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Veröffentlicht: 04.04.2017, 06:31 Uhr

Serie „Die Karriere googeln“ Was die Deutschen zum Thema Gehalt wissen wollen

Wieviel kostet ein Studium? Wann flirtet der Kollege wirklich? Die Deutschen googeln viele Fragen zur Karriere. Wir beantworten die wichtigsten in einer Serie. Hier kommt Folge 2 zum Thema Gehalt.

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© dpa Viele Menschen streiten für ein gutes Gehalt. Aber was ist eigentlich gut?
 
Wir beantworten die Fragen, die die Deutschen auf Google zum Thema Gehalt stellen.

Lieber Google fragen als den Karriereberater? Das denken sich viele Deutsche. Auf FAZ.NET berichten wir in einer Serie fünf Tage lang darüber, welches die am meisten gestellten Karrierefragen auf Google sind - und beantworten sie. Los ging's mit mit dem Thema Studium. Hier ist Folge 2 zum Thema Gehalt.

Infografik / Googlefragen - Einkommen und Gehalt © F.A.Z. Vergrößern

Was ist ein gutes Gehalt?

Sven Astheimer Folgen:

Allem Gerede von den neuen Werten der Arbeit zum Trotz: Das Gehalt ist und bleibt für die meisten Beschäftigten ein ganz ausschlaggebender Faktor, es ist Motivation und manchmal auch Schmerzensgeld, und vor allem vermittelt es Anerkennung für die geleistete Arbeit. Denn das Gehalt bildet ja nichts anderes ab als den Preis der Arbeit – und wer möchte schon sein eigenes Schaffen als supergünstiges Schlussverkaufsschnäppchen in der Wühlkiste wissen? Allerdings hat ein Gehalt keinen Wert an sich, und ob es „gut“ ist oder nicht, hängt deshalb von den eigenen Ansprüchen und der damit verbundenen Kaufkraft ab. Fangen wir also ganz grundsätzlich an: Laut Statistischem Bundesamt verdient ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer in Deutschland im Jahr 48 936 Euro brutto. Wer beim Lesen dieser Zahl feststellt, dass er mehr verdient, wird sich wahrscheinlich zunächst gut fühlen. Wer darunter liegt, eher nicht. Da es sich um einen Durchschnittswert handelt, ist die Aussagekraft allerdings eingeschränkt. Große Unterschiede gibt es zum Beispiel zwischen den Branchen. Während im Finanz- und Versicherungswesen im Durchschnitt mehr als 70.000 Euro im Jahr verdient werden, sind es im Gastgewerbe gerade mal 28 000 Euro. Auch das Alter ist entscheidend: Noch immer folgen Karrieren in Deutschland mehrheitlich dem Senioritätsprinzip – mit dem Alter steigt auch das Gehalt. Berufseinsteiger bekommen dagegen deutlich weniger. Weitere wichtige Einflussfaktoren sind die Qualifikation (Studium, Ausbildung, angelernt) und regionale Gehaltsgefälle. Laut dem F.A.Z.-Gehaltsatlas verdient etwa ein Akademiker beim Berufseinstieg im Bundesdurchschnitt 45.397 Euro. Die Top-Verdiener unter ihnen sind Juristen im Großraum Frankfurt, die auf stolze 63.000 Euro kommen. Dagegen muss sich ein Geisteswissenschaftler in Nürnberg mit weniger als 35.000 Euro bescheiden. Ob er das gut findet?

Was ist brutto, was ist netto?

„Mehr netto vom Brutto“ lautet eine beliebte Forderung in Wahlkämpfen. Denn zwischen die beiden schiebt sich der ungeliebte Abgabenkeil, der dafür sorgt, dass aus dem vom Arbeitgeber überwiesenen Gesamtgehalt (Brutto) die Teilmenge des auszuzahlenden Betrags (Netto) wird. Die Differenz ist groß: Rund 40 Prozent beträgt die Abgabenquote in Deutschland – in Europa werden nur belgische Arbeitnehmer stärker belastet. Die größten Abzüge entfallen auf Steuern (Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag) und Beiträge für die Sozialversicherungen (Renten-, Pflege-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung). Doch auch freiwillige Leistungen zur Altersvorsorge können die Kluft vergrößern, wenn Entgeltbestandteile vor der Auszahlung vom Arbeitgeber in Rentenbeiträge umgewandelt werden. Auch Zwangsbeiträge wie etwa für berufsständische Versorgungswerke landen nie auf dem Konto der Beschäftigten, sondern werden von der Lohnbuchhaltung direkt abgeführt. Während die Sozialversicherungsbeiträge für alle Angestellten gelten, hängt die Lohnsteuer von der Steuerklasse und vom familiären Umfeld ab. Das führt dazu, dass das Ausmaß der Brutto-Netto-Lücke stark variiert. Kommt ein alleinverdienender Familienvater im Schnitt mit einer Abgabenquote von etwas mehr als 30 Prozent davon, wird einer alleinstehenden Angestellten rund die Hälfte ihres Bruttogehalts abgeknöpft.

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Was ist ein Honorar?

Wie so vieles leitet sich auch dieser Begriff aus dem Lateinischen ab: „Honor“, die Ehre. Allzu honorig kommt das Honorar jedoch in der modernen Wirtschaft nicht mehr daher. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Vergütung, die an eine bestimmte Leistung gekoppelt ist. Während ein Angestellter sein Gehalt und der Arbeiter seinen Lohn allein für die Bereitstellung seiner Arbeitskraft erhält (unabhängig davon, wie sie letztlich eingesetzt wird), ist das Honorar an ein konkretes Ergebnis gekoppelt. Damit geht auch das unternehmerische Risiko prinzipiell auf den Erbringer der Leistung über, da er im Falle eines Misserfolgs ebenso leer ausgehen kann – es sei denn, er hat vorsorglich ein Ausfallhonorar vereinbart oder eine entsprechende Versicherung abgeschlossen. Deshalb sind Honorare vor allem in den „Freien Berufen“ üblich, zu denen Steuerberater, Ärzte, Architekten, Anwälte, Notare aber auch Journalisten und Künstler gehören. Einige Berufsstände haben eigene Honorarordnungen festgelegt, um den Markt für Kunden transparent zu machen. Oft ist die Honorarhöhe jedoch reine Verhandlungssache. Auch die vielen Unternehmens- und Personalberater stellen ihren Kunden für ihre Dienste Honorare in Rechnung.

Immer wieder geraten Honorare auch ins Blickfeld von Steuerfahndung und sogar Strafverfolgern – wenn nämlich der Verdacht aufkommt, dass für ein (zumeist üppiges) Honorar überhaupt keine adäquate Gegenleistung erbracht worden ist. In solchen Fällen liegt der Verdacht nahe, dass es sich um dubiose Finanzgeschäfte handelt. Und das wäre dann ganz und gar nicht mehr honorig.

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