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Unterschiedliche Bezahlung : Der schwache Aufstiegswille der Frauen

Ärgert sich: Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence Bild: Reuters

Bestausgebildete Anwältinnen werden schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Und es ist keine Diskriminierung. Eine neue Studie aus Amerika wirft Licht auf die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern.

          Hacker hatten entlarvt, dass Sony- Pictures-Superstar Jennifer Lawrence sieben Prozent des Gewinns aus dem Film „American Hustle“ zahlte, während die anderen beiden Stars des Films, Bradley Cooper und Christopher Bale, neun Prozent bekamen. Lawrence erhielt weniger Geld trotz ihrer grandiosen Popularität unter Millennials, der Starrolle im Film und ihrer hohen Kunst, die mit einem Oscar prämiert wurde. Die Schauspielerin ärgerte sich in einem im Oktober erschienenen Blog vor allem über ihren mangelnden Mut, härter zu verhandeln. Sie führte das auf ihren ziemlich weiblichen Wunsch zurück, gemocht zu werden und nicht zu schwierig zu erscheinen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Lawrence hat dem ohnehin stark debattierten Thema noch einmal Zunder gegeben. Der Stand der Debatte über die Geschlechterlücke in der Entlohnung ist bisher grob folgender: Männer werden besser bezahlt als Frauen, obwohl Letztere mindestens genauso gut ausgebildet sind. Das ist als generelles Phänomen akzeptiert und wird zumeist als große Ungerechtigkeit gewertet. Die herrschende Erklärung dafür lautet, Frauen werden diskriminiert. Sie verdienten nicht, was sie eigentlich verdienen, was also ihrer Leistung angemessen wäre.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat das so ausgedrückt: Eine Frau müsse rund drei Monate mehr arbeiten, um das zu bekommen, was ein Mann bekommt. „Das ist nicht fair. Es ist, als ob man den Frauenmarathon um sechs Meilen verlängert.“ Obama sagte die Worte bei der Verabschiedung einer Verordnung, die Bundesbehörden und ihre Lieferanten zwingt, die Gehaltslücke zu schließen. Im fortschrittlichen Kalifornien tritt im Januar 2016 ein Gesetz in Kraft, das Arbeitgeber verpflichtet, substantiell gleiche Arbeit gleich zu bezahlen und die Entlohnung auf Anfrage transparent zu machen.

          Leistungsmessung ist schwer

          Zahlreiche Untersuchungen untermauern zwar den Verdacht der Diskriminierung, sie leiden allerdings unter der Schwierigkeit, einen guten Maßstab für die (Un-)Angemessenheit von Entlohnungsunterschieden zu präsentieren. Das gilt umso mehr, je höher die Anforderungen werden. Gerade die Gehälter für anspruchsvollere Positionen haben meistens eine Leistungskomponente. Aber Leistungsmessung ist schwer, nicht nur für Arbeitgeber, sondern auch für Forscher. Am wenigsten schwierig ist es aber in einem Berufszweig, der unter dem Verdacht steht, alles komplizierter zu machen. Gemeint sind die Rechtsanwälte.

          Vor wenigen Tagen haben zwei Professorinnen eine Studie vorgelegt, die der Diskussion über die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen eine neue Richtung geben könnte. Die riskante Quintessenz der aufwendigen Untersuchung lautet: Leistungsunterschiede spielen bei der unterschiedlichen Entlohnung eine entscheidende Rolle, und zwar bis zu 50 Prozent. Das zeigen Untersuchungen in Anwaltsunternehmen. Klassische Formen der Diskriminierung dagegen sind der Studie zufolge nicht maßgeblich für Unterschiede im Verdienst.

          Im Gegensatz zu anderen Branchen für Hochqualifizierte messen Anwaltskanzleien die Leistung ihrer Anwälte und Anwältinnen mit relativ transparenten Maßstäben, die weitgehend gleich sind und auch über Unternehmengrenzen hinweg gültig sind. Maßstab Nummer eins sind die Stunden, die ein Anwalt seinen Klienten in Rechnung stellt. Maßstab Nummer zwei sind die zusätzlichen Erlöse, die Anwälte durch die Akquise neuer Kunden gewinnen. Beide Kriterien sind von vitaler Bedeutung für die Anwaltsfirmen. Die in Rechnung gestellten Anwaltsstunden bestimmen die Erlöse der Kanzleien, neu gewonnene Klienten sichern die Zukunft. Deshalb sind sie in fast allen amerikanischen Großkanzleien die Basis zur Ermittlung der Boni für die Anwälte.

          „Klare Beweise für Leistungsunterschiede“

          Die Professorinnen Ghazala Azmat (London School of Economics) und Rosa Ferrer (Universitat Pompeu Fabra Barcelona) haben Daten aus einer repräsentativen Umfrage der amerikanischen Rechtsanwälteorganisation „American Bar Association“ ausgewertet. Der amerikanische Berufsverband ließ Juristen und Juristinnen im Jahr 2002 interviewen, nachdem sie ihren Abschluss zwei Jahre hinter sich hatten. Noch einmal wurden dieselben Anwälte 2007 und 2010 detailliert zu ihrer Arbeit befragt. „Im Grunde sind wir einer Generation von Anwälten auf ihrem Karriereweg gefolgt, die im Jahr 2000 ihre Zulassung bekamen. Im engen Sinne gelten die Ergebnisse für diese Generation.“

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