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Karrieresprung Lernen auf höchstem Niveau

21.09.2002 ·  DaimlerChrysler hat es, ebenso Lufthansa und Bertelsmann: die Corporate University für eigene Manager. Wertvoller Think Tank oder eitler Eliteclub?

Von Birgit Obermeier
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Ihre Trainees bilden sie bereits seit über zehn Jahren gemeinsam aus. Nun wollen sich die zehn Firmen im „Unternehmerverbund mittelständischer Unternehmen in der Region Oberpfalz“ auch bei der Weiterbildung ihrer Führungskräfte zusammen tun. Derzeit laufen noch die letzten Präsentationen renommierter Management-Institute.

Bereits im kommenden Jahr soll eine gemeinsame „Corporate University“ ihre Pforten öffnen. „Unsere Führungskräfte sollen die Möglichkeit erhalten, sich durch hochkarätige Dozenten in Management-Fragen weiter zu entwickeln“, sagt Gerold Hasel, Personalleiter der Maschinenfabrik Reinhausen in Regensburg und gegenwärtig Vorstand des Unternehmensverbunds.

Trend aus Amerika

Dass sich Mittelständler eine Corporate University leisten, ist neu. Bislang blieb ein derartiges Bildungsangebot den Mitarbeitern von Konzernen vorbehalten. In den USA gründete General Electric bereits Mitte der 50er Jahre sein „GE Management Development Institute“. Mittlerweile gibt es dort mehrere Hundert Angebote, darunter so wenig akademisch anmutende wie die „McDonald's Hamburger University“, in der bereits über 50.000 Mitarbeiter die Kunst des Buletten-Bratens - und etwas mehr - erlernt haben.

Echte Neuerung oder neues Etikett?

Hierzulande beanspruchen jeweils DaimlerChrysler und Lufthansa für sich, 1998 die erste Firmen-Uni gegründet zu haben. Unternehmen wie Bertelsmann, Schering oder die Deutsche Bank folgten dem Beispiel. Die Eschborner Personalberatung Consensus Consulting zählt in einer aktuellen Benchmark-Studie insgesamt 47 Corporate Universities in Deutschland. Allerdings, schränkt Consensus-Beraterin Martina Eberhardt ein: „Die Unterschiede in der Ausprägung sind immens.“ Einige Unternehmen hefteten schlichtweg ihrer Personalentwicklung das neue Etikett „Akademie“ an.

Eine Corporate University, die ihren Namen verdient, ist Experten zufolge mehr als ein bunt gemischtes Weiterbildungssortiment. Wichtigstes Charakteristikum: Die gelehrten Inhalte sind maßgeschneidert für das jeweilige Unternehmen. Diese kooperieren dazu in der Regel mit renommierten Eliteschmieden wie - im Falle von DaimlerChrysler - der Harvard Business School, dem Insead in Paris oder dem International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne.

Problemlösen statt abstraktes Lernen

Die „Studenten“ einer Corporate University lernen strategisches Denken oder Führungsqualitäten nicht anhand abstrakter Beispiele, sondern konkreter firmeninterner Fragestellungen. Und: Sie setzen ihr neu erworbenes neues Wissen gleich gewinnbringend für das Unternehmen um - indem sie Probleme lösen oder die strategische Neuausrichtung vorantreiben. Das macht die Firmen-Unis in den Augen ihrer Anhänger zu einem wertvollen „Think Tank“. Zumal - im Idealfall zumindest - die oberste Führungsriege des Unternehmens einen engen Austausch mit den Teilnehmern pflegt. Kritiker freilich bemängeln, dass die persönliche Weiterbildung einem knallharten Kosten-Nutzen-Denken untergeordnet ist.

DaimlerChrysler und Bertelsmann führen ihre Corporate University klar nach dem Prinzip des elitären Manager-Clubs. Der Autobauer will mit seinem größtenteils virtuellen Lernangebot bei den weltweit rund 7.000 Führungskräften die „Konzernstrategie implementieren“. Den Anstoß dafür gab seinerzeit die Fusion mit Chrysler.

Auf eine einheitliche Linie wollte auch der mittlerweile zurückgetretene Bertelsmanns-Chef Thomas Middelhoff die bei unzähligen Konzern-Töchtern verstreuten Manager einschwören. Mit der Bertelsmann University als „dialogischer Plattform“ habe sich im Laufe der Jahre „eine eigene Bertelsmann-Identität sowie ein großer Wille der Manager zur Kooperation herausgebildet“, preist deren Direktor Immanuel Hermreck. Dass der Vorstand bei jeder Lern-Sitzung der Manager dabei ist, scheint zu fruchten. Für die klassische Weiterbildung sind bei dem Medienkonzern weiterhin die eigenen Töchter verantwortlich.

Unterschiedliches Verständnis

Anders bei der Deutschen Bank. Dort erfüllt die Corporate University just die Funktion, den internen Stellenwert von Weiterbildung zu erhöhen. Die einzelnen Angebote sollen weltweit nach und nach vereinheitlicht und näher an die Geschäftsstrategie angelehnt werden. Die Corporate University sei als „Dach für das gesamte Weiterbildungsangebot“ grundsätzlich offen für alle Mitarbeiter, erläutert Jochen Robes, Head of E-Learning bei der Deutschen Bank. Große Ausgaben seien damit nicht verbunden, schließlich habe sich bis auf die Ausrichtung hin zu mehr Qualität nicht viel verändert, sagt Robes. Ob das das Etikett „Corporate University“ nun berechtigt sei oder nicht, hält er für eine „akademische Diskussion“.

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