Home
http://www.faz.net/-gyl-73uir
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Statistik 1,4 Milliarden unbezahlte Überstunden im Jahr

Im Durchschnitt macht jeder Deutsche etwas mehr als drei Überstunden im Monat, für die es weder Geld noch Freizeit gibt. Das hat das Institut für Wirtschaftsforschung Halle ausgerechnet. Im ganzen Land kommen im Jahr 1,4 Milliarden unbezahlte Überstunden zusammen.

© AFP In vielen Fenstern brennt noch Licht: In so manchem Job gelten unbezahlte Überstunden als eine Selbstverständlichkeit.

Die Deutschen machen jährlich etwa 1,4 Milliarden unbezahlte Überstunden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) auf der Grundlage von Befragungsdaten des Sozio-oekonomi­schen Panels (SOEP). Das entspricht 2,9 Prozent des ge­samt­wirtschaftlichen Arbeitsvolumens.

Der Anteil des bezahlten Überstun­den­volumens betrug im selben Jahr 2,7 Prozent. Durchschnittlich leistete jeder Arbeitnehmer im Jahr 2010 insge­samt 12,3 Überstunden pro Monat. Von diesen wur­den 6,9 Stun­den durch Freizeit ausgeglichen oder bezahlt. 3,2 Stunden wurden nicht kom­pen­siert, die übrigen Stunden wurden der Ka­tego­rie „teils/teils“ zuge­ordnet.

Mehr zum Thema

Hinter diesen Angaben verbergen sich jedoch große strukturelle Unterschiede. Die Zahl der unbezahlten Über­stunden ist bei den Vollzeitbeschäftig­ten (4,2 Stunden pro Monat) mehr als dreimal so hoch wie bei den Teilzeit­beschäftigten (1,2 Stunden). Bei den Männern ist der An­teil der nicht kompensierten Überstunden deutlich höher als bei Frauen. Dies dürfte unter an­derem daran lie­gen, dass Frauen häufiger teil­zeit­beschäftigt sind. Besonders viele unbezahlte Mehrstunden (19,2 Stunden je Monat) leisten Arbeitnehmer in Führungs­positionen.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut wies darauf hin, dass bislang bei Berechnungen zum gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumen unbezahlte Überstunden nicht berücksichtigt werden. Dies verfälsche so manche wissenschaftliche Studie, sind die Forscher überzeugt. Der in Arbeitsstunden gemessene Arbeitsinput werde insgesamt zu gering ausgewiesen. „Da die einzelnen Beschäfti­gungs­gruppen in unterschiedlichem Maße unbezahlte Überstunden leisten, dürfte vor allem bei Strukturanalysen (nach Qualifikation, nach Geschlecht, Vollzeit/Teilzeit usw.) der Arbeitseinsatz mitunter nicht adäquat abgebildet sein“, schreiben sie in einer Mitteilung. Bei gesamtwirt­schaftlichen Untersuchungen könne es zu Verzerrungen beispiels­weise bei der Analyse der Arbeitsproduktivität oder der Lohnkostenbelastung der Produktion kommen.

Quelle: FAZ.net

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue Analyse Knapp 2000 Euro je Einwohner nur für Subventionen

Politiker greifen gerne in den Markt ein. Das kostet: Steuervergünstigungen, Finanzhilfen und sonstige Unterstützungen verschlingen das gesamte Aufkommen der Lohnsteuer. Mehr Von Manfred Schäfers

22.07.2015, 11:44 Uhr | Wirtschaft
Kanada Elf Milliarden Euro Entschädigung für Raucher

Drei Zigarettenhersteller in Kanada müssen umgerechnet elf Milliarden Euro Schadensersatz an Raucher bezahlen. Der Grund: Sie hätten nicht ausreichend vor den Gefahren des Rauchens gewarnt. Mehr

02.06.2015, 16:18 Uhr | Wirtschaft
Einlassverbot im Hofbräukeller Die Rache der ungeliebten Gäste

Mit einem Reservierungsverbot für Studentenverbindungen handelte sich der Wirt des Münchner Hofbräukellers einen deftigen Shitstorm ein. Mehr Von Albert Schäffer, München

23.07.2015, 19:08 Uhr | Gesellschaft
Lösegeldzahlung mit Bitcoins Entführter Kanadier wieder frei

Ein Kanadier ist in Costa Rica entführt worden. Nach einem Monat tauchte der 45 Jahre alte Mann wieder auf. Das Lösegeld soll in der virtuellen Währung Bitcoin bezahlt worden sein. Mehr

24.02.2015, 14:14 Uhr | Gesellschaft
Freihandelsabkommen Die Vorteile von TTIP

In der Debatte über das geplante Freihandelsabkommen geht es oft um mögliche Gefahren. Dabei gibt es auch viele Beispiele, wie TTIP helfen kann. Ein Überblick. Mehr Von Hendrik Kafsack, Brüssel

15.07.2015, 15:31 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 25.10.2012, 15:00 Uhr