http://www.faz.net/-gyl-7b5d5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.07.2013, 16:06 Uhr

Lohnunterschiede Männer verdienen gar nicht viel mehr als Frauen

Sie haben das gleiche Fach studiert und die gleiche Berufserfahrung. Und doch verdient der Mann deutlich mehr als die Frau in ähnlicher Position. Das ist das Ergebnis vieler Gehaltsstudien. Jetzt gibt es eine, die besagt: So groß ist der Unterschied gar nicht.

© AFP Gleicher Lohn? Wie hoch sind die Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen wirklich?

Männer verdienen bei gleicher Qualifikation und gleicher Leistung mehr als Frauen. Immer wieder ist dies der Befund von Vergütungsstudien. Doch jetzt hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) herausgefunden: So groß ist der Unterschied gar nicht - vorausgesetzt man schaut sich die Nettogehälter und nicht die Bruttogehälter an. „Das deutsche Steuer- und Transfersystem dämpft die Effekte des geschlechtsabhängigen Lohnunterschiedes“, schreiben die DIW-Forscher, die den so genannten “Gender Pay Gap“ zum ersten Mal unter Berücksichtigung von Steuern untersucht haben.

In der Studie haben sich die DIW-Wissenschaftler Johannes Geyer und Patricia Gallego Granados den Teil der Lohnunterschiede genauer angesehen, der nicht auf beobachtbare Faktoren wie Berufserfahrung oder Arbeitszeit zurückgeführt werden kann. Häufig wird hinter diesem unerklärten Rest der Lohnunterschiede Geschlechterdiskriminierung vermutet. Diese zwischen Männer- und Frauengehältern klaffende Lücke ist den DIW-Forschern zufolge brutto jedoch erheblich größer als netto. Genauer gesagt: Vor Steuern ist sie etwa doppelt so groß wie nach Steuern. Insbesondere die progressive Einkommensteuer sei daran Schuld, lautet der Befund.

Verglichen mit anderen Ländern steht Deutschland schlecht da

Allerdings schafft es das deutsche Steuer- und Transfersystem nicht, den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen komplett aufzuheben. Verglichen mit anderen Industrieländern steht Deutschland sogar ziemlich schlecht da: Die OECD bescheinigt Deutschland den drittgrößten „Gender Pay Gap“ aller Mitgliedsländer. Nur in Japan und Korea ist der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied der Organisation zufolge noch größer.

Am größten ist der Unterschied in der Bezahlung von Männern und Frauen bei den Geringverdienern. In Westdeutschland erhalten die fünf Prozent Männer mit den kleinsten Bruttomonatseinkommen im Durchschnitt 140 Prozent mehr als die fünf Prozent Frauen mit den geringsten Einkommen. Bei den höchsten fünf Prozent der Einkommen ist der Unterschied mit knapp 50 Prozent deutlich geringer.

Insgesamt ist die geschlechtsspezifische Einkommenslücke seit dem Jahr 2000 um zwei Prozent kleiner geworden. Der Unterschied zwischen Mann und Frau ist in Westdeutschland noch immer deutlich höher als in Ostdeutschland. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass westdeutsche Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten als ostdeutsche Frauen.

Mehr zum Thema

Quelle: nab./FAZ.net

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gendermedizin Eine Frage des Geschlechts

In der Medizin hat sich die Genderdebatte erledigt. Männlich tickt anders als weiblich. Für Diagnose und Therapie vieler Krankheiten hat das weitreichende Folgen. Mehr Von Miray Caliskan

19.08.2016, 16:50 Uhr | Wissen
Bevölkerungsentwicklung Immer mehr Menschen im Iran sind unfruchtbar

Der Iran kämpft mit einem Problem - bei Männern sinkt die Spermienqualität, bei Frauen setzt die Menopause oft zu früh ein. Wer das Geld hat, lässt sich künstlich befruchten - doch in dem konservativen Land bringt das ganz eigene Probleme mit sich. Mehr

20.08.2016, 16:00 Uhr | Gesellschaft
Nachwuchsaufzucht Katzen reagieren sensibler als Kater auf Schreie der Jungtiere

Biologen haben in Hannover untersucht, welchen Effekt das Rufen von Katzenbabys auf erwachsene Tiere hat. Zu ihrer Überraschung ließ das Miauen auch die Männchen nicht kalt - allerdings verhielten sie sich im Unterschied zu den Weibchen immer gleich. Mehr

12.08.2016, 07:02 Uhr | Wirtschaft
Universität Gent Belgische Forscher gewinnen Trinkwasser aus Urin

Belgische Forscher haben an der Universität Gent eine Methode entwickelt, sauberes Trinkwasser aus Urin zu gewinnen. Die Technologie soll vor allem Menschen in Entwicklungsländern die Wasserversorgung sichern. Derweil tüfteln die Wissenschaftler an anderen Dingen, die sie aus Urin erzeugen können. Mehr

28.07.2016, 18:14 Uhr | Wissen
Integration Die Bringschuld liegt nicht bei den Flüchtlingen

Wie lassen sich Flüchtlinge schneller in Arbeit bringen? Dazu haben Forscher mit mehr als 100 Flüchtlingen ausführlich gesprochen und klare Lektionen für die Praxis formuliert. In der Politik stoßen sie damit nicht nur auf Gegenliebe. Mehr Von Benjamin Fischer

11.08.2016, 16:14 Uhr | Wirtschaft