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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Rechtsabteilungen Hohe Ansprüche an Hausjuristen

19.05.2009 ·  Wer einen Job in der Rechtsabteilung eines Unternehmens ergattern will, muss meist Berufserfahrung in einer Kanzlei vorweisen. Glückt der Einstieg, warten vielfältige Aufgaben - aber nicht unbedingt gute Aufstiegschancen.

Von Steffi Sammet
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Wenn Matthias Restorff auf die Übernahme seines damaligen Arbeitgebers Holsten durch den dänischen Brauereikonzern Carlsberg zu sprechen kommt, gerät der 43-jährige Jurist ins Schwärmen. „Das war eine sehr spannende Zeit. Die Übernahme damals war mit einer außerordentlichen Hauptversammlung verbunden, auf der die Brauerei die Minderheitsaktionäre mit einer Barzahlung abgefunden hat.“ Als Leiter der Holsten-Rechtsabteilung sei die Vorbereitung dieses sogenannten „Squeeze out“ eine große Herausforderung gewesen. Das Verfahren, die vielen Fallstricke des Aktienrechts, die berücksichtigt werden mussten, das Briefing der Vorstände für die kritischen Fragen der Aktionäre - „in diesen Monaten habe ich sehr viel gelernt, das waren tolle Aufgaben“, erinnert sich Restorff.

Die Chancen, unmittelbar nach Studium oder Referendariat einen Job in der Rechtsabteilung eines Unternehmens zu erobern, sind jedoch angesichts gewachsener Ansprüche inzwischen eher gering. Wer diese Hürde jedoch meistert, kann - wie Holsten-Chefjurist Restorff - mit spannenden und abwechslungsreichen Aufgaben rechnen. Gleichzeitig können sich viele Syndizi weiterentwickeln und unter Umständen sogar Führungspositionen außerhalb der Rechtsabteilung übernehmen.

Juristen mit Kanzlei-Erfahrung gehören zu den Favoriten

Vorher gilt es juristische Erfahrung im Alltag zu sammeln. „Für die Jobs in ihren Rechtsabteilungen suchen die Unternehmen in der Regel fertig ausgebildete Mitarbeiter, die schon Mandanten betreut oder ihre Fälle vor Gericht durchgefochten haben“, beobachtet Ina Steidl, Partnerin der Personalberatung Schollmeyer & Steidl in Frankfurt. Bewerber, die zwei, drei oder mehr Jahre in einer Kanzlei Fall für Fall abgearbeitet und zum Beispiel schon Firmenübernahmen oder Fusionen betreut haben, gehörten daher zu den Favoriten der Unternehmen.

„Gerade die Kandidaten, die aus den großen, renommierten Kanzleien kommen, sind sehr gefragt. Sie bringen normalerweise all das mit, worauf die Industrie besonderen Wert legt“, betont Steidl. So kennen sie sich meist sehr gut in den Rechtsgebieten aus, die für das jeweilige Unternehmen wichtig sind - wie beispielsweise das Gesellschaftsrecht. „Daneben stehen auch Experten für Vertrags-, Marken-, Wettbewerbs- oder Exportrecht hoch im Kurs“, zählt die Personalexpertin auf.

Wer ein Randgebiet hat, sollte es hegen und pflegen

Juristen, die sich schon während ihrer Zeit in einer Kanzlei auf Randgebiete wie Pharmarecht konzentrieren, rät Steidl, „dieses Faible gezielt zu pflegen, um sich später als ausgewiesener Experte zu positionieren“. Doch fachliche Qualifikation allein reicht nicht. Gabriele Bollhöfer, Karriere-Coach bei Lovells in München, empfiehlt die Großkanzlei als „Lernmaschine“. Egal, ob den Juristen der Vorstandschef des Unternehmens oder ein Mandant einer Kanzlei gegenüber sitzt, „müssen sie in der Lage sein, eine Beziehung aufzubauen und Vertrauen zu schaffen“. Wesentlich sei auch „das Talent, komplizierte Sachverhalte für fachfremde Kollegen wie Ingenieure in einfachen Worten zu erklären“, ergänzt Steidl.

