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Studie Einem Zehntel der Selbständigen droht Altersarmut

08.09.2009 ·  Eine neue Studie zu Altersarmut kommt zu erschreckenden Ergebnissen: Mehr als zehn Prozent der Selbständigen verdienen nicht genug, um aus ihrem Nettoeinkommen einen ausreichenden Betrag zu sparen, der ein Alterseinkommen auf dem Niveau der Grundsicherung garantierte.

Von Kerstin Schwenn
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Gut ein Zehntel aller Selbständigen in Deutschland ist von Altersarmut bedroht. 11 bis 12 Prozent der Selbständigen verdienen nicht genug, um aus ihrem Nettoeinkommen einen ausreichenden Betrag zu sparen, der ein Alterseinkommen auf dem Niveau der Grundsicherung garantierte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA) auf der Basis neuer Daten zur Vorsorgefähigkeit, zur Vorsorgebereitschaft und zum Vorsorgeniveau. Danach droht außerdem einem Fünftel der Selbständigen (21 bis 22 Prozent) eine „relative Armut“ mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens.

Beitragszahler in der gesetzlichen Rentenversicherung oder in einem berufsständischem Versorgungswerk sind unter den Selbständigen in der Minderheit: Drei Viertel aller Selbständigen seien nicht durch eine obligatorische Altersvorsorge abgesichert, heißt es in der Studie. Zwar stünden dem größten Teil der Selbständigen genügend Mittel zur Verfügung, für das Alter vorzusorgen. So könnten Haushalte mit einem Selbständigen als Hauptverdiener meist auch mehr sparen als Haushalte mit einem abhängig beschäftigten Hauptverdiener. Ihr Nettogesamtvermögen sei im Schnitt dreimal so hoch – jedenfalls wenn man die Rentenanwartschaften der Arbeitnehmer bei der Berechnung außer Acht lasse. Die private Altersvorsorge habe an dem Vermögen allerdings nur einen Anteil von 4 Prozent.

Die Zahl der Solo-Selbständigen hat sich seit 1991 verdoppelt

Selbständige in den unteren Einkommensgruppen sorgten jedoch deutlich weniger vor als Arbeitnehmer, obwohl diese schon Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung abgeführt hätten, die in der Sparquote nicht berücksichtigt würden. Die Trennlinie zwischen vorsorgenden sowie ungenügend vorsorgenden Selbständigen verlaufe bei einem Haushaltsnettoeinkommen von 2000 Euro. In dieser Einkommensklasse befinden sich laut Studie 30 Prozent aller Selbständigen und 48 Prozent aller abhängig Beschäftigten.

Die Zahl der sogenannten Solo-Selbständigen, die ihr Unternehmen ohne Angestellte betreiben, hat sich seit 1991 auf rund 2,3 Millionen verdoppelt, und sie wird immer größer. Viele von ihnen könnten im Alter auf die staatliche Grundsicherung, die auf Sozialhilfeniveau liegt, angewiesen sein. In der Mannheimer Studie wird diese Sozialleistung skeptisch betrachtet: Die Absicherung begünstige das „Trittbrettfahrer-Verhalten“ von einzelnen. Da die Grundsicherung einen gewissen Konsum auf Kosten der Gesellschaft erlaube, könne es aus der Sicht Einzelner optimal sein, während des Erwerbslebens das Einkommen komplett auszugeben.

Nicht vorschnell auf ein generelles Schutzbedürfnis schließen

In der Studie heißt es, aus den Ergebnissen dürfe nicht vorschnell auf ein generelles Schutzbedürfnis von Selbständigen geschlossen werden, mit denen eine Versicherungspflicht gerechtfertigt werden könne. Die negativen Effekte etwa einer Einbeziehung in die Rentenversicherung müssten bedacht werden.

Die SPD will hingegen die Solo-Selbständigen, um sie vor Altersarmut zu schützen, künftig schrittweise verpflichten, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen – wenn sie sich denn nicht schon einem Versorgungswerk angeschlossen haben. Bisher gibt es eine solche Pflicht nur für jene Selbständigen, die ständig für einen einzigen Auftraggeber arbeiten. Die SPD will indes damit einen Personenkreis in die gesetzliche Rentenversicherung bringen, der diese Absicherung gar nicht will. Umfragen zufolge lehnen zwei Drittel der Solo-Selbständigen eine Zwangsversicherung ab.

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Jahrgang 1963, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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