehenden Analyse hervor, die das Finanzministerium in Washington vorgelegt hat. Sie beruht auf der Auswertung von 96 700 Steuererklärungen aus den Jahren 1996 und 2005 und zeichnet den Weg nach, den die Einkommen der Steuerzahler während dieser Zeit genommen haben.

Zu den wichtigsten Ergebnissen zählt, dass rund 58 Prozent all jener, die 1996 zum ärmsten Fünftel der Einkommensbezieher zählten, neun Jahre später diese Einkommensgruppe verlassen hatten. Fast ein Viertel von ihnen stieg zu mittleren bis gehobenen Einkommen auf, etwas mehr als 5 Prozent schafften es sogar bis in die Spitzengruppe der reichsten 20 Prozent. Von denen, die Mitte der neunziger Jahre mit ihren Einkommen im sogenannten zweiten Quintil - die zweitärmsten 20 Prozent der Einkommensverteilung - lagen, schafften es rund 50 Prozent zur mittleren Einkommensgruppe, und nur 17 Prozent rutschten ab. Unter dem Strich verbesserten sich also rund die Hälfte der ärmeren und armen Amerikaner in ihren Einkommen zwischen 1996 und 2005. Während dieser Zeit stieg das inflationsbereinigte mittlere Einkommen (Medianeinkommen) aller Steuerzahler um 24 Prozent.

Das reichste Prozent verlor ein Viertel

Die Fachleute des Finanzministeriums fanden auch heraus, dass sich die Einkommen derjenigen, die 1996 auf dem niedrigsten Fünftel der Verteilung standen, bis 2005 um 90,5 Prozent erhöht und damit nahezu verdoppelt haben. Diejenigen hingegen, die damals zu den Reichsten gehörten, haben im Durchschnitt nur noch rund 10 Prozent im Einkommen zugelegt. Je ärmer ein einzelner Steuerzahler oder eine Familie 1996 waren, desto größer fiel der Einkommenszuwachs aus. Und nur eine Gruppe musste einen absoluten Rückgang ihres Realeinkommens hinnehmen: Das reichste Prozent der Einkommensbezieher verlor etwas mehr als ein Viertel davon. Mehr als die Hälfte (57,4 Prozent) der einstmals reichsten Amerikaner rutschte während des Analysezeitraums in eine niedrigere Einkommensgruppe ab.

Viele Studien haben die wachsende Ungleichheit in der Einkommensverteilung in Amerika dokumentiert. Zum Beispiel zeigen die Zahlen des Statistikamtes, dass der Anteil der reichsten 20 Prozent der Haushalte am Gesamteinkommen von 44,1 Prozent im Jahr 1980 auf 50,4 Prozent im Jahr 2005 stieg, während der Anteil der ärmsten 20 Prozent von 4,2 auf 3,4 Prozent fiel. "Um aber eine bessere Perspektive zu bekommen, muss man die Chancen analysieren, auf der Einkommensleiter emporzuklettern", schreiben die Ökonomen des Ministeriums. Denn Sorgen über eine ungleiche Einkommensverteilung würden gemildert, wenn ein geringes Einkommen nur als vorübergehend empfunden werde, weil sich gute Chancen für eine Besserung böten.

Amerikaner wechseln häufig die Zimmer

Die Fachleute verweisen auf den österreichischen Ökonomen Joseph Schumpeter (1883-1950), der die Einkommensverteilung einst mit einem Hotel verglichen hat, in dem es große, luxuriöse, aber auch kleine, schäbige Zimmer gibt. Die Zimmer seien stets belegt, aber immer von unterschiedlichen Leuten. Ein wichtiger Aspekt von Gerechtigkeit sei, dass jene in den schäbigen Zimmern die Möglichkeit haben, in ein besseres Zimmer zu ziehen, und dass die Luxuszimmer nicht immer von denselben Gästen bewohnt werden. "Die Häufigkeit, mit der die Menschen von Zimmer zu Zimmer ziehen, ist ein wichtiger Aspekt der Veränderungen in der Einkommensverteilung in Amerika", heißt es in der Analyse. Trotz der gewachsenen Ungleichheit hat die Mobilität der Einkommen sich im Vergleich zu früheren Jahrzehnten nicht verändert.

Die Ergebnisse der Studie dürften im Wahlkampf um die amerikanische Präsidentschaft häufig zitiert werden. Vor allem die demokratischen Bewerber vermitteln bisher den Eindruck, dass nicht nur die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, sondern dass sich auch die Chancen auf eine wirtschaftliche Verbesserung für große Teile der Bevölkerung verschlechtert hätten.

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