Wer sich für einen Wechsel in die Industrie entscheidet, findet sich meist in einem Team wieder, das für verschiedenste Unternehmensbereiche und Themen verantwortlich ist. Ein hauseigener Jurist deckt oft drei bis fünf Fachbereiche ab. „Wir beraten morgens beispielsweise unser Marketingteam in allen rechtlichen Fragen rund um das nächste Preisausschreiben, begleiten unseren Vertrieb mittags in eine schwierige Vertragsverhandlung mit einem Gastronomen oder setzen uns an den Computer, um mögliche Verbraucherbeschwerden, die aus der Technikabteilung kommen, zu bearbeiten“, schildert Holsten-Chefjurist Restorff einen seiner typischen Arbeitstage.

In kniffligen Fällen gibt's Unterstützung von außen

Hinzu kommt die Vorbereitung und Durchführung von Übernahmen und Fusionen, die Gestaltung von Kundenkontrakten oder auch das Forderungsmanagement für fällige Strafen, wenn etwa eine Baufirma das Bürogebäude oder die Produktionsanlage nicht pünktlich fertigstellt. Notiert der Arbeitgeber an der Börse, steht oft auch die Planung der Hauptversammlung auf dem Programm einer internen Rechtsabteilung.

Ein großer Teil der Unternehmen fordert in kniffligen Fällen Unterstützung von außen, denn oft zählen Rechtsabteilungen kaum ein Dutzend Mitarbeiter. Beim Sportartikelhersteller Adidas im fränkischen Herzogenaurach kümmern sich nur etwa 20 Juristen um die rechtlichen Belange des Dax-Konzerns. „Das ist typisch. In den meisten Rechtsabteilungen gibt es nur einen ,Häuptling' und mehrere ,Indianer', die in der Regel aber sehr eigenverantwortlich ihre Projekte bearbeiten“, beschreibt Personalberaterin Steidl.

„Vielversprechende Karriereperspektiven“

Diese flache Hierarchiestruktur eröffnet unternehmenseigenen Juristen natürlich kaum Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb ihrer Abteilung. Ehrgeizige Syndizi sollten sich davon allerdings nicht abschrecken lassen: „Immer wieder bieten Unternehmen Juristen den Wechsel in operative Geschäftsbereiche an und ernennen ihn beispielsweise zum Geschäftsführer ihrer ausländischen Tochtergesellschaft. Das sind sehr spannende und vielversprechende Karriereperspektiven“, betont Ina Steidl.

Deutlich fallen auch die durchschnittlichen Einkommen hauseigener Juristen ins Gewicht: So unterscheidet sich das Gehalt eines Syndikus in einem Unternehmen bis zu 500 Mitarbeiter teilweise gravierend von einem Anwalt, der in einer Kanzlei mit vergleichbarer Personalzahl tätig ist. Während die Industrie ihre internen Juristen durchschnittlich mit 68 400 Euro jährlich entlohnt, kassieren die Rechtsexperten in Kanzleien rund 78 000 Euro. Das ergab eine neue Auswertung des Vergütungsspezialisten Personalmarkt.

Oft geht es in die Provinz

„In der Spitze kann sich das Gehalt sogar um bis zu 15.000 Euro und mehr zuungunsten der Unternehmensjuristen unterscheiden“, ergänzt Heike Friedrichsen von Personalmarkt. Für Juristinnen, die sich für ein Unternehmen entscheiden, hält sie ein Trostpflaster parat: „Mit etwa 60.000 Euro pro Jahr verdienen sie zwar deutlich weniger als männliche Kollegen mit durchschnittlich 72.600 Euro. Dafür aber bewegen sich ihre Gehälter mit denen ihrer Kolleginnen in Kanzleien fast gleichauf.“

Juristen, die ihre Karriere in einem Unternehmen planen, verschlägt es oft in die deutsche Provinz. „Die großen Kanzleien sitzen in attraktiven Großstädten wie Hamburg, Düsseldorf oder München. Wer für einen großen deutschen Mittelständler arbeitet, landet schon einmal in Erlangen, Ravensburg oder Saalfeld“, weiß Beraterin Steidl.

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